Stadt Kassel Logo Internet


Was die Brüder Grimm ihrem Verleger schrieben: Kassel erwirbt Korrespondenz mit der Dieterich’schen Buchhandlung

25. Mai 2016. Mit der Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung ist es der Stadt Kassel gelungen, eine wertvolle Grimm-Autographensammlung zu erwerben. Es handelt sich um eine über vierzig Jahre reichende Verlagskorrespondenz von Jacob und Wilhelm Grimm mit der Dieterich’schen Buchhandlung Göttingen aus dem Zeitraum 1819 bis 1862. Die 88 Briefe, Schriftstücke und Billets, Verträge und Abrechnungen liefern detailreiche Informationen zur Entstehungsgeschichte der Hauptwerke der beiden Forscher sowie wichtige Hinweise zu ihrer Arbeitsweise.

Zusammen mit den über 700 im Eigentum von Stadt und Universitätsbibliothek Kassel befindlichen Briefen besitzt Kassel eine der bedeutendsten Grimm-Briefsammlungen. „Dieser Ankauf unterstreicht, dass sich Kassel mit der neuen GRIMMWELT Kassel, der Grimm-Forschung an der Universität Kassel sowie den Grimm-Beständen der Universitätsbibliothek und der Stadt Kassel zu einem neuen Grimmzentrum entwickelt hat. Wir sind den Förderern des Ankaufs dankbar für die finanzielle Unterstützung, der Universität für die fundierte Beratung“, sagte Kassels Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen.

Professor Dr. Frank Druffner, stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, sagte: „Verlagskorrespondenzen sind hoch bedeutende Quellen für die Forschung, geben sie doch über handfeste Geschäftsaspekte wie Honorare, Buchgestaltung oder Auflagenhöhe ebenso Auskunft wie über Inhaltliches. Im Fall der Korrespondenz der Brüder Grimm mit der Dieterich’schen Buchhandlung Göttingen darf man sich Aufschluss über die konkrete Entstehungs- und Publikationsgeschichte ihrer Hauptwerke erwarten. Die Kulturstiftung der Länder, die ein besonderes Augenmerk auf die Bewahrung des schriftlichen Kulturguts in Deutschland legt, freut sich mit der Stadt Kassel und der Grimm-Welt über diese glückliche Erwerbung.“

„Seit 2012 und bis 2019 erinnert Hessen in seinen Grimm-Jahren an die vor 200 Jahren entstandenen, wirkmächtigen Werke der Brüder Wilhelm und Jakob Grimm: An die Hausmärchen, das Wörterbuch, die Deutschen Sagen. So bedeutend wie die Verlebendigung des geistigen Erbes dieser beiden frühen Germanisten, so notwendig ist die wissenschaftliche Aufarbeitung all desjenigen Quellenmaterials, das heute noch erhalten ist.

Es ist daher ein großer Glücksfall für die germanistische und literatursoziologische Forschung in Kassel, dass ein Bestand von 88 Autografen vornehmlich zwischen den Brüdern und ihrem Verlagshaus, der Dieterich‘schen Buchhandlung in Göttingen, nun für die Murhardsche Bibliothek gesichert werden konnte.

Der Hessischen Kulturstiftung ist ein wichtiges Anliegen, Sammlungsbestände in Hessen gezielt zu ergänzen, sie erschließen zu lassen und für kulturelle Bildung zugänglich zu machen. Wir freuen uns, dass wir mit unserem Engagement die Stadt Kassel in ihren vielfältigen Aktivitäten um die Brüder Grimm in optimaler Weise unterstützen können“, so Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung.

Zusammenarbeit Stadt und Universität Kassel

Die Verbundenheit mit und Bedeutung der Brüder Grimm für Kassel zeigt sich in der Positionierung einer internationalen Grimm-Forschung an der Universität Kassel sowie in der kontinuierlichen Pflege der städtischen Grimm-Sammlung. Sie bildet für die beiden anderen Grimm-Säulen der Stadt - Ausstellung und Forschung – eine wichtige Grundlage.

