Magdeburg.
Magdeburgs ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Willi Polte soll mit dem Ehrenbürgerrecht der Landeshauptstadt ausgezeichnet werden. Ein entsprechender fraktionsübergreifender Antrag fand am vergangenen Donnerstag im Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit.
Der Antrag trägt die Unterschriften von SPD, CDU, FDP, FWG sowie Bündnis 90/Grüne/future. Die Antragsteller begründen ihren Vorschlag mit den "besonderen Verdiensten um die Landeshauptstadt Magdeburg", die Dr. Polte als Oberbürgermeister erworben hat.
"Über diese Ehre freue ich mich wirklich sehr", zeigte sich Magdeburgs Alt-OB überrascht, als sein Amtsnachfolger Dr. Lutz Trümper ihm die frohe Botschaft überbrachte. Die offizielle Ehrung wird Dr. Polte voraussichtlich in Januar kommenden Jahres, am Vorabend seines 65. Geburtstages entgegen nehmen.
Dr. Willi Polte – 1938 in Niegripp bei Magdeburg geboren und von Beruf Technologe – wurde im Mai 1990 mit großer Mehrheit erster demokratisch gewählter Oberbürgermeister Magdeburgs nach der Wende. 114 von 144 Abgeordneten der frisch gewählten Stadtverordnetenversammlung stimmten damals für den SPD-Politiker. Die deutsche Einheit war für Polte das "wertvollste Geschenk der Geschichte im 20sten Jahrhundert" – folgerichtig wurde er zum Wegbereiter der kommunalen Selbstverwaltung in Magdeburg und – als Präsident des Städte- und Gemeindebundes – auch in Sachsen-Anhalt. Dr. Polte nahm die Herausforderungen des demokratischen Neuanfangs an und nutzte die damit verbundenen Chancen konsequent. Beharrlich und mit "liebenswerter Sturheit" – wie ihm politische Wegbegleiter attestieren – trieb er die "infrastrukturelle Ertüchtigung der Stadt" - wie er den Wiederaufbau nach 40 Jahren Sozialismus bezeichnete - voran und verwirklichte seine Visionen: Die Ausrichtung einer Bundesgartenschau in Magdeburg und den Wiederaufbau der Johanniskirche.
Als Dr. Willi Polte im August 2001 feierlich aus dem Amt des Oberbürgermeisters verabschiedet wurde, würdigte sein Stellvertreter, Bürgermeister Bernhard Czogalla ihn als "besten Mann der Stunde Null". Und der Vorsitzende des Stadtrates, Gerhard Heinl überbrachte dem scheidenden Oberbürgermeister das Lob des gesamten Stadtrates: "Da hat einer mehr als seinen Dienst getan und sich ganz in den Dienst der Sache gestellt."
Dr. Polte ist heute Mitglied des Landtages von Sachsen-Anhalt, Vorsitzender des Innenausschusses und ehrenamtlicher Bürgermeister jener Gemeinde, in der er geboren und aufgewachsen ist: Niegripp vor den Toren Magdeburgs.