Acht neue Ehrengräber in Kassel

08. März 2017. Ein Ehrengrab würdigt Menschen, die besondere Verdienste um die Stadt Kassel erworben haben. Oft sind dies Politiker, wie z.B. ehemalige Oberbürgermeister, aber auch Bildhauer und Maler, Baumeister, Industriellenfamilien, Musiker oder Pädagogen.

In den vergangenen vier Jahren wurden acht neue Ehrengräber ernannt. Es sind die Grabstätten von Nora und Hermann Platiel, Heinrich Brencher, Felix Blumenfeld, Max Plaut, Rudolf Freidhof, Holger Börner, Hans Krollmann und Konrad Berndt. Damit hat die Stadt Kassel derzeit 71 Ehrengräber.

Unter der Überschrift „Sechs Frauen – sechs Ehrengräber“ findet am Sonntag, 19. März, um 15 Uhr eine Führung auf dem Hauptfriedhof statt. Diese führt zu den Ehrengräbern von Auguste Förster, Elisabeth Knipping, Julie von Kästner, Gertrude Fürstin von Hanau, Sophie Henschel (Familiengrabstätte Henschel) und Nora Platiel.

Ein Ehrengrab wird durch die Anträge von Bürgern, Angehörigen, Politkern und Interessierten vorgeschlagen. Die Abstimmung darüber erfolgt durch die dann folgenden Beschlüsse der Kulturkommission und des Magistrates.

Erkennbar ist ein Ehrengrab durch eine liegende Steintafel mit dem Namen des Bestatteten und dem Schriftzug ‚Ehrengrab der Stadt Kassel’. Das erste Ehrengrab der Stadt Kassel wurde vermutlich 1920 vergeben. Die Ehrengräber befinden sich auf dem Hauptfriedhof (40), weitere auf dem Nordfriedhof (1), den Friedhöfen Wolfsanger (1), Harleshausen (2), Kirchditmold (1), Niederzwehren (2), Wahlershausen (4), Wehlheiden (8), Bettenhausen (1), dem Alten (3) und dem Neuen (1) Israelitischen Friedhof in Bettenhausen, dem Lutherplatz (6) sowie dem Friedhof Bad Arolsen-Schmillinghausen (1).

Das Umwelt- und Gartenamt organisiert die Instandhaltung und Pflege der Ehrengräber in enger Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung. Eine Sanierung und Restaurierung erfordert ein intensives Auseinandersetzen mit den bestatteten Persönlichkeiten und ihren Grabstätten. Hinter den Persönlichkeiten verbergen sich oftmals interessante Lebensgeschichten. Eine Ehrengräberbroschüre ist beim Umwelt- und Gartenamt, das Buch „Stadtgeschichte in Lebensgeschichten – Die Ehrengräber der Stadt Kassel“ ist beim Museum für Sepulkralkultur erhältlich.

Hintergrund:

Nora und Hermann Platiel : Nora Platiel (1896 – 1979) war Rechtsanwältin, Landgerichtsdirektorin und Landtagsabgeordnete. Nach der Verfolgung durch den Nationalsozialismus wurde Nora Platiel Ende 1949 Landgerichtsrätin in Kassel. Mit großer Tatkraft leitete sie von 1961 bis 1969 den Kasseler Kunstverein. Hermann Platiel (1896 – 1980) arbeitete zunächst als Hauptbuchhalter eines Verlages, später für eine Esperanto-Gesellschaft in Leipzig. Sein Interesse für Politik und internationale Verständigung brachte ihn früh in Kontakt zur SPD. Im Jahr 1949 kehrte Hermann Platiel mit seiner Frau nach Kassel zurück. Als Geschäftsführer widmete er sich dem Aufbau der Volksbühne.

Heinrich Brencher (1862 – 1938) wirkte mehr als 40 Jahre bei Salzmann und arbeitete aktiv an der Expansion des Unternehmens und an der von Salzmann angestoßenen Wohn- und Siedlungspolitik mit. Heinrich Brencher wurde im Bürgerverein Bettenhausen zum ersten Vorsitzenden benannt. Auch der Casseler Turngemeinde blieb er bis ins hohe Alter treu.

Dr. Felix Blumenfeld (1873 - 1942) war ein jüdischer Kinderarzt und ließ sich 1901 in Kassel nieder. Er setzte sich gegen die Säuglingssterblichkeit bei Kindern armer Eltern ein. Außerdem war Blumenfeld Initiator und ärztlicher Leiter des Kinder- und Säuglingsheims des evangelischen Frauenbundes.

Rudolf Freidhof (1888 – 1983) war gelernter Kaufmann und Mitglied der SPD. Am 26. Mai 1946 fanden die ersten freien Kommunalwahlen nach der Nazi-Herrschaft in Kassel statt. Freidhof wurde erster Fraktionsvorsitzender der SPD nach dem Krieg. Bis 1964 blieb er Stadtverordneter in Kassel.

Dr. Maximilian Plaut (1888 – 1933) besuchte das Wilhelmsgymnasium und studierte in Göttingen, Jena und Genf Rechtswissenschaften. Seine Rechtsanwalts- und Notarkanzlei hatte er in der Wolfsschlucht Nr. 24a. Er war eine bekannte und geachtete, in Sachen Kultur und Musik engagierte Persönlichkeit und prägte das öffentliche Leben der Stadt. Er starb an den Folgen von Misshandlungen durch Nationalsozialisten. Im Jahr 2013 wurde auf Initiative des Vereins „Stolperstein in Kassel“ ein Stolperstein vor seinem Wohnhaus in der Wilhelmshöher Allee 55 verlegt.

Holger Börner (1931 - 2006) wurde in Kassel-Wolfsanger geboren, besuchte später die Volks- und Mittelschule, erlernte anschließend den Beruf des Betonfacharbeiters und war als Hilfspolier tätig. Schon früh war gewerkschaftlich engagiert und war zuletzt Vorsitzender des Betriebsrates in einem Kasseler Bauunternehmen. Von 1956 bis 1972 war er Mitglied der Kasseler Stadtverordnetenversammlung.

Hans Krollmann (1929 – 2016) wurde in Werdau (Kreis Zwickau) geboren und studierte später Rechts- und Sozialwissenschaften in Münster, Köln und Hamburg. Nach seinem Zweiten juristischen Staatsexamen 1959 arbeitete er im Rechtsamt der Stadt Kassel und wurde 1965 Polizeipräsident in Kassel. Danach wurde er Stadtkämmerer und schließlich Staatssekretär im hessischen Innenministerium. In seinen unterschiedlichen Aufgabenbereichen und Funktionen hat sich Hans Krollmann für Kassel und seine Bürger sowie für soziale Gerechtigkeit eingesetzt.

Konrad Berndt (1872 – 1935) war Postinspektor und Mundartschriftsteller. Er wurde in Kassel als Sohn eines Schriftsetzers geboren, besuchte die Realschule und ging in den Postdienst, wo er zuletzt Inspektor war. Er galt als einer der fruchtbarsten und einfallsreichsten Dichter in Kasseler Mundart.

(5727 Zeichen)


Bild: Druckansicht Druckansicht

Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel

Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@kassel.de

Pressesprecher Ingo Happel-Emrich
Pressesprecherin für Kultur: Petra Bohnenkamp

Kassel und die Region im Internet: www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de

presse-service.de Die Pressestelle der documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie auch Mitteilungen weiterer Pressestellen abonnieren, Ihr Interessenprofil verwalten oder sich ganz aus dem Verteiler löschen.