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Infoabend zur Zukunft des Naturschutzgebietes Lünsberg und Hombornquelle
Die Veranstaltung am 10. April 2018 zog viele interessierte Nutzerinnen und Nutzer an.
10. April 2018.
Als eine der „schönsten Ecken von Borken“ bezeichnete Jürgen Kuhlmann, Technischer Beigeordneter der Stadt Borken, am Montagabend in der Stadthalle Vennehof das Naturschutzgebiet Lünsberg und Hombornquelle. Um die Zukunft des Areals rund um den Fliegerberg ging es bei der Veranstaltung, zu der die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, der Kreis und die Stadt eingeladen hatten.
In kurzen Vorträgen und an Infoständen stellte die Eigentümerin der Fläche, die DBU Naturerbe gGmbh, ihr Absichten sowie Kreis und Stadt ihre Beteiligung daran vor. Der Abend räumte obendrein den Teilnehmenden ausreichend Gelegenheit ein, Fragen zu stellen und ihre Meinung zu den Ideen zu äußern. Diskutiert wurde dabei vor allem der zukünftige Umgang mit freilaufenden Hunden in dem Naturschutzgebiet. Eigentlich ist das derzeit schon untersagt, jedoch wolle man „den Schulterschluss mit allen Menschen suchen“, die das Areal nutzen. Und dazu gehören die Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer, denen Ideen für eine Freilaufzone im Bereich des Dülmener Wegs vorgeschlagen wurden. Einige Besucherinnen und Besucher monierten die vorgeschlagene Fläche mit ihren 2,5 Hektar als zu klein. Zumindest im Vergleich zu der Freifläche vor dem Fliegerberg, die momentan als Auslauf genutzt wird.
Moderator Klemens Lühr vom Dortmunder Büro IKU_Die Dialoggestalter führte durch den Abend. Eingangs waren die Teilnehmenden dazu befragt worden, wie sie das Naturschutzgebiet hauptsächlich nutzen. Durch Klebepunkte konnten dabei Aktivitäten wie Joggen, Reiten oder Spazieren gehen ausgewählt werden. Im Ergebnis zeigte sich, dass drei Hauptinteressen vertreten waren: Spazierengehen mit und ohne Hund sowie Naturbeobachtung.
Jürgen Kuhlmann ging in seiner Eröffnung kurz auf die Historie des Geländes ein. Von der Veränderung des „Niemandslandes“ zu Beginn des 19. Jahrhunderts, über die jahrelange Nutzung als Landebahn für Segelflieger, die militärische Nutzung bis hin zum Ort für Freizeit und Erholung der zurückliegenden Jahre, seitdem das Areal wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist und gut angenommen würde. Es sei „attraktiv für die Borkener Bevölkerung“, so dass man nun gemeinsam schauen wolle, wie die Zukunft als Schulterschluss von Freizeit und Naturschutz gestaltet werden könne.
Josef Feldmann, Prokurist der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, gab einen kurzen Einblick in die Arbeit der DBU Naturerbe gGmbH als Eigentümerin. Insgesamt habe die Stiftung 69.000 Hektar in 70 Liegenschaften, verteilt auf zehn Bundesländer, viele aus militärischer Vornutzung, übernommen. In den von ihr verwalteten Gebieten lege die DBU zum Beispiel Wert auf eine gezielte Besucherlenkung, um dem Naturschutz Rechnung tragen zu können. Dieses geschehe etwa durch eigens angelegte Wegenetze oder Besucherpunkte. Sie sei zudem zuständig für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wie Waldumbau, Entsiegelung oder die Renaturierung von Mooren und Bächen. Die DBU-Naturerbefläche in Borken mit ihren rund 200 Hektar nannte Feldmann „klein, aber für die Region von hoher Bedeutung“. Im zurückliegenden Jahr sei das Gebiet nach Biotoptypen kartiert worden. Ergebnis: Dort existieren 374 Arten, von denen „zehn auf der Roten Liste“ stehen, erklärte Feldmann. Zur Aufgabe der Kartierer gehört auch, Beeinträchtigungen zu erfassen. Dazu zählen etwa Störungen durch Hunde, Verbuschung des Geländes, das Vorkommen von Neophyten („ortsfremde“ bzw. eingeschleppte Arten) und die Eutrophierung (Überdüngung) des eigentlich nährstoffarmen Bodens. Zu den Lösungsmaßnahmen, um diesen Beeinträchtigungen entgegenzuwirken zählen die Entbuschung und Beweidung bestimmter Fläche. Letzteres könnte am Fliegerberg mit einer ganzjährigen Standweide für große Tiere umgesetzt werden. Das Wegenetz für Besucherinnen und Besucher würde dann in Konsequenz um die Weide herumführen.
Zuletzt ging Feldmann auf die Idee einer Hundefreilauffläche ein, auch wenn er direkt einräumte, dass die derzeitigen Ideen nur unter Vorbehalt vorgestellt werden könnten, da möglicherweise schützenswerte Reptilien auf der angedachten Fläche leben. Das muss zunächst noch untersucht werden. Feldmann betonte, dass er seit 1991 bei der DBU tätig sei, eine solche Freilauffläche für ihn aber ein Novum sei. Es wurde deutlich, dass er der Neuerung positiv gegenübersteht. Denn: „Wir müssen verstehen, dass wir nicht allein auf der Welt sind“, betonte Feldmann: „Wir müssen aufeinander zugehen und Kompromisse schließen.“ Dem Grundtenor schloss sich auch Cordula Thume als Vertreterin des Kreises an: Das Gebiet werde intensiv, nicht nur von den Borkener Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch von Besucherinnen und Besuchern aus dem Umfeld genutzt. Daher müsse ein „verträgliches Miteinander von Erholung und Naturschutz“ ermöglicht werden. Thume gab einen kurzen Überblick, was derzeit im NSG Lünsberg und Hombornquelle erlaubt und was verboten ist und stellte bisherige Maßnahmen vor. Dazu gehören etwa die Pflege der Kopfweiden oder Pflege eines Biotopteiches sowie die Vorbereitung des Hundeauslaufs, die, bedingt durch den Eigentümerwechsel, pausiert habe. Abschließend plädierte auch Jürgen Kuhlmann von der Stadt Borken für ein gemeinsames Miteinander und hob hervor: „Naturschutz in Borken findet nicht hinter Zäunen statt.“ Dies gelte allerdings nur, „wenn wir uns an die Regeln halten“.
Im Anschluss an die kurzen Präsentationen konnten die Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen stellen und Stellung zu den einzelnen Aussagen beziehen. Zudem gab es die Möglichkeit, sich im Vorraum des Mölndal-Saales an einzelnen Infoständen zu den Themen Naturschutzgebiet und DBU, Maßnahmen im NSG und Hundefreilauf zu informieren und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Auch Vorschläge für die Ausgestaltung des Hundefreilaufs wurden gesammelt.
Die Präsentationen des gestrigen Abends stehen ab morgen (11.04.2018, 12:00 Uhr) auf www.borken.de zum Download bereit. Weiterhin wird die Stadt Borken das Protokoll des Abends, u.a. mit den Fragen aus der Veranstaltung, zeitnah veröffentlichen.
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