Leer - 22. Dezember 2000. Für den Landkreis Leer war das zu Ende gehende Jahr alles in allem gesehen ein "ganz normales Jahr". Gemessen an den schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen werde beim Rückblick durchaus ein beachtlicher Erfolg des gemeinsamen Bemühens von Politik und Verwaltung deutlich Zu diesem Ergebnis kommt Landrat Andreas Schaeder in seinem Rückblick und Ausblick zum Jahreswechsel. Man sei 2000 wieder ein Stückchen weiter auf dem Weg zu mehr Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Leer gekommen.
Ein Schwerpunkt der Aktivitäten habe im Bereich Ausbildung, Beschäftigung und Qualifizierung gelegen, um so zusammen mit dem Arbeitsamt der Arbeitslosigkeit zu begegnen. Im Durchschnitt der letzten Jahre seien ständig rund 300 Menschen beschäftigt und viele zusätzliche Ausbildungsstellen geschaffen worden. Außerdem seien noch zahlreiche Jugendliche in verschiedenen Projekten ausgebildet und betreut worden. Im Laufe der letzten Jahre waren es nach den Worten Schaeders einige Tausend Menschen, die von den Maßnahmen profitierten. Auch im kommenden Jahr solle wieder eine beträchtliche Summe aus dem Kreishaushalt dafür ausgegeben werden.
"Der Fremdenverkehr konnte sich trotz eines wettermäßig eher durchwachsenen Sommers weiter etablieren", so Schaeder. Die Übernachtungszahl des Vorjahres sei in den Gemeinden gehalten oder sogar noch leicht gesteigert worden. Die Zentrale Zimmervermittlung habe deutliche Zuwächse erfahren, und "Markenzeichen" des Feriengebiets Südliches Ostfriesland wie "Paddel und Pedal", "Deutsche Fehnroute" und "Internationale DollardRoute" seien nach wie vor die wichtigen Säulen.
Ein Schwergewicht im Bereich der "Wirtschaftsförderung" lag nach den Ausführungen des Landrats auch 2000 darin, die vielfältigen Fördermöglichkeiten für die Wirtschaft und die zahlreichen EU-Förderprogramme für Projekte im Landkreis zu nutzen. Der Ausbau der Eisenbahnlinie Groningen - Leer sei leider nicht wie geplant gelaufen. Da die Deutsche Bahn die Ausschreibung der Arbeiten wiederholen müsse und somit der Baubeginn erst für das kommende Jahr geplant werde, sei dem Landkreis nichts anderes übrig geblieben, als dafür zu kämpfen, dass alle eingeworbenen Finanzmittel auch im kommenden Jahr noch zur Verfügung stehen. Bis dahin solle zusammen mit den Gemeinden Weener und Westoverledingen durch den Einsatz pensionierter Brückenwärter sowie mit Unterstützung durch das Arbeitsamt sichergestellt werden, dass wenigstens die Friesenbrücke bei Weener passierbar bleibe.
Die Verkehrsregion Nahverkehr Ems-Jade (VEJ) habe sich zunehmend als ein wichtiges Instrument im Kampf um eine möglichst gute Verkehrsanbindung der Region erzeigt, auch wenn Einschränkungen beim InterRegio-Angebot bislang nicht zu verhindern gewesen seien. Die VEJ wolle weiter gemeinsam mit den Verantwortlichen aus der Region, des Landes, des Bundes und der Bahn Konzepte erarbeiten, um auch in Zukunft attraktiv in das Schienenverkehrssystem eingebunden zu sein.
Damit das Kreiskrankenhaus auch in Zukunft die medizinische Versorgung nach modernen Maßstäben sicherstellen kann, wird es im großen Stil neu- und umgebaut. Das neue Bettenhaus "im gehobenen Hotelstandard" soll nach Auskunft von Schaeder im Frühjahr in Betrieb genommen werden. Bei alledem läuft der normale Betrieb voll weiter: Rund 12.000 Patienten wurden wieder im Kreiskrankenhaus behandelt, noch mehr als im Vorjahr. Im Frühjahr wurde ein neuer Computertomograph in Betrieb genommen. In Zusammenarbeit mit dem Emder Hans-Susemihl-Krankenhaus steht nun eine bessere Diagnostik für die Patienten bereit. Zwei neue Chefärzte haben im Jahr 2000 ihren Dienst begonnen: Dr. Nikolaas Reijnen in der Chirurgischen Abteilung und Dr. Georg Köchling in der Inneren Abteilung.
