Magdeburg.
Dieser Tage begannen die ersten Kurse des Herbstsemesters der Magdeburger Volkshochschule. Der Behindertenbeauftragte der Stadt Hans-Peter Pischner möchte in diesem Zusammenhang auf besondere Angebote der Volkshochschule hinweisen, die sich speziell an Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen und entsprechend interessierte BürgerInnen richten.
Selbstverständlich stehen die Kursangebote der Volkshochschule allen BürgerInnen offen und werden von Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen und Bedürfnissen genutzt, darunter auch von vielen älteren und behinderten BürgerInnen.
Im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen, das wir 2003 auf Beschluss der Europäischen Union begehen, soll jedoch auf interessante Inhalte hingewiesen werden, die sich behinderungsspezifischer Themen annehmen.
Seit mehreren Jahren bietet die Volkshochschule mit guter Resonanz Kurse für Erwachsene mit einer geistigen Behinderung unter dem Titel "Lesen, Schreiben und Rechnen im Alltag" an. Betroffene haben hier die Möglichkeit, einmal erworbene Fähigkeiten in diesen wichtigen Kulturtechniken zu erhalten, zu üben und zu verbessern. Dieses Angebot war seinerzeit von der Lebenshilfe e.V., Stadtverband Magdeburg, initiiert worden. Bisher fanden bereits 48 derartige Kurse mit insgesamt 411 TeilnehmerInnen statt.
Für sehr interessant hält der Behindertenbeauftragte auch ein künstlerisches Angebot für diese Gruppe behinderter Menschen, das als "Theater an der Leiter" szenisches Gestalten für geistig behinderte Menschen vermittelt. Die TeilnehmerInnen können sich darstellerisch bewegen, sich auf der Bühne ausprobieren und ihre Fähigkeiten auch vor Publikum unter Beweis stellen. Das fördert vor allem die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstwertgefühl.
Im Oktober soll darüber hinaus ein Kurs zum "Einstieg in die deutsche Gebärdensprache" beginnen. Eine Einführungsveranstaltung findet dazu am 15. September, 18.45 Uhr, in der Leiterstr. 9 statt. Die deutsche Gebärdensprache wird seit Inkrafttreten des Sozialgesetzbuches IX und der Behindertengleichstellungsgesetze offiziell für die Kommunikation mit Sozialleistungsträgern und Behörden anerkannt.
Ein spezieller Vortrag befasst sich im Herbstsemester mit dem Thema "Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der allgemeinen Schule". Im Mittelpunkt steht hier der gemeinsame Unterricht mit lern- und sprachbehinderten oder verhaltensauffälligen Kindern in Regelschulen.
Mit dem Vortrag "Was tun, wenn ein Kind stottert" sollen vor allem Eltern und Großeltern angesprochen werden, deren Kinder und Enkel Sprachstörungen haben (etwa 5% aller Kinder). Die Familien sind damit häufig überfordert, wenn sie allein gelassen werden.
Aus Sicht des Behindertenbeauftragten muss auch auf die Alphabetisierungskurse der VHS hingewiesen werden, die sich an Erwachsene richten, die - aus welchen Gründen auch
immer - nicht oder nichtausreichend Lesen und Schreiben gelernt haben. Das betrifft immerhin 1-3 % der erwachsenen Bevölkerung. Seit 1993 fanden 43 derartige Kurse mit 344 TeilnehmerInnen statt
Erwachsene Behinderte und Menschen mit Lese-Schreib-Defiziten können sich auch an das "Schreiben am Computer" heranwagen und lernen, den PC als Hilfs- und Arbeitsmittel zu nutzen.
Einen Wermutstropfen will der Behindertenbeauftragte allerdings auch nicht verschweigen: Die Volkshochschule ist bisher nur sehr eingeschränkt barrierefrei zugänglich. Derzeit ist nur das Erdgeschoss über eine provisorische Rampe erreichbar, auch fehlt ein Behinderten-WC. So sind Computerkurse und bestimmte Angebote des künstlerischen Gestaltens für RollstuhlfahrerInnen und stark Gehbehinderte nicht zugänglich, ein Problem, das mittelfristig unbedingt gelöst werden muss, so Pischner.
Nähere Informationen:
Hans-Peter Pischner, Behindertenbeauftragter, Tel 0391/5402342
Angela Gorr, Leiterin d. Volkshochschule, Tel 0391/5414663