"Die Tatsache, dass der Anteil der Senioren an der Bevölkerung wächst, stellt auch die Kommunen vor ganz neue Herausforderungen", erklärte Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper heute zur Eröffnung der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft "Seniorenbüros e.V." in Magdeburg. "Wir stellen uns dem mit einer Sozialplanung, die alle Generationen berücksichtigt."
Ein Seniorenbüro gibt es in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts bisher nicht. Magdeburg hat statt dessen eigenständige Strukturen entwickelt, die auf die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit den Pflegediensten, den städtischen Senioren- und Pflegeheimen, den freien Trägern der Altenhilfe sowie auf die umfangreiche Beteiligung durch die Senioren selbst setzen.
"Wir haben in Magdeburg einen anderen Ansatz in der Sozialplanung, der weiter entwickelt und sich in Richtung integrativer Ansatz ausgestalten soll: Sozialplanung als integrativer Bestandteil von Stadtplanung. Ziel ist eine Stadt für alle Generationen", beschreibt OB Dr. Trümper die Magdeburger Idee.
Im Zentrum der städtischen Seniorenarbeit stehen fünf Alten- und Service-Zentren in den Stadtgebieten, die Teil der fünf Sozialzentren sind. Sie beraten zu Pflege, Wohnen im Alter und zu den Aufgaben des Sozialgesetzbuches. Die Personal- und Sachkosten der Alten- und Service-Zentren werden zu 100% von der Stadt getragen. Darüber hinaus gibt es 12 offene Treffs für Senioren in freier Trägerschaft, die ebenfalls durch die Stadt gefördert werden. Im vergangenen Jahr stellte die Stadt für die Alten- und Service-Zentren sowie die offenen Treffs knapp 650.000 Euro zur Verfügung.
Im Jahr 2015 werden 30% der Magdeburger älter als 60 Jahre sein. "Auf diese Situation müssen wir uns langfristig vorbereiten", so OB Dr. Trümper. Eine Grundlage dafür ist der Pflegestrukturplan, der ständig fortgeschrieben wird in enger Zusammenarbeit mit den Pflegeanbietern, Pflegekassen und Betroffenen. Der Pflegestrukturplan vereint ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote zur Altenpflege.
In Magdeburg gibt es aktuell neun Einrichtungen für "Betreutes Wohnen" in privater, freier oder kommunaler Trägerschaft mit rund 8.000 Wohnungen. Darüber hinaus stehen 1.500 Plätze in Pflegeheimen und rund 30 Plätze für die Kurzzeitpflege zur Verfügung.
Senioren wollen mitreden
"Aktiv im Ruhestand" - unter diesem Motto bringen sich Magdeburgs Senioren seit Jahren in die Entwicklung des Gemeinwesens ein und gestalten nicht nur die eigene Freizeit, sondern auch die eigene Stadt. Seniorenvertretung und Seniorenbeauftragter sind die Gremien, die die Interessen der älteren Magdeburger gegenüber Politik und Verwaltung vertreten.
Sie koordinieren auch die ehrenamtliche Arbeit und besondere Projekte, wie den gerade gestarteten "Hausbesuchsdienst". Das ist kein Ersatz für Pflegedienstleistungen, sondern die individuelle Hilfe bei Besorgungen und gegen Einsamkeit. Die Städtische Volkshochschule hat dazu ein Seminar für Seniorenbegleiter angeboten, das bereits ausgebucht ist. Der Hausbesuchsdienst kümmert sich v.a. um jene Senioren, die ihre Wohnung nicht mehr allein verlassen können. Die Begleiter sind Gesprächspartner, lesen die Zeitung vor, machen kleine Spaziergänge oder Ausflüge. "Die Stadt unterstützt das Projekt fachlich, weil die Seniorenbegleiter Vereinsamung im Alter verhindern können", begrüßt OB Dr. Trümper die Initiative der Seniorenvertretung.
Auch der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen der Hochschule Magdeburg-Stendal hat das Thema inzwischen aufgegriffen. "Die Hochschule hat uns bereits in der Vergangenheit mit Forschungsprojekten zur Integration von Jugendlichen oder Migranten unterstützt", so OB Dr. Trümper. "Es gibt bereits eine gute Zusammenarbeit der Hochschule mit dem städtischen Jugendamt. Ich bin sicher, dass sozialwissenschaftliche Untersuchungen zu einer alternden Gesellschaft manchen Vorschlag bringen, wie wir den damit verbundenen Herausforderungen gerecht werden können."