Stadt und Stadtkirchenkreis starten Dialog über die Zukunft der Kasseler Friedhöfe

22. Juni 2018.

Seit Jahren verändert sich das Bild auf bundesdeutschen Friedhöfen nachhaltig. Auch in Kassel lichten sich die früher dicht gefüllten Gräberreihen und ganze Areale verwandeln sich in ungenutzte Grünflächen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der demografische Wandel, geänderte Lebensgewohnheiten einer zunehmend mobiler werdenden Gesellschaft und nicht zuletzt sich wandelnde Einstellungen sorgen dafür, dass die Stadtgesellschaft immer heterogener wird. Dies hinterlässt unübersehbar seine Spuren auch in der Bestattungs- und Friedhofskultur.

 

War es vor rund 15 Jahren in der Mehrzahl noch selbstverständlich, mit oder ohne religiösen Ritus im Sarg auf dem Friedhof der Heimatgemeinde beigesetzt zu werden, so ist das heute nur eine von vielen möglichen Formen, die letzte Ruhe zu finden. Unübersehbar ist dabei der Trend hin zur Feuer- und Urnenbestattung. Rund 65 Prozent der Menschen finden heute bereits auf diese Weise ihre letzte Ruhestätte auf einem der 15 Friedhöfe im Kasseler Stadtgebiet. Rund ein Viertel der Menschen, die in Kassel versterben, werden inzwischen gar nicht mehr in Kassel beigesetzt, sondern finden in Friedwäldern oder anderenorts die letzte Ruhe.

 

Da über die Jahrzehnte hinweg auch die Bestandszeiten für die Gräber selbst kürzer geworden sind, verringerte sich der tatsächliche Flächenbedarf auf Friedhöfen nennenswert und es ist absehbar, dass die rund 90 Hektar Friedhofsfläche in Kassel dauerhaft nicht mehr benötigt werden.

 

Die Kasseler Friedhofsverwaltung reagiert auf diese Entwicklung seit längerem mit einer Ausweitung der Angebote an Bestattungsformen ebenso wie mit verschiedenen gestalterischen und pflegerischen Maßnahmen. Auch die Stadt und der Evangelische Stadtkirchenkreis diskutieren in gemeinsamer Verantwortung für das Kasseler Friedhofswesen bereits seit einigen Jahren intensiv über einen Umgang mit den Veränderungen in der Bestattungskultur, notwendigerweise auch unter wirtschaftlichen Aspekten.

 

„Diesen Diskurs möchten wir nun ganz bewusst in die Stadtgesellschaft hinein öffnen“, kündigt Christof Nolda an. „Es geht dabei um die Frage, wie wir die Friedhofsentwicklung in Kassel ethisch-gesellschaftlich, aber auch mit Blick auf die praktischen Erfordernisse der Menschen zukünftig gestalten wollen. Damit packen wir heute etwas an, das erst in zwanzig bis dreißig Jahren wirksam wird.“

 

Den Auftakt dieses Dialogs mit den Bürgerinnen und Bürgern bildete eine Veranstaltung zum Thema „Die Zukunft unserer Friedhöfe“, zu der die Stadt Kassel und der Stadtkirchenkreis ins Museum für Sepulkralkultur eingeladen hatten. Nach Impulsreferaten von Stadtbaurat Christof Nolda, Dr. Dirk Pörschmann, Direktor des Museums für Sepulkralkultur, und Stadtdekanin Barbara Heinrich, erbrachte die von Christoph Baumanns moderierte Diskussion zahlreiche interessante Anregungen und Ideen für die zukünftige Gestaltung von Friedhöfen.

 

Von der Verbesserung der Verweilqualität über die Schaffung von Möglichkeiten für Begegnung und Kommunikation bis hin zur Durchführung von kulturellen Veranstaltungen oder der Einrichtung von Kinderspielplätzen reichten die Vorschläge in einer engagiert geführten Diskussion. Einigkeit bestand darin, dass Aspekte der Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht gelassen werden dürfen, auch und gerade unter sozialen Gesichtspunkten.

 

„Unsere Friedhöfe sollen ein würdiger Ort für das Andenken an unsere Verstorbenen sein, aber auch ein guter Ort für die Lebenden. Diese Anliegen in den kommenden Jahrzehnten bewusst zu gestalten und dabei auch betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten nicht außer Acht zu lassen, muss Aufgabe einer strategischen Entwicklungsplanung unter Beteiligung der Bürgerschaft sein“, zog Stadtbaurat Nolda Bilanz einer ertragreichen Veranstaltung.

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