Am 11. September 2002 gibt Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper den Baustart zum Wiederaufbau der Sternbrücke. Von zahlreichen Diskussionen um eine originalgetreue Kopie begleitet, begannen Mitte der
1990-er Jahre die Planungen zum Wiederaufbau der 1945 gesprengten Stahlbogenkonstruktion. Insbesondere die zwei noch vorhandenen historischen Gewölbebögen auf der östlichen Seite, beide Widerlager der ursprünglichen Sternbrücke sowie die Natursteinverkleidungen werden saniert bzw. rekonstruiert und Teil der neuen Sternbrücke sein.
Das Bauvorhaben wird nun mit Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt und einer finanziellen Beteiligung des Bundes (Wasser- und Schiffahrtsamt) realisiert. Bis Ende 2004 soll die Brücke fertiggestellt sein und visuell der alten Sternbrücke entsprechen. Insbesondere der stadtbildprägende Fachwerkdoppelbogen wird wieder errichtet. Allerdings wird die Brücke einen Meter höher als das Original gebaut, was mit den heutigen Richtlinien der Schiffahrt zusammenhängt. Die Mehrkosten von 2, 5 Mio. Euro für die Aufbauten auf die Gewölbebögen trägt das Wasser- und Schiffahrtsamt als Behörde des Bundes.
Der Neubau der Strompfeiler erfolgt als Auflagerung für das neue Stahlbogenmittelteil. Der Neubau des westlichen Gewölbebogens und des östlichen ersten Gewölbebogens am Strompfeiler bilden dafür die Voraussetzung. Sollten die nach dem Hochwasser erneut vorzunehmenden Bauwerksprüfungen keine weiteren Schäden ergeben, kann die Sanierung und Erneuerung der gesamten Gründung der Bauwerkspfeiler im Original erfolgen.
Die alte Sternbrücke war 4-spurig ausgebaut. Die neue Sternbrücke soll ausschließlich durch den öffentlichen! Personennahverkehr, Fußgänger und Radfahrer sowie öffentliche Transportmittel genutzt werden. Der Individualverkehr sowie der Wirtschaftsverkehr (Anlieferung und Entsorgung) fahren weiterhin über die Strombrücke in den Stadtpark. Dies führte zur Planung einer 2-spurige Fahrbahn. Damit wird der Neubau auch schmaler sein als das Original.
Zur Brückenbaumaßnahme gehört ein Parkplatz für den Individualverkehr an der Elbebahnhofsbrücke. Drei Baulose sind für den Brückenbau vergeben worden.
"Ich denke, die neue Sternbrücke wird das Stadtbild im Süden der Altstadt
ganz wesentlich aufwerten. Die Elbe als Fluss muss erlebbar sein. Was liegt
näher als eine Brücke. Dabei muss nach den jüngsten Erfahrungen der
Hochwasserschutz natürlich unbedingt Beachtung finden. Die Sternbrücke ist
eines der wichtigen Verkehrsprojekte der Stadt im neuen Jahrzehnt und mit
Hinblick auf das Stadtjubiläum 2005 wird nicht nur ein architektonisches
Schmuckstück über die Elbe zurückkehren, sondern die Anbindung an den
Stadtpark den Wünschen der Magdeburger und ihrer Gäste nach einer
umweltverträglichen Eroberung der Natur Rechnung tragen." so
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper zum Baustart an der Sternbrücke.
Daten Sternbrücke
1. Chronologie des Wiederaufbaus
1997/8 europaweite Ausschreibung der Planung zur Wiedererrichtung
2000 Vergabe der Planung an Spezialbau Engineering Magdeburg unter Hinzuziehung weiterer Büros oder Labors aus der Region für spezielle Substanzuntersuchungen zur Wiederverwendung der noch vorhandenen Bausubstanz
2001 europaweite Ausschreibung der Bauleistungen als Originalrekonstruktion der Vorlandbrücken und visuelle Rekonstruktion entsprechend dem Stand der Technik des Stahlbogens in Schweißkonstruktion (gegenüber einer ursprünglichen Nietkonstruktion) mit angepasstem Querschnitt (
12/2001 Vergabe der Leistungen zum Baulos 2 - Stahlbau an Stahlturm u. Apparatebau Magdeburg und Bl 3 – Straßenbau an ARGE: Eurovia VBU, NL Testrabau Magdeburg; Teerbau Ingenieurbau GmbH Oebisfelde; Oevermann GmbH & Co. KG Münster
Juni 2002 Vergabe der Bauleistungen zum Bl 1 - Massivbau; erhebliche
Verzögerung der Vergabe und eines Baubeginns, da im Zuge der Vergabe der Bauleistung ein Vergabenachprüfungsverfahren eingeleitet wurde, welches aber auf Grund des Vergabegesetzes des Landes Sachsen Anhalt und seiner Rechtmäßigkeit bei europaweiten Ausschreibungen nicht abschließend durch das Oberlandesgericht entschieden werden konnte und der europäische Gerichtshof angerufen werden sollte. Durch Klagerücknahme des klagenden Bieters konnte die Stadt den Auftrag nunmehr an die ARGE: Eurovia VBU, NL Testrabau Magdeburg; Teerbau Ingenieurbau GmbH Oebisfelde; Oevermann GmbH & Co. KG Münster erteilen.
