Ausbildungsinitiative Stadtnetz: Perspektive in beruflichen Einstieg auch für junge Mütter

Seit jetzt elf Jahren bietet die Kasseler Initiative „Stadtnetz Ausbildung“ jungen Menschen, deren Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolglos verlief, eine echte Chance. Auch für alleinerziehende, junge Mütter. Jetzt haben es vier junge Frauen wieder vorgemacht und ihre Ausbildung bei der JAFKA gGmbH zur Hauswirtschafterin erfolgreich abgeschlossen.

01. Juli 2016. Ausbildung und Mutterrolle – lässt sich das erfolgreich unter einen Hut bekommen? Vier junge, alleinerziehende Mütter haben im Rahmen der Kasseler „Ausbildungsinitiative Stadtnetz“ zur Hauswirtschafterin jetzt bewiesen, dass dies möglich ist. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der die Initiative vor elf Jahren ins Leben gerufen hat, gratulierte jetzt den vier Absolventinnen persönlich. Hilgen: „Gerade auch um den Bedarf an Fachkräften zu sichern, kann es sich unsere Gesellschaft nicht leisten, einen Teil junger Menschen dauerhaft vom beruflichen Einstieg auszuschließen. Mit der Stadtnetzinitiative bieten wir jungen Menschen, deren Suche nach einem Ausbildungsplatz aus unterschiedlichsten Gründen erfolglos war, eine echte Perspektive.“

Insbesondere Migranten, sozial benachteiligte junge Menschen und alleinerziehende Mütter können Dank des Zusammenspiels kreativer Ausbildungsplatz-Gestaltung und individueller Hilfsangebote eine duale Berufsausbildung erfolgreich durchlaufen, erklärte Hilgen. Seit Gründung der Initiative im Jahr 2005 haben 20 alleinerziehende junge Mütter eine Stadtnetzausbildung in Kassel begonnen. Hilgen: „Das sind neun Prozent aller abgeschlossenen Stadtnetz-Ausbildungsverhältnisse. Bundesweit werden gerade einmal 0,4 Prozent aller abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit alleinerziehenden Müttern eingegangen. In Kassel haben bereits 16 junge Mütter ihre Stadtnetzausbildung erfolgreich beendet.“

Seit jetzt elf Jahren haben fast 220 junge Frauen und Männer einen Ausbildungsvertrag mit der Stadt Kassel oder einem der sechs „Stadtnetz“-Unternehmen vereinbart. „Bezogen auf alle Auszubildenden der Stadtnetz-Ausbildung schaffen wir es, über 80 Prozent unserer Absolventen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Zudem wird einem beträchtlichen Teil der Auszubildenden von den kommunalen Betrieben ein Übernahmeangebot gemacht”, erklärte Jürgen Hartrumpf, Geschäftsführer der JAFKA und StadtBild gemeinnützigen GmbH. „Dies sehen wir als Bestätigung der guten Kooperation, der erfolgreichen Ausbildungsbegleitung und der Leistungen unserer Auszubildenden.”

Eine erfreuliche Bilanz der elf Jahre Stadtnetz-Ausbildung sei zudem die Tatsache, dass alle jungen alleinerziehenden Mütter ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben oder auf dem Weg dorthin seien“, sagte Hartrumpf. „Dies ist ein positives Beispiel für gelungene Berufsintegration, das gerne von den Unternehmen der freien Wirtschaft nachgeahmt werden darf.“

Die Erfolgsformel dabei heiße ‚Ausbildung in Teilzeit‘. Hartrumpf: „Junge Mütter oder Väter einigen sich mit ihrem Ausbildungsbetrieb auf eine wöchentliche Ausbildungszeit von 25 bis 30 Stunden, ohne dass sich die reguläre Ausbildungsdauer verlängert.“ Der Berufsschulunterricht und die überbetrieblichen Lehrgänge erfolgen in Vollzeit. Man habe durchweg die Erfahrung machen können, so Hartrumpf, dass die jungen Mütter ein hohes Maß an Motivation, Lernbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein mitbringen.

Eine von diesen jungen Müttern ist Susan. Sie wurde 1993 in Kenia geboren, dann floh sie nach Deutschland und lebt seit 2010 in Kassel. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit ihrer Tochter schwanger. Im Jahr 2012 erreichte sie den qualifizierten Hauptschulabschluss, ein Jahr später begann sie bei der JAFKA mit der Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Susan ist sehr froh, dass sie bei der JAFKA einen Ausbildungsplatz bekommen hat: „Hier bei JAFKA gehen die Menschen flexibler auf meine Situation ein und ich bekomme Unterstützung in beruflichen und privaten Angelegenheiten. Ich bekomme sogar noch zusätzlichen Deutsch-Unterricht. Auch in schwierigen Situationen konnte ich mich immer auf meine Sozialpädagogin verlassen. Jetzt fühle ich mich gut vorbereitet für das Berufsleben und suche nach einer Teilzeitstelle in einer Großküche.“

Hintergrund: Neben der Stadt Kassel gehören zur „Ausbildungsinitiative Stadtnetz“ die JAFKA gGmbH, die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV), die Kassel Marketing GmbH, Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG), die Stadtreiniger sowie die Gesundheit Nordhessen Holding AG. Die StadtBild gemeinnützige GmbH ist Ausbildungsträger, Vertragspartner und Unterstützer der Auszubildenden. Die städtischen Unternehmen decken den fachpraktischen Teil der Ausbildung ab.

Finanziert wird das Projekt Stadtnetz durch die Stadt Kassel mit Unterstützung durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration.

Zahlen und Daten: Insgesamt werden 17 unterschiedliche Ausbildungsberufe im Rahmen der Stadtnetz-Ausbildung angeboten. Als zusätzliche Angebote konnten Auslandsaufenthalte für die Azubis sowie das „Azubi-Sharing“ (Azubi-Austausch zwischen den beteiligten Unternehmen) etabliert werden.

Bislang wurden im Rahmen der Stadtnetz-Ausbildung insgesamt 218 Ausbildungsverträge in elf Stadtnetzjahrgängen (2005 bis 2015) abgeschlossen. 32 Auszubildende stehen zum Stichtag 28. Juni 2016 im Stadtnetz in Ausbildung.

In den Jahrgängen 2005 bis 2013 haben bislang 132 Auszubildende ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. 112 von ihnen haben daraufhin eine Beschäftigung gefunden. Das entspricht einer Beschäftigungsquote von 85 Prozent. 40 Auszubildende der Ausbildungsjahrgänge 2005 bis 2014 sind von der Stadt Kassel, den städtischen Unternehmen und vier weiteren Kooperationspartnern übernommen worden. Das entspricht einer Übernahmequote von fast 36 Prozent.

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Ausbildungsinitiative Stadtnetz

Ausbildungsinitiative StadtnetzIm Bild von links: Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Anne Koch-Mauer (Sachgebietsleiterin Ausbildung bei der Stadt Kassel), die Absolventinnen Diana Schäfer, Susan Walthira Macharia, Natascha Venus und Annika Brandt sowie JAFKA-Ausbildungsleiterin Maria Klaußner und JAFKA-Geschäftsführer Jürgen Hartrumpf. Fotograf: Harry Soremski


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