Mit einem gemeinsamen ersten Spatenstich der Landeshauptstadt Magdeburg und der Magdeburger Verkehrsbetriebe begannen heute die Bauarbeiten an Magdeburgs größtem innerstädtischen Verkehrsplatz. Neben Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und dem technischen Geschäftsführer der MVB Klaus Regener führte auch der Minister für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Karl-Heinz Daehre den Spaten.
Mit dem Bau des 350 Meter langen Straßentunnels unter dem Universitätsplatz der Landeshauptstadt Magdeburg wird die grundlegende Voraussetzung für die Umgestaltung der größten Magdeburger Verkehrsplatzanlage in der Innenstadt geschaffen.
"Mit dem Campus der Universität auf der nordöstlichen und dem Kulturdreieck mit Theater, Bibliothek und Konservatorium auf der südwestlichen Seite hat der Platz bedeutende Anlieger, die städtebaulich attraktiv und kulturell sowie wirtschaftlich relevant für die Stadt sind", unterstreicht OB Dr. Trümper die Bedeutung des Platzes. "Mit dem Bau des Tunnels wird zukünftig die Hälfte des Verkehrs unter dem Platz hindurch geführt. Damit eröffnen sich neue Gestaltungsmöglichkeiten, die vor allem Campus und Stadt räumlich annähern sollen und den Platz städtebaulich aufwerten", so der Oberbürgermeister zu einem wichtigen Anliegen der Baumaßnahme.
Die jetzige Platzgestaltung am nördlichen Innenstadteingang wird den Anliegern und der städtebaulichen Qualität nicht gerecht. Das Tunnelbauwerk am Magdeburger Universitätsplatz soll die Verkehrsbelastungen im nördlichen Zentrum der Landeshauptstadt spürbar verringern und die Voraussetzungen für die Neugestaltung des Platzes schaffen.
Nach Abschluss der Baumaßnahme wird der Fahrzeugverkehr auf der B1 in West-Ost- und in Ost-West-Richtung unterirdisch durch einen rund 350 Meter langen Tunnel geführt werden. Die lichte Durchfahrtshöhe des Tunnels liegt bei 4,70 m, die lichte Weite bei 9,50 m. Neben den beiden Fahrbahnen von 3,50 m wird der Tunnel auch zwei Notgehbahnen von jeweils einem Meter erhalten.
Der Tunnel wird als massive Rahmenkonstruktion mit geschlossener Decke sowie mit einer luft- und lichtdurchlässigen Lärmschutzdecke ausgebildet.
Die Kosten für den Bau des Tunnels betragen rund 13,3 Mio. Euro. Zuzüglich der Kosten für die städtebauliche Neugestaltung des Platzes sind rund 14,5 Mio. Euro veranschlagt. 11,9 Mio. Euro davon kommen aus Fördertöpfen u.a. aus dem Europäischen Förderprogramm zur Aufwertung der Infrastruktur in Großstädten EFRE. Das Land Sachsen-Anhalt fördert die Infrastrukturmaßnahme mit 8,9 Mio. Euro. Die Landeshauptstadt ist mit einem Eigenanteil von rund 4,05 Mio. Euro an dem Projekt beteiligt.
Die gesamte Baumaßnahme erfolgt in drei Bauabschnitten. Zunächst werden die Arbeiten auf der Westseite der Walter-Rathenau-Straße ausgeführt. Der zweite Bauabschnitt liegt auf der Ostseite der W.-Rathenau-Straße. Mit dem Bau des Tunnels erfolgt auch die Verlegung der Straßenbahngleise in die Listemannstraße, so dass künftig keine Straßenbahnen mehr direkt über den Universitätsplatz fahren. Nach dem Abschluss des Tunnelbaus werden die Bau- und Landschaftsarbeiten zur Umgestaltung des Universitätsplatzes beginnen.
Mit einer großzügigen Freiraumgestaltung wird die städtebauliche Bedeutung des Platzes in seiner Gesamtheit deutlicher hervorgehoben. Ziele der Maßnahme sind, die Leistungsfähigkeit für den Durchgangsverkehr in Ost-West-Richtung zu erhöhen sowie die Rad- und Gehwegführungen sicherer und optimaler zu gestalten. In Folge des Tunnelbaus verkleinert sich der Kreisverkehrsplatz und ermöglicht eine wesentlich bessere städtebauliche Aufwertung. Geplant sind die Pflanzung von Bäumen, vor allem auf dem Theatervorplatz, die Errichtung einer Theatervorfahrt sowie die Anbindung der einmündenden Verkehrswege Erzberger Straße und Gareisstraße.
