Besser informieren und helfen – Runder Tisch gegen häusliche Gewalt Region Kassel geht online

22. November 2017.

„Frauen werden auch und gerade in Partnerschaften immer wieder Opfer von Gewalt. Doch immer noch zu wenige schaffen es, sich Hilfe und Unterstützung zu holen. Das müssen wir unbedingt ändern!“ sagt Anne Janz, Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit der Stadt Kassel, anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November.

Um den Zugang zu Informationen zu erleichtern, hat der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt Region Kassel eine neue Website online gestellt. Sie informiert Gewaltbetroffene über Anlaufstellen und die umfangreichen Hilfsangebote in Stadt und Landkreis, an die sie sich vertrauensvoll wenden können. Beratungsstellen haben das Wohl der Opfer im Blick, arbeiten vertraulich und entscheiden nicht über den Kopf der Ratsuchenden hinweg. Das Internetangebot umfasst außerdem Informationen rund um das Thema häusliche Gewalt für Betroffene und deren Umfeld und gibt Sicherheitstipps in aktuellen Krisensituationen. Die Website enthält auch Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche, die mit Gewalt in der Familie konfrontiert sind. Gerade für sie ist dieses Angebot im Internet wichtig, weil man sie sie so besser erreicht als über Flyer oder Broschüren.

Die Internetseite wird vom Frauenbüro der Stadt Kassel gepflegt. An der Einrichtung haben sich auch der Landkreis Kassel und die Stadt Baunatal beteiligt. “Damit werden die Informationen über Hilfestellen weiter verbreitet und können im Internet besser und schneller an einer Stelle für die Region Kassel abgerufen werden“ freut sich Susanne Selbert, Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Kassel. Die Liste der Angebote ist dabei mehr als eine reine Aufzählung: „Dahinter steht eine echte Vernetzung der Beratungsstellen, der Polizei und anderer Institutionen, die zum Wohle der Frauen und Kinder am Runden Tisch zusammenarbeiten“ so Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub, dessen Frauenbeauftragte Irmgard Schüler den Runden Tisch moderiert.

Die kontinuierliche aufklärerische Arbeit des Runden Tisches hat bereits Erfolge erzielt: In Fachgesprächen wird immer wieder deutlich, dass nach 15 Jahren Gewaltschutzgesetz mit dem Prinzip „Wer schlägt, geht!“ viele Betroffene über die Hilfsangebote informiert sind. Von der Website versprechen sich alle Beteiligten eine Verstärkung dieses Effekts.

Der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt Region Kassel hat sich zum Ziel gesetzt, Opfern schneller und effektiver zu helfen und Frauen und Kindern den Zugang zum Hilfesystem zu eröffnen. Angebote für Täter werden weiterentwickelt und die Gesellschaft aufgeklärt und sensibilisiert. Daran beteiligen sich unter anderem die Fachberatungsstellen, die Frauenhäuser, die Jugendämter, die Frauenbüros und Vertreterinnen und Vertreter der Justiz und der Polizei.

In der überwiegenden Zahl der Fälle sind Frauen die Opfer von Gewalt. Sie verfügen häufig über weniger Ressourcen, um sich und ihre Kinder aus Gewaltsituationen zu befreien. Aus diesem Grund konzentriert sich die Arbeit des Runden Tisches auf die Frauen und Kinder als Opfer von Partnergewalt. Im Interventions- und Hilfeprozess wird aber in allen Fällen häuslicher Gewalt gleich verfahren, unabhängig davon, welches Geschlecht Opfer oder Täter haben.

Anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen beteiligt sich die Stadt seit vielen Jahren an der Fahnenaktion der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Ab diesem Jahr wehen zwei Fahnen mit der Forderung: „Frei leben – ohne Gewalt“ sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache.

Das Kasseler Frauenbündnis, das aus über zwanzig frauenpolitischen Organisationen, Einrichtungen, Initiativen und Projekten sowie einzelnen Unterstützerinnen besteht, initiiert regelmäßig Aktionen zum Antigewalttag. In diesem Jahr lädt das Bündnis zu einem Trauerzug ein, um getöteter Mädchen und Frauen zu gedenken. Diese Aktion soll sichtbar machen, dass in keiner Weise verharmlost werden darf, wenn einer Frau durch einen männlichen Gewalttäter ihr Leben genommen wird. Treffpunkt ist am Samstag, 25. November, um 15.30 Uhr am Stern in Kassel. Der Trauerzug geht durch die Innenstadt zum Rathaus, weiter zur Friedrich-Ebert-Straße und endet am Frauen-Lesben-Zentrum. Allen Frauen ist im Anschluss die Teilnahme am Internationalen Café möglich.

 

Hintergrund:

Repräsentative Studien belegen, dass jede vierte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens physische oder sexuelle Gewalt in Beziehungen erlebt. In Europa hat eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Nach Angaben des Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen nehmen nur ca. 20 Prozent dieser großen Zahl an Betroffenen die angebotene Hilfe der Netzwerke an.

In Stadt und Landkreis Kassel gab es im Jahr 2015 insgesamt 524 Fälle von häuslicher Gewalt, die der Polizei gemeldet wurden, 2016 waren es 680. Die Zahlen schwanken seit Jahren auf etwa diesem Niveau, aber der Wert für 2016 ist mit recht deutlichem Abstand der höchste im Vergleich der Zahlen seit 2006. Die Fortschritte in der Aufklärungsarbeit könnten hierfür eine Erklärung sein.

Die Website des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt Region Kassel finden Betroffene unter http://gegen-haeusliche-gewalt-region-kassel.de

(5783 Zeichen)

Pressekontakt: documenta-Stadt Kassel, Michael Schwab



Stadt Kassel
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Rathaus / Obere Königsstraße 8
34112 Kassel

Telefon: 0561 / 787-1231 oder 0561 / 787-1232
Telefax: 0561 / 787-87
E-Mail: presse@kassel.de

Pressesprecher Claas Michaelis
Pressesprecherin für Kultur: Petra Bohnenkamp

Kassel und die Region im Internet: www.kassel.de
Die Stadtverwaltung im Internet: www.stadt-kassel.de

Die Pressestelle der documenta-Stadt Kassel ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie auch Mitteilungen weiterer Pressestellen abonnieren, Ihr Interessenprofil verwalten oder sich ganz aus dem Verteiler löschen.