Magdeburg.
Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper hat heute gemeinsam mit Stadträten, Mitarbeitern der Stadt, Vertretern des öffentlichen Lebens und Magdeburgern an der Gedenkstätte für die Opfer des Luftangriffs vom 16. Januar 1945 der Zerstörung Magdeburgs vor 59 Jahren gedacht. Nach einem Schweigemarsch wurden an der Gedenkstätte Kränze niedergelegt.
Zum Gedenken an die Opfer des Luftangriffs sprach der Oberbürgermeister ein Totengedenken.
Anlage:
Rede des Oberbürgermeisters
Dr. Lutz Trümper
Totengedenken zum 16. Januar 2004, 59. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs
Es gilt das gesprochene Wort!
Liebe Magdeburgerinnen und Magdeburger,
der 16. Januar ist ein Datum in unserer Stadtgeschichte, das die Bürgerinnen und Bürger Magdeburgs alle Jahre vereint und etwas näher zusammenrücken läßt. Generationen tauschen ihre Erfahrungen über die Zeiten aus, die sie erlebt haben. Seit 59 Jahren ist Frieden in Deutschland, auch wenn das Land, vier Jahrzehnte geteilt, in einem kalten Krieg stand.
Diesen Frieden wünschen wir uns alle Jahre am 16. Januar ganz besonders für unsere Stadt.
In nur einer einzigen Nacht verloren die Menschen in Magdeburg Leben, Hab und Gut und ihre vertraute Heimat mit dem weithin bekannten Stadtbild. Bis heute sind die persönlichen Erinnerungen, Dokumente und Bilder dieser Schreckensnacht erhalten.
In einem Augenzeugenbericht lesen wir: "Den 16. Januar 1945 werde ich nie vergessen. Er brannte nicht nur große Teile meiner Heimatstadt nieder, er brannte sich auch in mein Gedächtnis ein."
Wie können wir erreichen, dass dieses Gedächtnis wach bleibt, dass Gedenken nicht nur Akte politischer Demonstrationen sind, dass die nachgeborenen Generationen dieses Gedächtnis bewahren, sich interessieren, Fragen stellen und Antworten suchen? HANS SCHOLL, Mitglied der Widerstandsgruppe "Die weiße Rose" und junger Mensch am Beginn seiner Zukunft sagte damals: "Nicht: Es muss etwas geschehen, sondern: Ich muss etwas tun."
Es ist an uns allen, die Erinnerungen und die Überlieferung an die junge Generation weiterzugeben, um das Nachdenken zu befördern.
1943 begann der Bombenkrieg gegen deutsche Städte durch die britische und die amerikanische Luftwaffe. Der Krieg kehrte an seinen Ausgangsort zurück.
Die Ursachen für den Untergang vieler Städte lagen tiefer in der Geschichte.
Bei allen Schwierigkeiten der Betrachtung ist heute nicht nur durch Historiker geklärt, dass auch dieser Luftkrieg gegen deutsche Städte ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war.
Das ist nicht nur wichtig in Bezug auf die generelle Haltung zu Kriegen, die heute auf dem Erdball stattfinden. Es ist vor allem ein Bekenntnis dazu, dass sich Krieg als Mittel zur Konfliktlösung nicht rechtfertigen läßt.
Jeder Krieg bringt Leid und Zerstörung. Jeder Krieg ist ein Verlust an Kultur. Die Magdeburger haben es in der langen Geschichte ihrer Stadt erfahren. Deshalb haben gerade wir eine Verpflichtung, das Gedächtnis zu bewahren. Der Rückblick auf das vergangene Jahrhundert erinnert uns auch daran, wie gefährdet unsere Städte sind, wie sensibel das Gemeinwesen ist, das unser Zusammenleben trägt.
Wir gedenken am 16. Januar den tausenden Toten in unserer Stadt, den Opfern des 2. Weltkrieges und den bis heute von Krieg und Vertreibung bedrohten und betroffenen Völkern. Wir erinnern an den Verlust kultureller Werte.
Wir wollen aber auch mahnen zu Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit für eine friedliche Welt. Ich danke allen, die sich dem Schweigemarsch am heutigen 16. Januar angeschlossen haben und damit als Teil der Bürgerschaft dieser Stadt zur lebendigen Erinnerung beitragen.