Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht
Am Donnerstag im Forum Gestaltung und am Synagogendenkmal
Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert die Landeshauptstadt Magdeburg am kommenden Donnerstag an die Opfer der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Die Gedenkfeier im Forum Gestaltung in der Brandenburger Straße 10 beginnt um 17.00 Uhr. Im Anschluss wird es einen Schweigemarsch zum Denkmal der zerstörten Synagoge geben. Die Reichspogromnacht 1938 führte in Magdeburg zur Zerstörung der Synagoge und jüdischer Geschäfte im Stadtzentrum sowie zur Vertreibung vieler jüdischer Mitbürger.
„Als Oberbürgermeister lade ich alle Magdeburger und Freunde der Stadt ein, an die Opfer der Pogromnacht zu erinnern“, so Dr. Lutz Trümper. „Diesen Tag möchte ich aber auch nutzen, um das Bewusstsein und Handeln der Magdeburger zu schärfen. Ich möchte sie dazu ermutigen, ihre Stimmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, gegen Hass und Gewalt zu erheben.“
Neben Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper sprechen im Forum Gestaltung Superintendent Stephan Hoenen und Sophia Shikhman von der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg Worte des Gedenkens. Nach einer Psalmlesung halten Schülerinnen des Ökumenischen Domgymnasiums ein Grußwort. Anschließend finden Probst Christoph Hackbeil und Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch Worte der Erinnerung an die Reichpogromnacht. Umrahmt wird die Gedenkfeier von Musikbeiträgen von Schülern des Ökumenischen Domgymnasiums. Nach einem gemeinsamen Schweigemarsch zum Denkmal der zerstörten Synagoge in der Julius-Bremer-Straße, werden Kränze niedergelegt und Gebete gesprochen.
Hintergrundinformationen
Mahnmal/Relief
An der Stelle der am 9. November 1938 zerstörten Synagoge in der Julius-Bremer-Straße steht heute ein vom Magdeburger Metallgestalter Josef Bzdok 1988 errichtetes Mahnmal für die jüdischen Opfer des Naziregimes. Die Inschrift lautet: „Dem Nazi-Terror fielen 1.521 Magdeburger jüdischen Glaubens, darunter 287 unschuldige Kinder, zum Opfer.“ In unmittelbarer Nachbarschaft des Mahnmals wurde 2004 durch die Magdeburgische Gesellschaft von 1990 ein Relief zur Erinnerung an die 1938 zerstörte Magdeburger Synagoge aufgestellt.
Neue Synagoge Magdeburg
Der Förderverein Neue Synagoge Magdeburg e. V. unterstützt die Synagogengemeinde zu Magdeburg dabei, ein neues Versammlungshaus zu bauen. Durch den Bau einer neuen Synagoge sollen die Magdeburger jüdischen Glaubens wieder ein religiöses Zentrum erhalten. Zugleich soll es ein Begegnungsort für alle Magdeburgerinnen und Magdeburger sein, die mit dem Judentum in Verbindung oder ins Gespräch treten wollen. Die Synagogengemeinde zählt heute etwa 600 Mitglieder.
Mahnmal „Magda“
Seit 2001 erinnert das Mahnmal „Magda“ in der Rothenseer Havelstraße/ Ecke Heinrichsberger Straße des Bildhauers Jörg-Tilmann Hinz an eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald gleichen Namens, in der mehr als 2.000 Häftlinge – überwiegend Juden aus Ungarn – zu Tode gequält wurden. Jährlich am 27. Januar gedenken Vertreter von Stadt, Land, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Parteien und die Bundeswehr der Opfer des Nationalsozialismus.
Der Jüdische Friedhof
Jüdische Friedhöfe tragen auch die Bezeichnung „Guter Ort“ oder „Halle des Lebens“. Auf dem Jüdischen Friedhof im Fermersleber Weg befinden sich die Grabsteine von Moritz Rahmer, Robert Philippson und Guyla Grosz. Hier ist auch das Grab der legendären Magdeburger Zirkusfamilie Blumenfeld. Bis 1920 hatte sie das einzige feste Zirkusgebäude in Deutschland. Der jüdische Arzt Dr. Otto Schlein ist auf dem Westfriedhof beigesetzt worden.
Stolpersteine
Am 18. März 2007 weihte Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper im Rahmen einer Gedenkstunde die ersten Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus in Magdeburg ein. Der erste der verlegten Stolpersteine ist dem früheren Magdeburger Bürgermeister Dr. Herbert Goldschmidt gewidmet. Inzwischen wurden 479 Stolpersteine im Stadtgebiet verlegt. Finanziert werden die Erinnerungsmale ausschließlich durch Spenden.
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