04. September 2018.
„Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren“ – mit diesen Worten zitierte am Antikriegstag (1. September) Stadtrat Hajo Schuy bei der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Versöhnung könne es ohne Erinnern nicht geben, unterstrich das Mitglied des Kasseler Magistrats.
Auf dem Soldatenfriedhof Keilsberg stehe man an den Gräbern tausender kriegsgefangener Soldaten, Zwangsarbeiter und auch ihrer Bewacher. Angehörige des Commonwealth, russische, italienische, französische und belgische Männer – Söhne, Brüder und Väter – seien hier begraben. Welche Strapazen und welches Leid sie durchlitten hätten, könne man kaum ermessen, so der Stadtrat. Dennoch sei dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts mit rund 20 Millionen Toten nur 21 Jahre später eine noch größere mit dem Zweiten Weltkrieg gefolgt, für den Deutschland ebenso die Verantwortung trage wie für den unvorstellbaren Völkermord an den Jüdinnen und Juden.
„Heute stehen wir hier und gedenken der Gefallenen, der Verwundeten, der Menschen, die grausames Leid an Leib und Seele erlitten. Wir bewahren ihnen ein Andenken und erinnern uns, um aus der Geschichte zu lernen“, sagte Hajo Schuy, der bei der Gedenkveranstaltung in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Geselle sprach. Dazu gehöre auch die Dankbarkeit über 73 Jahre im Frieden in Europa, über gewachsene Freundschaft und möglich gewordene Versöhnung.
Allerdings sei ein Leben in Frieden und Sicherheit nicht selbstverständlich, blickte der Stadtrat auf die Gegenwart. Krieg und Brutalität gebe es überall auf der Welt, Menschen litten unter Gewalt und Terror, und Millionen seien auf der Flucht. „Am heutigen Antikriegstag erinnern wir mahnend an die Schrecken der Kriege – in der Hoffnung auf dauerhaften Frieden auf der Welt. Um den Frieden im Inneren zu erhalten und im Äußeren zu stabilisieren, müssen wir uns gegen Hass, Diskriminierung und Verfolgung bei uns wenden und international für Rüstungsbeschränkung und das Verbot von Waffenrobotern eintreten“, schloss Schuy.
Die Gedenkveranstaltung hatte die Stadt Kassel in Kooperation mit verschiedenen Partnern organisiert: So legten auf dem Soldatenfriedhof auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräber Fürsorge e.V. (VDK) und Bürgermeister André Bodson, der die belgische Delegation aus Floreffe anführte, einen Kranz zum Gedenken nieder. Schülerinnen und Schüler der Herderschule und der Albert-Schweitzer-Schule verlasen Namen und Zitate ehemaliger Kriegsgefangener. Die katastrophalen Bedingungen im Lager verdeutlichten auch Wolfgang Matthäus und Svenja Brand sowie Hanna Poloschek in ihren Vorträgen. In einer ökumenischen Andacht auf dem Keilsberg mahnten Dekanin Barbara Heinrich und Dechant Harald Fischer sowie Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich in ihrer Abschlussrede zum Frieden. Zum Gedenken an die Barbareien vor mehr als 100 Jahren pflanzte der VDK einen Ginkgo-Baum auf dem russischen Soldatenfriedhof.
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Zum Gedenken an die Barbareien vor mehr als 100 Jahren pflanzte der VDK einen Ginkgo-Baum auf dem russischen Soldatenfriedhof.
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