Bei den Kreisstraßen stand neben der Erneuerung von Fahrbahnen der Bau von Radwegen im Mittelpunkt. Größtes Projekt war die K 15 zwischen Detern und Hollen. Dort wurden im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Mark für eine neue Fahrbahn und den Radweg ausgegeben. Zu den größeren Projekten gehören aber auch neue Fahrbahnen und Radwege in Warsingsfehn und in Brückenfehn, der Radweg entlang der K 46 in Stapel und der Ausbau der Kreuzung in Stapelermoor. Andere wichtige Kreisstraßen wurden repariert, zum Beispiel zwischen Amdorf und Neuburg, in Westrhauderfehn, zwischen Mitling-Mark und Völlen, im Bereich Dyksterhusen und Pogum und zwischen Ditzumerverlaat und Landschaftspolder.
Auch bei den Schulen tat sich einiges: Für die Schulzentren Bunde und Uplengen wurden jeweils neue Klassenräume angebaut. Ein Schwerpunkt der vom Hochbauamt der Kreisverwaltung in Auftrag gegebenen Investitionen lag im vergangenen Jahr in der Verbesserung der Ausstattungen für Fachunterrichtsräume. So bekamen das Schulzentrum Hesel, die Realschule Rhauderfehn und die Sonderschulen in Leer und Ihren neue Einrichtungen für ihre Lehrküchen. Das Teletta-Groß-Gymnasium in Leer, die Möörkenschule in Leer, die Orientierungsstufe Westergaste in Brinkum und die Hauptschule mit Orientierungsstufe in Rhauderfehn verfügen über neue Physik-, Chemie- oder Biologieraumausstattungen. Die Berufsbildenden Schulen I in Leer und das Schulzentrum in Hesel bekamen neue Computerräume. Auch in den Schulsport wurde investiert - in eine Freisportanlage beim Ubbo-Emmius-Gymnasium Leer und in neue Hallenböden der Sporthallen der Möörkenschule in Leer und beim Schulzentrum Jemgum.
In der Abfallwirtschaft stand die Frage im Mittelpunkt, wie der Restabfall ab dem Jahr 2005 entsorgt werden soll. Nach wie vor gibt es keine abschließenden gesetzlichen Vorgaben,die die eigentlich nötige Planungssicherheit gewährleisten könnten. Nachdem das Niederländische Umweltministerium einem Transport des Hausmülls in eine Vergärungsanlage in Groningen nicht zugestimmt hat, bemüht sich der Abfallwirtschaftsbetrieb um eine Genehmigung dafür, versuchsweise Abfälle in Bremen behandeln zu lassen. Damit sollen handfeste Erkenntnisse über die künftige Gestaltung der Abfallaufbereitung und Abfallentsorgung gewonnen werden. Gleichzeitig wurde die Abdichtung des Altmüllkörpers der Deponie bei Breinermoor weiter vorangetrieben. Viele Millionen Mark müssen zum Schutz der Umwelt in Abdichtungs-, Graben- und Rohrleitungssysteme investiert werden.
Für den Ausbau des Flugplatzes Leer-Papenburg liegt nach Auskunft des Landrats nach zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen nun die Zusage vor, das Projekt mit Landesmitteln zu fördern. Damit könne die dringend notwendige Verlängerung der Start- und Landebahn um 400 auf 1.200 Meter endlich in Angriff genommen werden. Der erste Spatenstich sei im Frühjahr 2001 geplant
Für die Kreisverwaltung selbst hielt das Jahr 2000 einen besonderen Höhepunkt bereit: Am 2. September konnte der Öffentlichkeit mit einem "Tag der offenen Tür" der Um- und Erweiterungsbau des Kreishauses vorgestellt werden. Eine lange Planungsphase und eine fast fünfjährige Bauzeit wurden damit abgeschlossen. Knapp 20 Millionen Mark wurden investiert. Nun sind nahezu alle Ämter der Kreisverwaltung auf dem Areal Ecke Friesenstraße/Bergmannstraße zu finden. Das sei eine wichtige Voraussetzung für einen bürgernahen und effizienten Dienstleistungsbetrieb, so Schaeder.
Im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand im vergangenen Jahr auch der Verkauf des Meierhofes in Leer-Loga. Nach einer Ausschreibung entschied sich der Kreistag für einen Verkauf an einen hiesigen Landwirt. Die damit auch in Zukunft gesicherte landwirtschaftliche Nutzung des Anwesens könne im Ergebnis auch die Logaer Schutzgemeinschaft zufrieden stellen, schreibt der Landrat. Gleichzeitig wurde die Sanierung des Evenburger Parks unter Beteiligung der zuständigen Denkmalpflegebehörden und im ständigen Gespräch mit der Schutzgemeinschaft fortgeführt: Die entschlammten Parkgewässer sind wieder mit Niederschlagswasser gefüllt, Gehölzbestände wurden aufgelichtet und damit der historische Baumbestand wieder freigestellt. Neue Beete wurden angelegt und bepflanzt, das historische Wegesystem weiter erkundet, die Mauern um die Schlossinsel saniert und mit der Wiederherstellung von Brücken über die Parkgewässer wurde ebenfalls begonnen.