Dr. Axel Halle, leitender Bibliotheksdirektor der Universität Kassel: „Mit dem Erwerb der Verlegerkorrespondenz ist durch das Engagement der Stadt eine wertvolle Ergänzung der nordhessischen Grimm-Sammlungen gelungen. Die UB Kassel bietet beste Bedingungen für die Grimm-Forschung. Mit der digitalen Bereitstellung der Originale auf höchstem Niveau und nach den Regeln der Deutschen Forschungsgemeinschaft noch in diesem Jahr unterstützt sie deren weltweite Zugänglichkeit für die Wissenschaft.“

Professor Ehrhardt, Inhaber der Brüder-Grimm-Stiftungsprofessur an der Universität Kassel, erläuterte: „Die derzeit nachweisbaren 250 Briefe des Briefwechsels der Brüder Grimm mit ihrem wichtigsten Verleger liegen weltweit an 20 verschiedenen Orten, u. a. in Innsbruck, London, New York und Philadelphia. Mit dem Ankauf dieses umfangreichen Konvoluts können nun große Lücken der Korrespondenz geschlossen, und die Publikationsgeschichte vieler Werke der Brüder Grimm kann neu erforscht werden.“

Das Grimm-Konvolut schließt eine Lücke zwischen den überlieferten Briefwechseln der Brüder Grimm mit Gelehrten, die vor allem fachliche Fragen in den Mittelpunkt stellen, und den Briefwechseln mit Freunden und Verwandten, die private Aspekte der Biographie thematisieren. Gleichzeitig bildet es das Gegenstück zur in der Staatsbibliothek zu Berlin befindlichen Korrespondenz der Dieterich’schen. Verlagsbuchhandlung an die Brüder Grimm und ermöglicht somit eine ganzheitliche Erschließung der Zusammenhänge.

Die Korrespondenz wird in der Abteilung Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Kassel aufbewahrt. Die Originale können dort nach Voranmeldung im Lesesaal der Sondersammlungen eingesehen werden. Die Digitalisierung der Briefe wird voraussichtlich bis Ende 2016 erfolgt sein. Danach können sie über das Onlinearchiv ORKA der Universität Kassel weltweit kostenfrei abgerufen werden.

Hintergrund:

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm zählen zu den bedeutendsten Geistespersönlichkeiten ihrer Zeit und haben mit ihren Werken entscheidend zur Entstehung der modernen Germanistik sowie der Volkskunde beigetragen. Viele ihrer Arbeiten, deren Bedeutung bis in die Jetztzeit ungebrochen ist, nahmen in Kassel ihren Ausgangspunkt: so zum Beispiel ihre weltberühmte Märchensammlung der „Kinder- und Hausmärchen“ oder das „Deutsche Wörterbuch“. In Kassel lebten und arbeiteten sie über 30 Jahre, sie haben zu ihrer Zeit und heute wieder das geistige Profil Kassels im starken Maße mitgeprägt.

Information:

Dr. Axel Halle, Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, Diagonale 10, 34127 Kassel, Telefon 0561/804-2117 oder -3726, E-Mail: halle@bibliothek.uni-kassel.de.

Pressekontakt: documenta-Stadt Kassel, Petra Bohnenkamp

Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:

Rechnung Dieterichschen Bundhandlung

Rechnung der Dieterichschen Buchhandlung an Wilhelm Grimm, 07.06.1843; Grimm-Sammlung der Stadt Kassel © Universitätsbibliothek Kassel

Verlagskorrespondenz Grimm

Verlagskorrespondenz Jacob und Wilhelm Grimm 1819-1862; Grimm-Sammlung der Stadt Kassel © Universitätsbibliothek Kassel



Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel

Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@kassel.de

Pressesprecher Ingo Happel-Emrich

Kassel und die Region im Internet: www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de

presse-service.de Die Pressestelle der documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie auch Mitteilungen weiterer Pressestellen abonnieren, Ihr Interessenprofil verwalten oder sich ganz aus dem Verteiler löschen.


Seite schließen