Gedenken an polnische Kriegsopfer
Konsul Kłaczko und OB Kaminsky legen auf Hauptfriedhof Kranz nieder
Oberbürgermeister Claus Kaminsky und der polnische Konsul Dariusz Kłaczko haben am Mahnmal für die ausländischen Zwangsarbeiter während des Nationalsozialismus auf dem Hanauer Hauptfriedhof gemeinsam einen Kranz niedergelegt. Anlass waren die Feiertage Allerheiligen und Allerseelen, dann gebührt das Nationalgedenken in Polen insbesondere den Opfern des Zweiten Weltkriegs, egal ob umgekommener Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener oder Soldaten. OB Kaminsky betonte, dass „die Stadt Hanau ihre Erinnerungskultur sehr ernst nimmt“.
Einer der wichtigsten Feiertage in Polen ist Allerheiligen am 1. November. Dann gedenken die allermeisten auf den Friedhöfen ihrer Verstorbenen, so Konsul Kłaczko, sogar aus dem Ausland reisen Polen zum Gräberbesuch an. Allerheiligen und Allerseelen hätten in Polen eine zusätzliche Bedeutung, führte er weiter aus. Es seien „Tage, die dem Nationalgedenken gewidmet sind“. Auf allen Gräbern der Aufständischen, Soldaten, an Gedenktafeln der Hingerichteten, an namenlosen Waldgräbern der Partisanen brennen nach seinen Worten Grabkerzen, werden Blumen niedergelegt und Ehrenwachen aufgestellt. An den wichtigsten nationalen Mahnmalen finden Staatsfeierlichkeiten statt.
Auf den mehr als 1000 Friedhöfen im Bezirk des in Köln ansässigen Generalkonsulats der Republik Polen (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) ruhen mehrere Tausend polnischer Staatsbürger, die im Laufe des Krieges als Soldaten, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter beigesetzt sind. Vertreter des Generalkonsulats besuchen jährlich rund 20 Friedhöfe. „Damit wollen wir die Erinnerung an die Verstorbenen bewahren“, so Konsul Kłaczko.
Die gegenseitige Pflege von Ruhestätten an Kriegsorten entspreche dem Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über Gräber von Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft aus dem Jahr 2003. Sie sei zugleich ein „sichtbares Zeichen des Friedens und der Verständigung zwischen unseren beiden Völkern“.
Dem pflichtete Oberbürgermeister Kaminsky bei. Zur Erinnerungskultur in Hanau zähle das Mahnmal auf dem Zwangsarbeiterfeld des Hauptfriedhofs. Es erinnert daran, dass „Frauen und Männer aus Polen, den Sowjetrepubliken, Belgien, den Niederlanden und Frankreich in 38 Lagern unserer Stadt interniert“ waren. Dort ist weiter zu lesen, dass „viele von ihnen durch Schwerstarbeit, Hunger und Gewalt zu Tode gequält oder für ihr weiteres Leben schwer gezeichnet“ wurden.
OB Kaminsky sagte weiter, dass sich die Brüder-Grimm-Stadt mit diesem „dunklen Kapitel ihrer Geschichte“ intensiv auseinandergesetzt habe und das weiter tue. So sei es steter Auftrag, die Gräber auf dem Zwangsarbeiterfeld des Hauptfriedhofs zu pflegen. Darüber hinaus weise auch am Salisweg/Ecke Köppelweg ein Gedenkschild prominent an das dort von 1942 bis 1945 bestehende Zwangsarbeiterlager „Schöne Aussicht“ hin. Dokumentarisch zusammengefasst werde das von 1939 bis 1945 erlittene Schicksal von Fremd- und Zwangsarbeitern in Hanau schließlich in einem Buch, das Stadt und Geschichtsverein Hanau 2006 herausgaben.
„Dank dieser wissenschaftlichen Aufarbeitung ist unser Kenntnisstand über polnische Kriegsopfer in Hanau ziemlich umfassend“, so Kaminsky weiter. Aus diesem Band 43 der Hanauer Geschichtsblätter geht hervor, dass unter etwas mehr als 10.000 registrierten Zwangs- und Fremdarbeitern mehr als 1700 polnischer Herkunft waren. Das ist die drittgrößte Opfergruppe nach Sowjetrussen und Franzosen. Die meisten Polen mussten bei den Dunlop-Reifenwerken schuften, zudem in anderen Hanauer und Großauheimer Betrieben, bei der Deutschen Reichsbahn, in städtischen Betrieben wie dem Krankenhaus und bei Steinheimer Bauern.
Noch bevor im September 1941 das nationalsozialistische Deutschland den berüchtigten „Judenstern“ als öffentliche Brandmarkung einführte, mussten polnische Arbeitskräfte an ihrer Kleidung am Oberkörper ein „P“ als deutlich sichtbares Polen-Abzeichen tragen. Historische Fotos aus dem städtischen Medienzentrum mit Szenen aus dem Hanauer Straßenbild belegen das. Die Diskriminierung hatte weitere Facetten: Im Krankenhaus entstand eine eingezäunte Baracke nur für Arbeiter aus dem Osten. Das Benutzen von Fahrrädern und Hanauer Straßenbahn war verboten. In Läden durfte an Polen kein Kuchen abgegeben werden.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266
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Foto: Stadt Hanau
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