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Hanau, 25. Februar 2016
„Mogelpackung mit Schleifchen“
- OB Kaminsky kommentiert Rheins Fördermittelankündigung für Theaterfestivals

„50.000 Euro zusätzliche Fördermittel für Sommertheaterfestivals“ kündigt der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein jüngst in einer Pressemitteilung an. Die zusätzlichen Gelder stünden für besonders innovative Projekte innerhalb der verschiedenen Festspiele zur Verfügung. „Das ist nur auf den ersten Blick eine hoch erfreuliche Ankündigung“, kommentiert Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Auf den zweiten Blick entpuppe sich die Nachricht als „Mogelpackung mit Schleifchen“.

„Alle hessischen Theaterfestspiele in Hessen – und davon gibt es rund zehn – können bis zu einem gewissen Grad Innovation in den Ring führen“, erläutert Kaminsky. „Die genannte Summe sei daher nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein!“, stellt der OB trocken fest. Man stehle sich hier schlichtweg aus der Verantwortung Theaterkultur in Hessen nachhaltig zu fördern. Noch dazu, so Kaminsky, müssten sich die Festivals aufwendig um die sehr übersichtliche Förderung bewerben. „Zu allem Übel wird hier noch eine große bürokratische Hürde aufgebaut, um überhaupt eine Chance auf die Gelder zu erhalten.“

Auch ändere sich durch diese Förderung nichts an der Diskrepanz zwischen der ungewöhnlich hohen Zuwendung an die Hersfelder Festspiele von 557.000 Euro (2015) und der Tatsache, dass Hanau gerade mal 12.500 Euro erhalte. „ Dieser Betrag ist das 46fache (!) der Förderung, die Hanau erhielt“, stellt der OB fest. Nicht mal ein Zehntel der Fördersumme für Bad Hersfeld solle nun an alle hessischen Festspiele ausgeschüttet werden, rechnet Kaminsky auf.

Das Alleinstellungsmerkmal der Brüder Grimm Festspiele sei nach wie vor, die Tatsache, dass man hier – einzigartig in Hessen – Jahr für Jahr drei Uraufführungen produziere, die eigens für das Festival geschrieben würden und so dem Publikum zum einen etwas Besonderes zu bieten habe und zum anderen Arbeitsplätze für junge Autoren, Komponisten und Librettisten schaffe, erläutert Kaminsky. „Mit unseren neuen Reihen „Grimm Zeitgenossen“ und „Junge Talente“, mit der wir den künstlerischen Nachwuchs fördern, stellen wir sogar fünf neue Produktionen jährlich auf die Beine“, zählt der Kulturdezernent auf. Die Bad Hersfelder Festspiele hingegen produzierten in dieser Spielzeit beispielsweise lediglich drei Stücke neu, kauften ansonsten Gastspiele aus anderen Theatern ein und nähmen Stücke der letzten Saison wieder auf. „Hier liegen die Produktionskosten voraussichtlich bei einem überschaubaren Niveau“, rechnet der OB.

„Es geht mir nicht darum, andere Festspiele schlecht zu reden“, betont Kaminsky. „Ich schätze die Kollegen und ihre künstlerischen Bemühungen sehr!“ Es bleibe aber zu erwähnen, dass viele Künstler sowohl in Hersfeld, wie auch in Hanau arbeiteten. „Das sind hochkarätige Leute, die auch in Berlin, Wien, Zürich, Frankfurt und Hamburg auf der Bühne stehen“, erläutert der OB. Die Tatsache, dass Rhein der drittgrößten Festspielstadt in Hessen nur so spärliche Unterstützung zuteile, lasse vermuten, dass der Kultusminister die Hanauer Brüder Grimm Festspiele, die künstlerische Qualität und ihre überregionale Bedeutung nicht wirklich kenne.

Zu den angekündigten Fördermitteln von 50.000 Euro, die Rhein diesen Sommer verteilen wolle, blieben zudem viele Fragen. „Mich würde es sehr interessieren, wie die Jury besetzt ist, die über die Verteilung der Mittel entscheidet“, sagt Kaminsky. „Ich hoffe ihr Gerechtigkeitssinn und Kunstverständnis ist ausgeprägt genug, um die Förderwürdigkeit unserer Hanauer Festspiele zu erkennen.“ Selbstverständlich werde man - trotz prinzipieller Kritik an Höhe der Fördermittel und Art der Vergabe – zusätzliche Mittel beim Hessischen Kultusministerium beantragen. „Schließlich haben wir nichts zu verschenken. Da sind Frank-Lorenz Engel, der Intendant der Festspiele, und ich uns einig“, so Kaminsky.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Ute Wolf, Telefon 06181/295-664

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