Neues Beratungsangebot für Prosituierte aus dem EU-Ausland

13. Oktober 2016. Seit dem Frühjahr dieses Jahres gibt es ein neues Beratungsangebot für Prostituierte in Kassel: Ziel der Beratungen ist es, den Frauen Zugang zur Unterstützung durch die Regelsysteme des Gesundheitswesens zu verschaffen. Beispielweise, indem geklärt wird, ob eine Krankenversicherung besteht oder unter welchen Bedingungen Versicherungsschutz hergestellt werden könnte. Die Frauen werden auf der Straße erreicht oder in den Appartements, in denen sie der Prostitution nachgehen. Nach dem ersten halben Jahr zieht Anne Janz, Gesundheits- und Frauendezernentin der Stadt Kassel, eine positive Bilanz: „Im vergangenen Jahr haben wir in den städtischen Gremien viel über die sehr schwierige Situation gehört, in der die Frauen sich befinden. Ich bin sehr froh, dass wir nun Beratung mit der Zielrichtung der Gesundheitsförderung anbieten können.“

Das Angebot wird vom Europäischen Hilfsfond für die am stärksten benachteiligten Menschen gefördert und richtet sich speziell an Frauen, die aus dem EU-Ausland hierhergekommen sind. Ziel ist es, den Frauen Informationen zu gesundheitlichen Fragen zur Verfügung zu stellen, ihnen Anlaufstellen zu nennen, und sie bei Bedarf zum Beispiel zum Gesundheitsamt oder zur Frauenärztinnen oder -ärzten zu begleiten.

Das Projekt „Gwen - Gesundheitsförderung weiterentwickeln – Hilfe für neuzugewanderte Unionsbürgerinnen, die in Kassel in der Prostitution tätig sind“ wird durch das Frauenbüro der Stadt Kassel organisiert. Die Beratungsarbeit wird durch die Kooperationspartner „Frauen informieren Frauen – FiF e.V.“ mit „sichtBar – Beratung für Frauen, die in der Prostitution tätig sind oder waren“ und durch den Zweckverband Diakonisches Werk Kassel geleistet.

„Mit dem Projekt können die Streetworkerinnen in den Arbeitsstätten der Prostituierten besser auf die vielen gesundheitlichen Problemlagen eingehen und bedarfsgerecht über Hilfs- und Unterstützungsangebote informieren“, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Gabi Kubik von sichtBar. Die meist ortsunkundigen Frauen, die so gut wie nie deutsch sprechen, werden zu den Hilfsangeboten begleitet. „Die Begleitung und die Mitarbeit einer Beraterin, die Rumänisch, Italienisch und andere Sprachen spricht, gewährleisten, dass Hilfsangebote angekommen werden können“, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Gabi Kubik von sichtBar. Sie hatte in der Vergangenheit immer wieder auf die häufig verzweifelte Lage der Prostituierten hingewiesen.

Petra Hammer-Scheuerer vom Zweckverband Diakonisches Werk Kassel erklärt: „Bei der großen Not der Frauen ansetzen zu können, ist uns als Träger vieler sozialer Angebote für Menschen, die existenzielle Probleme in mehreren Hinsichten haben, sehr wichtig. Wenn für die akuten gesundheitlichen Probleme eine Lösung gefunden wurde, bietet unsere Beraterin weitere Hilfe dafür an, sich hier zurecht zu finden, und im Regelsystem die Hilfe zu holen, die dringend gebraucht wird.“

Weitere Kooperationspartner des Projekts sind die Drogenhilfe Nordhessen e. V. und die Fahrenden Ärzte e. V., die beide ebenfalls über große Expertise im Bereich der Arbeit mit Menschen verfügen, die mit multiplen Problemlagen in extrem prekären Verhältnissen leben. Auch mit dem Gesundheitsamt Region Kassel, das durch die Zuständigkeit für die Prävention in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten schon immer eine wichtige Anlaufstelle für die Prostituieren war (auch nach der Abschaffung der Pflichtuntersuchungen), besteht eine enge Zusammenarbeit.

Das Projekt wir zu 85 Prozent durch die Europäische Union aus dem Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) gefördert. Zu zehn Prozent gehen Mittel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ein, und zu fünf Prozent kommunale Mittel zur Kofinanzierung. Insgesamt stehen bis 2018 etwa 250.000 Euro zur Verfügung.

Bei allen Projekten, die über den Europäischen Hilfsfonds in Deutschland gefördert werden, ist das Ziel eine Heranführung der Personen an das Regelsystem sozialer Hilfen. Das Gwen-Projekt ordnet sich dem Handlungsschwerpunkt zu, in dem Projekte für Erwachsene, besonders benachteiligte EU-Zugewanderte gefördert werden. Im dem Handlungsschwerpunkt, der für die Verbesserung des Zugangs von zugewanderten Kindern zu Angeboten der frühen Bildung und der sozialen Inklusion sorgen soll, sich also an Kinder und ihre Eltern richtet, bieten in einem weiteren Projekt aus der EHAP-Förderung in Kassel das Kulturzentrum Schlachthof und der Frauentreff Brückenhof Beratung für EU-Zugewanderte an.

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Pressekontakt: documenta-Stadt Kassel, Ingo Happel-Emrich


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