Die letzte Pionierin nimmt in Norden Abschied
Sie zählt zu den letzten aktiven Pionierinnen des Frauenstabhochsprungs. Christine Adams, die große Blonde aus Westfalen, fing damit an Stabhoch zu springen, als die Disziplin noch lange nicht olympisch war.
An diesem Wochenende beendet die „alte Dame“ der deutschen Stabhochsprung-Szene in Norden/Ostfriesland ihre Karriere als Springerin.
In diesem Jahr wurde sie 30 Jahre alt, aber das ist nicht der Grund, weshalb sie nun, nach dem 4. „norder bandstahl“-Springen am 4. Juli, die Spikes an den Nagel hängen und die Stäbe in die Ecke stellen will. Denn Adams hat sich immer wohl gefühlt zwischen ihren jüngeren Konkurrentinnen. Nach einer verkorksten Saison 2003 wollte sie es eigentlich noch einmal wissen, die Qualifikation für die Olympischen Spielen in Athen in Angriff nehmen. Dazu wechselte sie von Bundestrainer Herbert Czingon zum jungen Erfolgscoach Jörn Elberding und vom TSV Bayer Leverkusen zu Bayer Dormagen.
Adams sagt: „Ich habe im Winter und bis jetzt gut trainiert, ich habe meinen Trainingsplan voll erfüllt und bin trotzdem nicht richtig fit geworden.“
Dann kamen Achillessehnenprobleme dazu und gleichzeitig hatte sie immer mehr Erfolge als Trainerin, mit ihren jugendlichen Springern und Springerinnen, die sie selbst trainiert.
Christine Adams hat eine neue Passion gefunden. Sie möchte Trainerin sein - nur noch Trainerin - und eine Gruppe um sich aufbauen, die sich irgendwann mit der Weltelite messen kann.
Sie hat sich entschieden aufzuhören, noch vor den Deutschen Meisterschaften, die die letzte Qualifikationsmöglichkeit für Olympia bedeuten würden und Christine Adams ist glücklich mit dieser Entscheidung. Dass sie ihren großen Traum, die Teilnahme bei Olympia, nicht erreicht hat, kann sie mittlerweile verschmerzen.
Sie hat ein neues Ziel: Nämlich junge Athleten dort hin zu bringen, wo sie nicht hingekommen ist.
Seit zwei Jahren trainierte sie außerdem einmal in der Woche mit den Volleyballerinnen von Bayer Leverkusen, die in diesem Jahr deutsche Vizemeisterinnen wurden, ein spezielles Fußstabilisationsprogramm.
Christine Adams ist eine Sportbesessene, sie konnte Diskuswerfern und Stabhochspringen und irgendwann musste sie sich für eins von beiden entscheiden.
Es war die Welt- und Europameisterin Franka Dietzsch, die sich die damals 20 Jahre junge Christine Adams zur Brust nahm und ihr erklärte: „Mädchen, wenn du im
Diskus was werden willst, musst du erst mal zehn Kilo zunehmen.“ Zwanzigjährige Mädels finden so einen Rat nicht richtig klasse und deshalb entschied Christine Adams sich für das, was ohnehin mehr Spaß machte: leicht bleiben und stabhochspringen. Das war 1994.
Damals war Stabhochsprung eigentlich noch etwas für Männer. Die ersten Weltmeisterschaftsmedaillen gab es für die Frauen erst 1999, bei der WM in Sevilla. Zwei Jahre vorher hatten die Frauen zum ersten Mal bei Hallenweltmeisterschaften teilnehmen können.
In der Halle erlebte Christine Adams meist ihre Sternstunden.
1996 gewann sie Silber bei der Halleneuropameisterschaft, vier Jahre später gewann sie wieder Silber bei einer Hallen-EM.
Und im Februar 2002 hatte Adams ihre Sternstunde, als sie 4,66 Metern sprang und ihrer Konkurrentin und guten Freundin Yvonne Buschbaum den deutschen Rekord wegschnappte.
Dass sie sich ausgerechnet das „norder bandstahl“-Springen ausgesucht hat, um ihren Abschied zu feiern, kommt nicht von ungefähr. Vor vier Jahren war sie diejenige, die das Springen in Norden mit ins Leben rief und mit organisierte.
In diesem Jahr wird die komplette deutsche Elite am Start sein um die letzte Chance vor den nationalen Titelkämpfen zu nutzen um sich für Athen zu empfehlen. Und natürlich, um eine beliebte Konkurrentin gebührend zu verabschieden. Darüber hinaus gehört für Christine das Springen in Norden, nicht zuletzt wegen des begeisternden Publikums, zu einem der schönsten Springen in Deutschland.
Die anderen Springerinnen werden sich zum Abschied sicher etwas einfallen lassen und Christine Adams will sich bei ihrem letzten Start als Athletin noch einmal richtig feiern lassen.
Es wird sicher kein endgültiger Abschied, denn in Zukunft wird man Christine Adams in Norden sicher am Rand stehen sehen, von wo aus sie ihre Athletinnen betreuen wird.
Eine ihrer Schützlinge bringt sie schon in diesem Jahr nach Norden mit: Die 16 Jahre alte Kim Kühnert, Vierte der U18-Weltmeisterschaft und Schwester von Juniorenweltmeisterin Floé Kühnert.