21. Oktober 2016. Kurt Reuber, dem in Kassel geborenen Pfarrer, Arzt, Humanisten, Maler und unter anderem Schöpfer der bekannten „Madonna von Stalingrad“, ist mit einer Soiree im Musiksaal der Musikakademie der Stadt Kassel „Louis Spohr“ am Donnerstag, 20. Oktober, in Anwesenheit seiner Familie gedacht worden. Eine Ausstellung seiner Bilder ist dort unter dem Titel „Menschlich begegnen - Fremdheit überwinden“ bis Samstag, 18. Februar 2017, zu sehen.
Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgten Arthur Weht (Rezitation), Andreas Lehmann (Violine) und Eugene Lifschitz (Violoncello), alle als Gast, sowie die im heutigen Wolgograd geborene Pianistin und Dozentin der Musikakademie Vera Weht.
Kurt Reuber wurde 1906 in Kassel geboren und verstarb 1944 im Gefangenenlager Jelabuga. Er zählt zu den großen Söhnen Kassels. In einer Zeit, in der Hass, Schmähung, Gewalt, aber auch Wegsehen und Verdrängung das Zusammenleben der Menschen in Deutschland Land bestimmten, wich er vom Kompass seines inneren Weges nicht ab und wurde auf diese Weise zu einer Stütze von Menschen in Bedrängnis, deren Not und Leiden er in seinen Zeichnungen festhielt. Zu besichtigen ist die Ausstellung während der öffentlichen Veranstaltungen, die in der Regel montags bis donnerstags zwischen 18:30 Uhr und 21 Uhr stattfinden. Darüber hinaus können auch weitere Besichtigungstermine vereinbart werden: telefonisch unter 0561 787 4180, per E-Mail unter musikakademie@kassel.de sowie per Fax unter 0561 787 4188.
Nähere Auskünfte zu den Terminen auch unter www.musikakademie-kassel.de.
Hintergrund: Kurt Reuber studierte zunächst von 1926 bis 1930 Theologie in Bethel, Tübingen und Marburg. Sein Vikariat absolvierte er anschließend in Lashausen und Marburg, bevor er 1933 eine Pfarrstelle in Wichmannshausen antrat. Parallel dazu studierte er Medizin in Göttingen und wurde 1938 zum Dr. med. promoviert. 1939 als Truppenarzt einberufen, kam er bald als Seuchenarzt an die Ostfront und geriet 1942 in den „Kessel von Stalingrad“, den er zwar überlebte, aber anschließend in russische Gefangenschaft kam. Den unmenschlichen Bedingungen im Kriegsgefangenenlager fiel er ein Jahr später zum Opfer.
Bereits während des Vikariats knüpfte der vielfach Begabte Kontakte zur Malerkolonie Willingshausen. Für Reuber, der Medizin und Theologie studiert hatte, um den Menschen an Leib und Seele heilen zu können, bedeutete der Krieg und sein Einsatz beim Militär einen inneren Widerspruch, an dem er fast zerbrach. Kohlestift und Zeichenpapier waren ihm auch während der Zeit seines Kriegsdiensts stetige Begleiter und Ausdrucksmittel. Es entstanden zunächst Aquarelle und Landschaftszeichnungen vom Balkan. An der Ostfront porträtierte er dann vor allem die Zivilbevölkerung, also die damals als „Untermenschen“ geschmähten Russinnen und Russen. Dabei ging es ihm in erster Linie darum, die Spuren der Not und Kriegsgräuel in den Gesichtern der Menschen darzustellen. Im Kessel von Stalingrad entstand dann jene berühmte Kohlezeichnung, die als „Madonna von Stalingrad“ weltberühmt wurde.
Menschen, die Reuber begegneten, sei es als Kommilitoninnen oder Kommilitonen, Gemeindemitglieder, Kameraden berichten immer wieder von seiner den Mitmenschen zugewandten und einfühlsamen Art. Sein ausgeprägter Humanismus schärfte ebenfalls sein zeichnerisches Auge für die Schönheit der Natur sowie den Ausdruck des Inneren im Antlitz seiner Mitmenschen.
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