23. Dezember 2016. Eine erfolgreiche Bilanz des Jahres 2016 in Sachen Kultur haben Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier gezogen. „Im Großen wie im Kleinen hat Kassels Kulturleben weiter Fahrt aufgenommen“, sagt Oberbürgermeister Hilgen.
Die Stadt sei in ihrer Geschichte stets ein wichtiger Kulturstandort gewesen, nun durch die Aktivitäten in den vergangenen Jahren wahrnehmbar in die Liga der wichtigsten Kulturstädte Deutschlands aufgestiegen.
„Dank der außerordentlich dynamischen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung in den letzten Jahren hat Kassel zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden und kann gut vorbereitet in das documenta-Jahr 2017 gehen.“
Die documenta sei als Institution ein Kulturerbe von internationalem Rang und zugleich ein einzigartiges Ereignis mit großer Anziehungskraft. Eine außergewöhnliche und mit großer Spannung erwartete Ausstellung bereite das Team um den künstlerischen Leiter Adam Szymczyk mit der an den zwei Standorten Kassel und Athen stattfindenden documenta 14 nun vor. Als Marke mit nationaler und internationaler Wirkung stehe die documenta für Kassel - neben dem Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe und dem Weltdokumentenerbe, den Handexemplaren der „Hausmärchen der Brüder Grimm“.
Eine App für die documenta, ein Institut für die documenta
Zahlreiche in Kassels öffentlichem Raum verbliebene Kunstwerke sind beredte Zeugen der vergangenen documenta-Ausstellungen. Durch einen von der Stadt Kassel in Kooperation mit der documenta und Museum Fridericianum gGmbH entwickelten digitalen Guide ist die über 60-jährige Geschichte der documenta nun erstmals unabhängig von Ort und Zeitpunkt zu erleben. Mit dem eigenen Smartphone oder Tablet können aus drei verschiedenen Parcours Lieblingsrouten zu insgesamt 16 bedeutenden Kunstwerken ausgewählt werden.
„Durch die mit Beginn des Jahres vollzogene Überführung des documenta Archivs in die documenta gGmbH ist es uns gemeinsam mit dem Land Hessen gelungen, das Archiv finanziell besser aufzustellen“, so OB und Kulturdezernent Hilgen.
Auch für den nächsten Schritt, den gemeinsam von der Stadt mit der Universität Kassel geplanten und mit Unterstützung des Landes Hessen zu realisierenden Bau eines documenta Instituts, stehen die Zeichen auf Grün. Der Haushaltsausschuss des Bundes hat dafür 12 Millionen Euro bewilligt. Das Institut soll nicht nur die Geschichte der documenta aufarbeiten, sondern sie auch unter interdisziplinär angelegten Fragestellungen sowie im Zusammenhang einer weltweiten zeitgenössischen Ausstellungskultur untersuchen.
Kassel ist ein Zentrum zeitgenössischer Kunst
Zeitgenössische Kunst gibt es in Kassel nicht nur im Rahmen der documenta zu sehen. Vielbeachtet in der Kunstszene waren die von Direktorin Susanne Pfeffer verantworteten Ausstellungen im Fridericianum. Für „Inhuman“ wurde sie mit dem neu gestifteten Kuratorenpreis des Kunstmagazins ART ausgezeichnet. Von Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist Pfeffer berufen worden, den Deutschen Pavillon bei der 57. Biennale di Venezia 2017 zu kuratieren, nachdem sie bereits 2015, bei der der 56. Kunstbiennale von Venedig, verantwortlich für den Schweizer Pavillon war.
Aber auch die junge und regional verankerte Kunstszene von Kassel ist gestärkt worden, in den vergangenen Jahren insbesondere durch die in der Südstadt neu entstandene Galerieszene. Neue Projekte wie TOKONOMA, Raum für Urbane Experimente sowie eine beeindruckende freie Tanzszene haben sich in Kassel gut entwickelt.
Museumsstandort Kassel wächst weiter
„Mit der glanzvollen Wiedereröffnung des Landesmuseums sowie des Stadtmuseums ist der Museumsstandort Kassel in diesem Jahr weiter gestärkt worden.“ Angekündigt, so OB Hilgen, habe das Land Hessen darüber hinaus die Bereitstellung von einer Million Euro Planungskosten für den Neubau eines Tapetenmuseums. Die im Jahr 2015 eröffnete GRIMMWELT Kassel habe weiterhin hohen Zulauf, rund 115.000 Besucher seien im Jahr 2016 gekommen. Für seine Architektur wurde das Haus schon mehrfach ausgezeichnet: 2016 beim „polis Award für Stadt- und Immobilienentwicklung“ mit dem 1. Preis in der Kategorie „Lebenswerter Freiraum“, beim German-Architects-Online-Voting zum Bau des Jahres 2015 sowie als Ensemble mit dem historischen Weinberg beim Deutschen Städtebaupreis belobigt. Jetzt ist die GRIMMWELT als einer von vier Finalisten unter 100 Bewerbern für den DAM-Preis für Architektur nominiert, mit dem das Deutsche Architekturmuseum herausragende Bauten in Deutschland auszeichnet.
Eindrucksvolle Besucherzahlen kann das im Juni 2016 eröffnete Stadtmuseum Kassel bereits jetzt aufzuweisen: Über 25.500 Gäste hat das sanierte und erweiterte Haus mit der neuen Ausstellungskonzeption bisher erreicht. Hinzu kommen rund 4000 Menschen, die zwischen April und Juni 2016 die bereits zugängliche Sonderausstellung mit Bildern der Kasseler Fotografenfamilie Eberth sahen. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Unser Museum spricht durch die Neugestaltung die unterschiedlichen Generationen an und wird mit der neuen Sonderausstellung „DEIN! Stadtmuseum“ weiter begeistern“, meint Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier. Wie das städtische Naturkundemuseum, das in zehn Jahren auf mehr als eine Million Besucher gekommen sei, habe sich auch das Stadtmuseum auf eine Erfolgsspur begeben. Aber auch weitere Einrichtungen des Kulturamtes der Stadt Kassel, wie die Stadtbibliothek, konnten mit rund 220.000 Nutzerinnen und Nutzern im Jahr gute Zahlen aufweisen.