Die geplante Bauzeit verschiebt sich deshalb bis Ende 2004.
2. Technische Daten
Spannweite des Stahlbogens über der Elbe: 137 m
Gesamthöhe des Stabbogens 20 m
Höhe des Fachwerkdoppelbogens: max. 3,60 m im Stich
Breite der Stahlbrücke: 2 Fahrbahnen: 6,5 m breit;
2 Gehwege li./ re. je 2,5 m
Gesamtbreite: 15 m
Höhe über Bemessungswasserstand: 7 m
Spannweite westl. Gewölbebrücke: 28.5 m
Durchfahrtshöhe westl. Gewölbebrücke: 6,5 m im Scheitel
Spannweiten östl. Gewölbe: 29,4 m ; 25,5 m ; 21,7 m
Durchflusshöhe östl. Gewölbe: 7,0 / 5,9 / 5,7 m im Scheitel
Gesamtkosten in Euro:
geförderter Anteil (Gesamtkosten): 10.783.145,77 Euro
(21.090.000,00 DM)
davon:
Bundeswasserbehörde :(Wasser- und Schiffahrtsamt) 2.520.156,98 Euro
( 4.929.000,00 DM )
Land (IfG ) : 6.196.857,60 Euro
(12.120.000,00 DM )
Eigenanteil Stadt : 2.066.131,19 Euro
( 4.041.000,00 DM )
3. Historisches
1886 – 1899 erste Überlegungen zum Bau einer Elbquerung vom Zentrum
zur Berliner Chaussee (Südbrückenzug) Kostenschätzung 1,5
Mio. Reichsmark
1913 Beschluss des Magistrates zum Bau einer 4-spurigen Querung mit Straßenbahnverbindung (zunächst nur bis Rotehornpark) ca. 2,2 Mio. Reichsmark
1914-1922 Bau durch Grün & Bilfinger AG und (Dyckerhoff & Widmann AG zur Unterbausanierung Pfeiler)
14. Juni 1922 Eröffnung durch Reichsverkehrsminister Geheimer Oberbaurat
Marx, Oberpräsident Hörsing, Stadtbaurat Dr. Henneking und
Oberbürgermeister Beims
Damalige Länge 272 m mit Stahlbogen 130 m sowie 20m breite
Fahrbahn
Mit der Einweihung erhielt die Brücke in Anlehnung an die alten Festungsanlagen und das Kavalier Stern ihren Namen "Sternbrücke".
Als Besonderheit ist anzumerken, dass 1915 durch unterirdische Quellen (tiefliegendes hoch gespanntes Grundwasser ) sowie deren aggressive chemische Zusammensetzung, sich die bereits errichteten Strompfeiler extrem setzten und schief stellten. 1915 bis 1919 wurden vor Ort intensive Untersuchungen und Versuche mit speziellen Betonzusammensetzungen in einem errichteten Labor durchgeführt. 1919 begann der Abriss der flach gegründeten Pfeiler und ihr Wiederaufbau mit einer Spezial-Gründung. Offizielle Abrechnungssumme damals betrug 24.599.130,- Reichsmark ( Über diverse Geldwertungen und Inflation entspricht die Summe dem Wert von ca. 100 Mio. DM !)
Weitere Besonderheit: Stadtbaurat Bruno Taut ließ aus Kostengründen die Turmaufbauten an den Brückenpfeilern streichen. Aber den Werkbundarchitekten bewogen auch andere Gründe zu diesem Änderungsantrag an den Magistrat im Jahre 1921. Der Eifelturm stand nicht nur Pate für den Werkbund, sondern war Träger der Idee von der Ästhetik einfacher, technischer Konstruktionen aus Eisen und Stahl. Der Fachwerkdoppelbogen sollte ohne "Schnickschnack" seine baukünstlerische Wirkung entfalten. Der zweite Teil des Änderungsantrages von Bruno Taut sah die farbliche Gestaltung der Stahlkonstruktion in leuchtendem Rot vor. Dies allerdings wußten seine Gegner zu verhindern.
Im Zuge der Welttheaterausstellung 1927 im Rotehornpark und der Bebauung des Ausstellungsareals wurde dann das Konzept der direkten Querung zur Berliner Chaussee nicht mehr weiter verfolgt, da sonst der Erholungs- und Ausstellungspark zerschnitten worden wäre. Als "baulicher Rest" der damaligen Überlegung einer leistungsfähigen 4-spurigen Elbquerung (Stromelbe wie Alte Elbe) ist heute noch die Platzfreihaltung in der Büchner Str. mit dem Sportplatz und dem Garagenkomplex Struvestr. zu sehen, sowie der 4-spurige Teil der Friedrich-Ebert-Str. mit dem begrünten Mittelteil der fiktiven Straßenbahntrasse!
12. April 1945 gegen 11. 00 Uhr wurde der Stahlbogen durch die deutsche Wehrmacht gesprengt.