Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 21. August 2001

Kaiserpfalz Ottos des Großen auf dem Magdeburger Domplatz wieder sichtbar

Am 27. April 2001 legte Magdeburgs damaliger Oberbürgermeister Dr. Willi Polte den Grundstein für die Sichtbarmachung der Kaiserpfalz Ottos des Großen auf dem Magdeburger Domplatz. Vier Monate später, am Vorabend der Eröffnung der Europaratsausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa" sind die Bauarbeiten zur Neugestaltung des südöstlichen Domplatzes abgeschlossen. Mit der feierlichen Einweihung durch Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wird optisch die Geschichte der Pfalz im frühen Mittelalter erfahrbar. Damit verfügt Magdeburg über einen weiteren Ort der Erinnerung und des Gedenkens an Otto den Großen.

Im frühen Mittelalter bildete Magdeburg mit dem Domplatzgelände und der Pfalzanlage den politischen Zentralort der Herrschaft Ottos des Großen, der Pläne hegte, die Stadt zu einem "Roma nova", zu einem "neuen Rom" also, zu machen. Bereits ein Jahr nach seinem Regierungsantritt 936 stiftete der König 937 "in civitate", d.h. in der Burg und damit auf dem Gebiet des Domplatzes, das Kloster St. Mauritius, das 968 zum Sitz eines Erzbischofes erhoben wurde. Mit dem Bau des Domes, der 1207 niederbrannte und vom jetzigen Kathedralbau abgelöst wurde, hatte Otto I. schon vor der Gründung des Erzbistums begonnen.

Die Magdeburger Pfalz war der bevorzugte Aufenthaltsort des Herrschers. Möglicherweise diente Magdeburg Otto dem Großen und seiner ersten Gemahlin Editha nach ihrer Hochzeit 929 und bis zur Königskrönung Otto I. 936 als Wohnsitz. Allein bis zum Italienzug 961 weilte der Herrscher nachweislich neunzehnmal in Magdeburg und danach noch einmal im Sommer 965 sowie in seinem Todesjahr. Somit ist die Magdeburger Pfalz der am häufigsten belegte Aufenthaltsort Ottos des Großen.

Während seiner Regierungszeit setzte ausgehend von der Kaiserpfalz eine starke kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung ein, die über Jahrhunderte anhielt. Otto der Große schuf mit der Kaiserpfalz neben Aachen ein neues Machtzentrum. Mit der Pfalz verbinden sich Namen weltlicher Herrscher wie Kaiser Otto II., Otto III., Friedrich Barbarossa oder Kaiser Lothar.

Die archäologischen Grabungen auf dem Domplatz in den Jahren 1959-1968 erbrachten Befunde aus karolingischer und ottonischer Zeit mit den Resten eines bedeutenden Bauwerkes, das als ottonische Pfalz gedeutet wurde.

An diese Blütezeit, auch an die Wurzeln dieser Stadt zu erinnern, ist das Anliegen der Kennzeichnung der Kaiserpfalz. Bereits 1993 hatte die Stadt Magdeburg einen städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Domplatzes ausgelobt, der auch Vorschläge zur Visualisierung der Kaiserpfalz Ottos des Großen erbrachte. Im September 1993 widmete sich ein Workshop ausschließlich dem Thema Kaiserpfalz mit dem Ziel, Vorschläge für die Visualisierung des historischen Pfalzpalastes und die Gestaltung des Domplatzes als einer Stätte der Ottonenehrung zu erarbeiten. Die Teilnehmer des Workshops waren sich seinerzeit einig, dass die Visualisierung der in den 60er Jahren ergrabenen Teile der Kaiserpfalz durch Sichtbarmachung des Grundrisses im Boden des Domplatzes erfolgen sollte. 1996 stellten 12 Künstler in einem Gutachterverfahren ihre Entwürfe für die Gestaltung des südöstlichen Domplatzes vor. Die weiteren Planungen erfolgten in Anlehnung an den Entwurf von Heinrich Apel und Hans Schuster.

Die Kennzeichnung der Grabungsbefunde aus den Jahren 1959 bis 1968 wird mit aufgesetzten "Bänken" aus Naturstein und einer differenzierten Pflasterung vorgenommen. Ergänzt werden die Natursteinbänke durch 12 Bronzetafeln, die Auskunft geben zu Lebensstationen Kaiser Ottos des Großen sowie einer Marmortafel mit den Insignien des Herrscherpaares.

Die Maßnahme Freiraumgestaltung Kaiserpfalz ist Bestandteil der Sanierung und Neugestaltung des historischen Domplatzes. Zur Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von 1.034 TDM werden Mittel aus dem Förderprogramm zur Sanierung historischer Stadtkerne in Höhe von 690 TDM eingesetzt. Der Eigenanteil der Stadt beträgt 344 TDM.

Zur Neugestaltung des Domplatzes gehört darüber hinaus die Erneuerung der Straßen und Gehwege sowie des Platzes selbst. Bereits fertig gestellt sind Straße, Stellplätze und Gehwege auf der Südseite des Platzes. Dabei wurde auch der Sockel der Paradiespforte freigestellt, so dass die ursprünglichen Proportionen der Paradiespforte wieder erlebbar sind. Bis zur 1200-Jahr-Feier im Jahr 2005 werden auch die Straßen und Gehwege auf der Ost-, Nord- und Westseite erneuert sein. Die Betonplatten auf dem Platz werden durch Natursteinmaterialien ersetzt. Insgesamt werden in die Neugestaltung des Domplatzes (außer Kaiserpfalz) ca. 3,5 Millionen DM investiert. 80 Prozent der Kosten werden durch Fördermittel aus dem Förderprogramm zur Sanierung historischer Stadtkerne getragen, die restlichen 20 % übernimmt die Stadt.

Unter dem Motto "Gestalt durch Geschichte - Werden und Wandel am Domplatz" zeigt das Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Magdeburg darüber hinaus im Gebäude des Landtages von Sachsen-Anhalt vom 23. August 2001 bis zum 16. Januar 2002 eine Ausstellung über die Geschichte dieses wichtigsten historischen Platzes in Magdeburg.

Die Ausstellung spricht das Werden und den Wandel des Domplatzes vor dem Hintergrund der Geschichte bis in unsere heutige Zeit an. Im Vorfeld der 1200-Jahrfeier Magdeburgs sowie im Zusammenhang mit der Landes- und Europaratsausstellung "Otto der Große - Magdeburg und Europa" will diese Ausstellung ihre Besucher für die Entwicklung dieses historischen Standortes sensibilisieren.

Kurzinformationen aus der Geschichte zu den Entwicklungsepochen sollen dem Besucher helfen, sich in den jeweiligen Zeitgeist hineinzuversetzen.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: Der erste Ausstellungsteil vermittelt Eindrücke, wie die Gestaltung des Domplatzes durch die politisch-wirtschaftlichen Interessen der jeweiligen Regenten geprägt wurde. Im zweiten Ausstellungsteil sprechen heutige Bauten am Domplatz den Besucher als Zeugen der Geschichte an. Die Ausstellung informiert zugleich über die Forschungen der Archäologen auf dem Domplatz. Sie demonstriert hierzu auch Originalfunde aus den Grabungen auf dem Domplatz. Der Ausstellungsbesucher kann einerseits auf die Suche in die Vergangenheit gehen - andererseits erhält er einen Einblick in die nahe Zukunft der Bebauung des Domplatzes.


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