Bocholt, 13. September 2000
Pflegeversicherung und Arbeitslosigkeit von Mädchen
Arbeitskreis für Fragen der Gleichstellung von Frau und Mann tagte
Bocholt (pd).
Der überwiegende Anteil der Pflegenden sind Frauen, die für diese Aufgabe häufig ihre Erwerbsbiographie unterbrechen und ihren Tagesablauf auf diese Situation abstimmen müssen. Dies war einer der Gründe für den Arbeitskreis für Fragen der Gleichstellung von Frau und Mann, sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema Pflege und Pflegeversicherung auseinanderzusetzen. Frau Dr. Meurer vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen erläuterte den Aufbau eines Gutachten zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit sowie die Kriterien für die Einstufung. Berücksichtigt werden könnten nach den gesetzlichen Vorgaben lediglich die tatsächlich erbrachten Hilfestellungen bei den Pflegebedürftigen wie Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, der Mobilität, der Körperpflege sowie der hauswirtschaftliche Versorgung. In der Vergangenheit habe es häufiger zu Irritationen geführt, dass reine Beaufsichtigung nicht in die Bewertung einfließen könne, da dies in den rechtlichen Grundlagen nicht vorgesehen sei. Dennoch habe die Einführung der Pflegeversicherung eine große Hilfe für die Pflegenden bedeutet. Die Ausübung der Pflege sei jedoch weiterhin eine große Belastung für die pflegenden Angehörigen und führe in einigen Fällen auch zur Überforderung. So gebe es immer wieder auch Fälle von Gewalt gegen Pflegebedürftige, die aus dieser Überforderung resultierten.
Weiterer Tagesordnungspunkt war das Thema Mädchenarbeitslosigkeit. Aus einer Statistik der Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft der Stadt Bocholt war zu entnehmen, dass seit 1998 allein bei diesem Maßnahmeträger 103 weibliche arbeitlose Jugendliche aus Bocholt und Umgebung bekannt wurden. Rund ein Viertel davon war alleinerziehend. Der Arbeitskreis beschloss, hier mit Hilfe des Arbeitsamtes und verschiedener Maßnahmeträger weitere Informationen über den Mädchenanteil an der Arbeitslosigkeit und die Ursachen hierzu einzuholen.
Darüber hinaus wurde im Arbeitskreis beschlossen, die Einrichtung einer Teenagersprechstunde anzuregen, da die Zahl der Schwangerschaften bei sehr jungen Mädchen steige, was im Einzelfall auch immer noch auf unzureichende Aufklärung und Unsicherheit zurückzuführen sei.