Der fliegende Teppich - mit der Macht der Musik gegen Krieg, Terror und Gewalt. Internationales Konzertereignis am Europatag zum Gedenken an die Opfer von Terroranschlägen

04. Mai 2016. Am Europatag, Montag, 9. Mai 2016, laden Kultureinrichtungen aus verschiedenen Partnerstädten Kassels zeitgleich um 19 Uhr zu einem internationalen Konzertereignis unter dem Motto „Der fliegende Teppich - mit der Macht der Musik gegen Krieg, Terror und Gewalt“. Die Konzerte in Ramat Gan (Israel), Västerås (Schweden), Mulhouse (Frankreich) und Jaroslawl (Russland) dauern jeweils eine Stunde und werden durch ein Grußwort eines Vertreters oder einer Vertreterin aus Politik, Religion oder Gesellschaft eröffnet. Ob Klassik, Folklore, Welt- oder Popularmusik - alle Stilrichtungen sind hochwillkommen. Um den länderüberspannenden Charakter des Projekts zu unterstreichen, werden von den einzelnen Veranstaltung außerdem Kurzvideos erstellt, die im Anschluss auf den jeweiligen YouTube-Kanälen der beteiligten Partnerstädte veröffentlich werden.

Das Kasseler Konzert eröffnet die ehemalige Stadträtin Brigitte Bergholter im Konzertsaal der Musikakademie „Louis Spohr“ am Karlsplatz, bevor das international renommierte Verdi-Quartett sowie Professor Matthias Kirschnereit (Klavier, Rostock) Dimitri Schostakowitschs 7. Streichquartett und das Johannes Brahms‘ Klavierquintett zu Gehör bringen.

Mehr Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern: www.verdi-quartett.com. Gefördert wird das Gesamtprojekt durch das Staatsministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten Hessen im Rahmen der Europa-Woche 2016: https://staatskanzlei.hessen.de/presse/veranstaltung/der-fliegende-teppich-mit-der-macht-der-musik-gegen-krieg-terror-und-gewalt

Veranstalter des Konzerts ist die Fördergesellschaft der Musikakademie Kassel „Louis Spohr“. Der Eintritt beträgt 8 Euro. Einen ermäßigten Eintritt zu 6 Euro erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Schwerbehinderte gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises. Der Reinerlös geht an die Initiative „Silent University“ der Soroptimist International.

Der Kartenverkauf erfolgt an der Abendkasse. Empfohlen wird eine telefonische Reservierung der Karten bei der Musikakademie unter 0561/787-4180, per Fax unter 0561/787-4188 oder per E-Mail unter musikakademie@kassel.de

Hintergrund:

Am 13. November 2015 und am 22. März 2016 hielten Europa und die Welt den Atem an - im vergangenen November verübten Islamisten an acht verschiedenen Orten in Paris und Anschläge mit insgesamt mehr als 130 Toten und 300 Verletzten. Die meisten Opfer waren in der bekannten Konzerthalle Bataclan unter den Besucherinnen und Besuchern eines Rockkonzerts zu beklagen. Einmal mehr richtete sich der Terror also auch gegen die kulturschaffenden und kulturinteressierten Menschen nicht nur in Frankreich, sondern der gesamten Welt. Am 22. März dieses Jahres verloren bei Selbstmordattentaten am Flughafen Brüssel-Zaventem sowie in der Brüsseler U-Bahnstation Maalbeek 35 Menschen ihr Leben und über 300 wurden verletzt.

Wie dieser Form der Gewalt zu begegnen ist, wie wir uns nach innen und außen schützen können, ohne unsere Freiheit aufzugeben, oder wie wir das Modell der offenen und toleranten Gesellschaft bewahren können, dies sind Fragen, die Menschen in ganz Europa seit den Ereignissen in Paris und Brüssel diskutieren. Liegt die Antwort in der Anwendung von Gegengewalt oder müssen andere Wege beschritten werden?