Aber nicht nur Investitionen und Zahlen standen im Blickpunkt der Arbeit beim Landkreis. Eine wichtige Grundlage für die künftige Arbeit ist der im Herbst vorgelegte "Sozialpsychiatrische Plan für den Landkreis Leer". Er wurde zusammen mit den anderen Anbietern sozialpsychiatrischer Hilfen erarbeitet und hat zum Ziel, das Angebot und die Zusammenarbeit bei der Unterstützung von psychisch kranken und behinderten Menschen wie auch für Suchtkranke abzustimmen und bedarfsgerecht zu gestalten. Auch der "Bericht zur Situation von Menschen mit Behinderung im Landkreis Leer" wurde fertiggestellt. Die Veröffentlichung ist für das kommende Jahr geplant. Eine wichtige Konsequenz aus den bisherigen Beratungen ist die für Anfang 2001 geplante Bestellung eines Behindertenbeauftragten.
Im Bereich der Frauenförderung wurde der Familienservice Weser-Ems weiter ausgebaut. Mit diesem Angebot soll eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf ermöglicht werden. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch Firmen können dort nach qualifizierten Möglichkeiten der Kinderbetreuung nachfragen. 71 Firmen haben sich bereits angeschlossen. In der "Beratungsstelle Frauen und Beruf" wurden im vergangenen Jahr 800 Frauen beraten. Viele konnten in Qualifizierungskursen ihr berufliches Wissen auffrischen. 120 Betriebe haben sich in diesem Bereich einem "Überbetrieblichen Verbund" angeschlossen, um so bei Bedarf qualifiziertes Personal zu erhalten. Im Frauenhaus Leer wurden im vergangenen Jahr 45 Frauen und 65 Kinder aufgenommen, um ihnen so Schutz und Unterkunft zu gewähren oder sie durch Beratung und praktische Hilfen zu unterstützen. Mit den Angeboten im Bereich der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Jungen steht im Landkreis Leer nach wie vor ein in Deutschland einzigartiges Projekt zur Verfügung. Interessierte Schulen bekommen die Möglichkeit, qualifizierte Trainerinnen in den Unterricht zu integrieren. Im vergangenen Jahr haben mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler davon profitiert.
Fast am Ende seiner Ausführungen zum Jahreswechsel geht Schaeder auf die Kreisfinanzen ein und richtet dabei den Blick vor allem nach vorne. Zwar drückten den Kreis nach wie vor die Lasten der Vorjahre - über 70 Millionen Mark Defizit hätten sich aufgebaut. Aber seit 1999 gäbe es – jeweils das Jahr für sich gesehen - einen kleinen Überschuss. Dies werde auch 2001 voraussichtlich so sein, obwohl der Landkreis eine Erhöhung der Investitionen bei den Bauvorhaben plane. Über 15 Millionen Mark sollen nach den Vorstellungen des Landrats dafür ausgegeben werden, im Wesentlichen für den Schulbau und für neue Straßen. Vorgesehen sind der Ausbau des Teletta-Groß-Gymnasiums in Leer, der Bau einer Turnhalle auf Borkum und der Ausbau des Sportplatzes an der Friesenschule in Leer. Die Sportschule in Hesel soll in Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund gebaut werden. Bei den Straßen liegen die Schwerpunkte bei der Kreisstraße 15 zwischen Detern und Hollen, dem Fahrbahn- und Radwegausbau der Kreisstraße 16 in Brückenfehn, der Sanierung der Brücke der Kreisstraße 27 in Vellage, im Ausbau von Fahrbahn- und Radweg der Kreisstraße 36 zwischen Soltborg und Bunderhee sowie Fahrbahn- und Radwegebau der Kreisstraße 53 in Klostermoor.
Für 2000 und auch für das kommende Jahr könnten noch zahlreiche andere Beispiele für Investitionen, Aktionen und Planungen genannt werden, so Schaeder. Daneben werde in den Ämtern der Kreisverwaltung aber auch ein großes Pensum an weniger spektakulärer Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger geleistet -weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit aber darum nicht weniger wichtig.
Die Zusammenarbeit zwischen den politischen Gremien und der Verwaltung sei ausgesprochen gut: Bei aller sachgerechten Kritik habe das Suchen nach gemeinsamen Lösungen im Mittelpunkt gestanden. Das sei eine wichtige Basis, um auch in Zukunft erfolgreich zum Wohle der Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises Leer arbeiten zu können.
Pressekontakt: Landkreis Leer, Pressestelle: Dieter Backer
Landkreis-Leer ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.
Landkreis Leer
Bergmannstraße 37 D-26789 Leer Telefon: +49 (0) 491 / 926-1254 Telefax: +49 (0) 491 / 926-1200 E-Mail: pressestelle@landkreis-leer.de |