Die Neugestaltung des Universitätsplatzes setzt den Schlußpunkt unter die städtebauliche Aufwertung des Nordabschnittes des Breiten Weges. Der neue Universitätsplatz wird zur weiteren Erhöhung der Attraktivität der nördlichen
Innenstadt beitragen.
1998 fasste der Stadtrat den Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Universitätsplatzes und dem Bau des Straßentunnels. Am 19. Januar 2004 beginnen die Bauarbeiten am Universitätsplatz. Verkehrsbehinderungen und Umleitungen werden das Bauvorhaben begleiten. Dafür bat Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper beim ersten Spatenstich die Anlieger des Platzes, die Magdeburger und die Gäste der Landeshauptstadt ganz besonders im Jubiläumsjahr 2005 um Verständnis.
Voraussichtlich am 30. November 2005 soll der Universitätsplatz sein neues Gewand haben. Im Jubiläumsjahr der Stadt 2005 soll der Verkehr durch den Tunnel rollen.
Hintergrund-Informationen
Die Prognosebelastungen 2015 werden zu den Hauptverkehrszeiten je Stunde und Richtung etwa wie folgt erwartet:
W.-Rathenau-Straße West 1.750 Fahrzeuge (IST 1.450 KFZ) + 300
W.-Rathenau-Straße Ost 1.900 KFZ (IST 1.300 KFZ) + 600
Erzberger Straße 850 KFZ (IST 900 KFZ) - 50
Lüneburger Straße 650 KFZ (IST 500 KFZ) + 150
Summe 5.150 KFZ (IST 4.150 KFZ) + 1.000
Vom prognostizierten Verkehr der W.-Rathenau-Straße befahren etwa 1.200 KFZ je Stunde und Richtung den Universitätsplatz in der Verkehrsrichtung Ost-West und West-Ost. Dieser Verkehrsanteil wird durch den Tunnel geführt und entlastet damit den verbleibenden Kreisverkehrsplatz um etwa 50 % des Gesamtverkehrs.
BAUTECHNISCHE ANGABEN
Ingenieurbauwerk
Länge 350 m
Lichte Durchfahrtshöhe 4,70 m
Lichte Weite 9,50 m
Regelquerschnitt Notgehbahn 2 x 1,00 m
Fahrbahn 2 x 3,50 m
Sicherheitsraum 0,50 m
Bauwerksbeschreibung:
Im Überführungsbereich kreuzender Verkehrswege wird der Tunnel als massive Rahmenkonstruktion mit geschlossener Decke ausgebildet. Zwischen diesen Abschnitten erfolgt die Ausbildung als Trog mit luft- und lichtdurchlässiger Lärmschutzdecke. Die Wände an den Zufahrtsrampen werden als massive Winkelstützwände mit einer schallabsorbierenden Verblendung errichtet.
Universitätsplatz
Verkleinerung des Ovals, Verringerung der Anzahl der Fahrspuren im Oval
Fahrspur im Oval 2 x 3,75 m
Westseite und Ostseite Lieferspur je 3,00 m
Fahrspur W.-Rathenau-Straße 2 x 5,50 m
Beschlussfolge des Stadtrates
- Mit Beschluss-Nr. 1216-59(II)97 vom 07.05.1997 wurde die Variante "Straßenbahnverlegung in die Listemannstraße" beschlossen . Die Umsetzung dieser Drucksache bildet die Grundvoraussetzung für die nachhaltige Umgestaltung des Universitätsplatzes
- Nach umfangreicher Auswertung der Knotenpunktberechnungen wurde im Stadtrat am 04.06.1998 mit Nr. 1688-83(II)98 der Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Universitätsplatzes gefasst. Danach hat die mögliche zukünftige Umgestaltung entsprechend der Variante 2 als verkürzter oberirdischer Kreis mit Tunnel zu erfolgen.
- Grundsatzbeschluss wurde nach erfolgter Analyse sowie Nachweisführung der Verkehrssituation nach Fertigstellung der A14 und des Europaringes mit der DS 0526/00 , Beschluss - Nr. 815-20(III)00 vom Stadtrat bestätigt.