Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 10. Mai 2004

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper begrüßt Magdeburger Rechtshistorikerin für eine bedeutende Forschungsaufgabe

Magdeburger Forschungsstelle zum Magdeburger Recht eingerichtet

Magdeburg. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Das Magdeburger Recht als Wirtschaftsfaktor in Ostmitteleuropa" nahm am 1. April 2004 die Rechtshistorikerin Marion Perrin ihre Tätigkeit in Magdeburg auf.

Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper empfing heute die Magdeburger Wissenschaftlerin und Assessorin an ihrer Wirkungsstätte.

Seit dem 1. April 2004 wird in der Landeshauptstadt zur Verbreitung und Funktion des Magdeburger Stadtrechts in Osteuropa während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit geforscht. "Diese Forschungsstelle gibt Aufschluss über den Umgang mit Geschichte in dieser Stadt und trägt nicht zuletzt zur Außenwirksamkeit Magdeburgs bei", so Dr. Trümper zum Forschungsvorhaben bei der symbolischen Übergabe der Vokation an die Wissenschaftlerin.

Vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert erhielten Wissenschaftler und Lehrer zu Beginn ihrer Tätigkeit von der jeweiligen Regierung eine Vokation.

Diesem Brauch folgte nun auch der Magdeburger Oberbürgermeister.

Das Forschungsprojekt zum Magdeburger Recht wurde von dem Eike-von-Repgow-Preisträger Dr. iur. Heiner Lück, Professor für Bürgerliches Recht, Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Präsidiumsmitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, initiiert. Die Umsetzung war nur möglich durch die Kooperation zwischen dem Land Sachsen-Anhalt, den beiden Universitäten des Landes und der Landeshauptstadt Magdeburg. Die für drei Jahre eingerichtete Arbeitsstelle ist dem Stadtarchiv zugeordnet, das der Wissenschaftlerin einen Büroraum mit PC, Internet- und Telefonanschluss in der Julius-Bremer-Str. 8-10 sowie Arbeitsmittel zur Verfügung stellt.

Gegenstand der Untersuchung ist die nähere Bestimmung der Rolle des Magdeburger Stadtrechts als Wirtschaftsfaktor in den Städten Ostmitteleuropas während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit.

Zur Magdeburger Stadtrechtsfamilie gehörten weit über tausend Städte.

"Zur Zeit des Beitritts zur EU mehrerer osteuropäischer Länder, deren Rechtsentwicklung erheblich von Sachsenspiegel und Magdeburger Recht beeinflußt war und kurz vor dem 1200-jährigen Stadtjubiläum ist die Ansiedlung einer Forschungsstelle zum Magdeburger Recht in der Landeshauptstadt Magdeburg ein Bekenntnis zur weiteren, nunmehr gemeinsamen wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses spannenden Themas unserer Stadtgeschichte", verwies der Oberbürgermeister auf den besonderen historischen Zeitpunkt zum Forschungsstart.

Im Zentrum der wissenschaftlichen Bemühungen stehen Studien zur Verbreitung des Magdeburger Stadtrechts in einem europäischen Maßstab sowie zur Funktion jener Rechtsfiguren, welche insbesondere wirtschaftlich relevant waren u.a. Zunft, Kaufleute, Handelsverträge, Gerichtsbarkeit über Handelssachen, Maß und Gewicht. Diese Aufgaben sind nur in enger Kooperation mit osteuropäischen WissenschaftlerInnen zu lösen. Diese unverzichtbare Kooperation wird durch die Anbindung der Forschungsstelle an das Akademievorhaben "Das sächsisch-magdeburgische Recht als kulturelles Bindeglied zwischen den Rechtsordnungen Ost- und Mitteleuropas" bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gewährleistet.

Das von unseren osteuropäischen Nachbarn wahrgenommene Signal ist eindeutig: In der einstigen Metropole der Magdeburger Stadtrechtsfamilie greift man die großartige rechtsgeschichtliche Zusammengehörigkeit für eine gemeinsame Zukunft in Europa auf.

Die Bedeutung des Magdeburger Rechts für die Geschichte des mittel- und osteuropäischen Raumes ist unbestritten. Sein hoher Entwicklungsstand führte dazu, dass einzelne Privilegien für Magdeburger Kaufleute schon im 10. und 11. Jahrhundert als Vorbild für andere Orte im mitteldeutschen Raum dienten.

Das 1188 neu gestaltete Magdeburger Recht, das im Wesentlichen ein Kaufmannsrecht war, breitete sich immer weiter aus - besonders im Raum zwischen Elbe und Oder, darüber hinaus in Schlesien, Preußen, Pommern, Polen, Böhmen, Litauen und in der Ukraine, also auch in Gebieten der heutigen EU-Erweiterung. Über mehrere Jahrhunderte bestimmte es die Rechtsprechung und gab wichtige Impulse für das wirtschaftlich-kulturelle Leben.




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Stadt Magdeburg
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