Im kommenden Jahr können sowohl das Museum für Sepulkralkultur als auch die Künstler- Nekropole am Blauen See auf ein 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Das Kasseler Wahrzeichen, der Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe, wird 2017 seinen 300. Geburtstag gebührend feiern.
Szenen und Preise
Anerkennung gab es auch für die freie Szene in Kassel. So gingen hochdotiere Preise des „APPLAUS 2016“ der Initiative Musik an das Kulturzentrum Schlachthof (15.000 Euro) und an den Veranstaltungsort „Goldgrube Kassel“ (25. 000 Euro).
Oberbürgermeister Hilgen bezeichnete es als eine Anerkennung der vielfältigen Kulturszene in Kassel, die sich aus langjährigem Engagement und einer stetigen Erneuerung auf hohem Niveau zusammensetze.
Für die Erweiterung und Sanierung des Kulturzentrums Schlachthof stellt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Mittel im Umfang von 3,42 Millionen Euro zur Verfügung. Das Kasseler Projekt gehört zu 56 Projekten bundesweit, die aus 1000 eingereichten Vorschlägen Geld aus dem Bundesprogramm erhalten. „Das Kulturzentrum Schlachthof fördert und stärkt die Begegnung und die Kommunikation von Menschen unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft und trägt maßgeblich zum sozialen Frieden und einem weltoffenen Klima in der Stadt Kassel bei. Die Modernisierung und Erweiterung des Gebäudes ist dafür eine wichtige Voraussetzung“, sagt OB Hilgen.
Weitere von der Stadt beantragte Bundesmittel fließen aus dem Nationalen Welterbestättenprogramm in die Aufwertung der Wilhelmhöher Allee und in verschiedene Sanierungsprojekte im Bergpark Wilhelmshöhe.
Überregionale Aufmerksamkeit erhielt Kassel in 2016 auch als Austragungsort für den renommierten Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Über 2.500 Nachwuchsmusiker auf Spitzenniveau stellten ihr Können unter Beweis.
Wichtige Preise gingen in diesem Jahr mit dem Kinoprogrammpreis des Bundes an das Bali-Kino für sein Dokumentarfilmprogramm und mit dem Kulturmarken-Award „Europäische Kulturtourismusregion des Jahrs 2016“ an die GrimmHeimat NordHessen mit ihren Kulturpartnern in der Region. Preise, die in Kassel oder durch die Stadt Kassel verliehen wurden, erhielten unter anderem die Schauspielerin Katharina Thalbach mit dem „Kulturpreis Deutsche Sprache“, der Whistleblower Edward Snowden mit dem Kasseler Bürgerpreis „Glas der Vernunft“, der documenta 14 Künstler Hiwa K. mit dem Arnold-Bode-Preis. Wolf Hass sowie Kirsten Fuchs erhielten den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“.
Studierende und Absolventen der Kunsthochschule Kassel gewannen zahlreiche nationale und internationale Preise in den Bereichen Film und Design.
„Haben wir den Mut, unsere Stadt neu zu denken?“ – Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025
Die Vorbereitungen zur Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 sollen in Kassel fortgesetzt werden, um voraussichtlich 2018 endgültig über die Einreichung der Bewerbung entscheiden zu können. Das hat die Stadtverordnetenversammlung im November 2016 beschlossen. Oberbürgermeister Hilgen sieht darin eine Chance, durch noch nicht ausgeschöpfte Entwicklungspotenziale der Stadt weiteren Schub zu verleihen. Das Anforderungsprofil der Europäischen Union für eine Bewerbung zur „Kulturhauptstadt Europas“ fordert langfristige kulturpolitische und stadtplanerische Visionen. „Genau hier setzt das Interesse Kassels an“, so Dorothée Rhiemeier als Leiterin des mit der Vorbereitung der Kulturhauptstadtbewerbung beauftragten städtischen Kulturamtes. „Kultur wird in dem Programm weniger als Ereignis oder Kulturerbe verstanden, sondern vielmehr als ein strukturgebendes Gewebe, das die Bereiche Bildung, Wirtschaft, Gesundheit, Soziales, Politik, Stadtplanung und andere durchzieht und miteinander verbindet. Kultur ist damit die DNA einer Stadt. Sie bietet die Chance, die Stadt neu zu denken, um zukunftsweisende Programme, interdisziplinäre Projekte und eine nachhaltige Stadtentwicklung insgesamt zu unterstützen oder auf den Weg zu bringen.“
Stadtprogramm „KasselKultur2017“ zur documenta
„Wir sind mehr als zufrieden mit diesen Entwicklungen und danken allen, die zum lebendigen Kulturleben unserer Stadt beigetragen haben. Viele Kasseler Museen und Kultureinrichtungen werden neben noch nicht bekannten Standorten Ausstellungsflächen der documenta 14 sein und kunstinteressierte Menschen aus aller Welt empfangen. Mit dem städtischen Programm „KasselKultur2017“, dessen über 1000 Veranstaltungen wieder digital abrufbar sein werden, bringen wir auch den Besuchern von außen den kulturellen Reichtum und die vielen spannenden Aspekte unserer Stadt nahe“, kündigen Oberbürgermeister Hilgen und Kulturamtsleiterin Rhiemeier an.
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