„Am diesjährigen Europa-Tag, Montag, 9. Mai, richtet sich der Blick so intensiv wie wohl schon lange nicht mehr auf die gemeinsamen Werte und Grundfesten der freien und demokratischen Welt,“ so Oberbürgermeister Hilgen. Brigitte Bergholter, bis zum Ende der vergangenen Wahlperiode Stadträtin und Beauftragte für Städtepartnerschaften, die das Projekt weiterhin betreut, ergänzt: „Viele Ereignisse der vergangenen zwölf Monate haben uns gezeigt, wie kostbar und verletzlich Freiheit und Sicherheit sind. Noch nie seit dem Ende des 2. Weltkrieges waren so viele Menschen auf der ganzen Welt auf der Flucht und verließen ihre Heimat, um ihre körperliche und seelische Unversehrtheit zu schützen. Mit den flüchtenden Menschen erreichten uns auch ihre Schicksale, die wir bis dahin nur aus den Medien kannten, auf einmal hautnah“

Für die Musikakademie führt Akademiedirektor Dr. Peter Gries weiter aus: „Musik wird oft als eine weltumspannende Sprache beschrieben, die Verständigung ohne Worte ermöglicht. In Zeiten wie diesen können Musikerinnen und Musiker aber auch besondere Zeichen der Verständigung und Miteinanders über staatliche Grenzen oder kulturelle Unterschiede hinweg setzen und gerade so zeigen, dass Angst, Gewalt und Spaltung nicht das letzte Wort haben müssen. Unser Dank geht an unsere Dozentin Karin Wolf, Bratschistin des Verdi-Quartetts, auf deren Initiative die Konzertidee zurückgeht“.

Die „Silent University“ beschreibt Heidi Helmhold, Präsidentin SI Club Köln-Kolumba, unter dessen Federführung das soziale Projekt in Deutschland steht, wie folgt: Die "Silent University" ist eine autonome Plattform zum Wissensaustausch von und für Menschen mit Flüchtlingsstatus und auf Asylsuche sowie für Interessierte. The Silent University wurde 2012 von dem kurdischen Künstler Ahmet Öğüt initiiert. Sie wird erfolgreich in Kooperation mit der Delfina Foundation und Tate Modern in London durchgeführt, in Kooperation mit der Tensta Konsthall und ABF, Arbetanes Bildingsförbund in Stockholm sowie seit Beginn 2015 mit dem Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr. 2012 wurde Öğüt mit dem Visible Award der Cittadellarte – Fondazione Pistoletto und Fondazione Zegna für The Silent University ausgezeichnet.

Ursprungsidee: Als Ahmet Öğüt aus London 2012 recherchierte, fiel ihm das Schicksal von Flüchtlingen und Asylbewerbern mit akademischem Hintergrund auf, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in Großbritannien nicht einsetzen und sich mit anderen austauschen konnten. Ihre Uniabschlüsse wurden nicht anerkannt. Das "Schweigen" im Worttitel der Universität meint diese Wartezeit, während der über ihren legalen und den Bildungsstatus entschieden wird. In dieser Zeit leben sie in einer Art erzwungenem Schweigen. Ahmet Öğüt wollte mit der Gründung der Wissensplattform „Silent City“ diese Passivität beenden und das zum Schweigen gebrachte Wissen sofort aktivieren.

Es geht langfristig darum, eine Wissensplattform aufzubauen. Die "Silent University" ist auch nicht eine Universität für Flüchtlinge und Asylbewerber, sondern von ihnen. Sie werden zu Dozenten und Beratern. Es ist nicht irgendein Projekt von Marginalisierten, sondern ein Zusammenschluss von hochqualifizierten, kreativen und gut ausgebildeten Menschen. Diese wollen nicht individuelle Wege aus der Misere finden, sondern lernen, wie man kollektiv agiert und progressive Wege jenseits der Mainstream-Bildung findet.

Diese Universität sieht an jedem Ort anders aus. Die Dozenten entwickeln je nach akademischem oder beruflichem Hintergrund oder ihren aktuellen Interessen Seminarangebote. Manchmal werden auch internationale Gäste zu öffentlichen Vorträgen und Gesprächen eingeladen. Interessierte können sich als Studierende auf thesilentuniversity.org einschreiben. Ahmet Öğüt achtet als Gründungsvater der Idee darauf, wenn sich neue Strandorte für eine Präsenz der Silent University interessieren, dass die neuen Orte nachhaltige Strukturen schaffen und garantieren. Diese Nachhaltigkeit muss von einem neuen interessierten Träger glaubhaft vermittelt werden, bevor das Projekt unter den Schirm „Silent University“ aufgenommen wird.

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Pressekontakt: documenta-Stadt Kassel, Michael Schwab


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