Wenn morgen mehr als 34.000 Magdeburger Schüler mit dem letzten Klingelzeichen in die Sommerferien starten, übernehmen an vielen Schulen die Handwerker das Regime. "Traditionell nutzen wir die Sommerferien, um notwendige Instandsetzungen und Reparaturen in den Schulgebäuden und Sporthallen zu erledigen." Trotz schwieriger Finanzlage der Stadt will OB Dr. Lutz Trümper den Sanierungsstau an Magdeburgs Schulen in den nächsten Jahren abtragen. "Dafür suchen wir derzeit nach privaten Partnern."
Rund 189 Mio. Euro hat Magdeburg seit 1992 in die Sanierung und den Neubau kommunaler Schulen investiert. Weitere 160 Mio. Euro müsste die Stadt aufwenden, um alle verbleibenden Schulgebäude zu modernisieren - baulich und bei der Ausstattung.
Mit dem mittelfristigen Schulentwicklungsplan, den der Stadtrat im Februar beschlossen hat, steht fest, welche Schulen langfristig Bestand haben und welche Gebäude weiterhin genutzt werden sollen. "Damit steht auch fest, welche Häuser in den nächsten Jahren saniert und modernisiert werden müssen", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. "Langfristig nicht mehr benötigte Schulen werden wir zunächst als Übergangsquartiere nutzen, um Baufreiheit für die Handwerker zu schaffen. Danach werden sie abgerissen, anderweitig genutzt oder verkauft." Trotz schwieriger Haushaltslage hält Magdeburgs Oberbürgermeister an seinem Ziel, allen Schülern und Lehrern auf absehbare Zeit akzeptable Lernbedingungen zu schaffen, fest. "In Schulen, die nicht mehr benötigt werden, fließt deshalb kein Geld für Investitionen. Dort werden nur noch unverzichtbare Reparaturen durchgeführt."
10,571 Mio. Euro investiert Magdeburg 2004 in die Modernisierung kommunaler Schulen. Schwerpunkt ist dabei die Berufsbildende Schule "Otto Schlein" in Westerhüsen, die komplett saniert und erweitert wird. Elf Schulstandorte weist die städtische Prioritätenliste für Investitionen in diesem Jahr aus, darunter die Grundschule Annastraße (Sanierung der Sporthalle), vier Sekundarschulen, drei Berufsbildende Schulen und drei Sonderschulen. 9,8 Mio. Euro fließen in Baumaßnahmen, weitere 767.100 Euro in die Einrichtung neuer Fachkabinette, wovon ebenfalls elf Schulen profitieren.
Darüber hinaus nutzt die Stadt Möglichkeiten der Arbeitsförderung, um Schulsanierungen zu forcieren.
Infrastrukturmaßnahmen mit der Agentur für Arbeit
"Über diese Beschäftigungsschaffenden Infrastrukturmaßnahmen (BSI) haben einheimische Handwerksunternehmen Aufträge erhalten und dabei wurden gleichzeitig für 141 Langzeitarbeitslose befristete Arbeitsplätze geschaffen", erläutert der Chef der Magdeburger Arbeitsagentur, Wolfgang Meyer, die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt. Bis Jahresende 2004 - dann läuft das Programm aus - fließen so zusätzliche 10,9 Mio. Euro in die Sanierung von Schulen. Entsprechend dem zwischen der Stadt Magdeburg und der Agentur für Arbeit geschlossenen Rahmenvertrag wird die Gesamtmaßnahme mit 1,9 Mio. Euro durch die Agentur für Arbeit gefördert.
Die Instandsetzungen und Sanierungen betreffen folgende vier Schwerpunkte:
- Instandsetzung von Räumen
Neben Maler- und Fußbodenarbeiten sind auch Erneuerungen der Elektroinstallation und der Beleuchtung in Unterrichtsräumen und Internatswohnungen in 38 Gebäuden erfolgt. Die Arbeiten fanden 2002 und 2003 statt.
Instandgesetzt wurden 221 Unterrichtsräume
36 Internatswohnungen
22 Treppenhäuser
18 Flure
1 Turnhalle
Insgesamt 2.854.677,- Euro standen dafür aus dem Sonderprogramm zur Verfügung.
- Instandsetzung von Dächern
Nachdem die Instandsetzung von Dächern schon in der ersten Hälfte der 90er Jahren ein Schwerpunkt der Baumaßnahmen an Schulen war, bot das Sonderprogramm die Möglichkeit, weitere 18 Dächer (16 Flachdächer, 2 Steildächer) instand zu setzen. Sie gehören zu elf Schulgebäuden, fünf Sporthallen, einem Hortgebäude und einer Aula. Erneuert wurden in den Jahren 2002/2003 mit Hilfe des Sonderprogrammes ca. 23.550 m² Dachfläche. Die Kosten betragen 2.434.174,- Euro.
3. Gestaltung von Freiflächen
Diese Maßnahme ist an den folgenden fünf Standorten in den Jahren 2003/2004 durchgeführt worden:
- IGS W. Brandt
- Sekundarschule O. Linke/ GS Schmeilstraße
- Sekundarschule Th. Müntzer
- Comenius Sonderschule/ GS Neustädter Feld
- Sekundarschule J.W. v. Goethe/ GS Amsdorfer Straße
Es wurden 5 Pausenhöfe, 5 Kleinfeldsportflächen und 4 Spielflächen (einschließlich Gebäudeabdichtungsarbeiten, Erneuerung von Ver- und Entsorgungsleitungen sowie Maßnahmen zur Regenwasserversickerung) erneuert (Gesamtfläche: 60.148 m²). 3.161.598,- Euro wurden dafür aus dem Sonderprogramm aufgewandt.
4. Instandsetzung von Sanitärräumen
Aktuell werden an folgenden neun Standorten (5 Schulgebäude, 4 Sporthallen) die Sanitäranlagen erneuert:
- GS Friedenshöhe
- GS Am Glacis
- Salzmannschule
- Makarenkoschule
- Sporthalle der Sekundarschule "Wilhelm Busch"
- Sporthalle der IGS "Regine Hildebrandt"
- Sporthalle der IGS "Willy Brandt"
- Sporthalle Sekundarschule "Ernst Reuter"
Es werden insgesamt in 186 Räumen die WC-, Wasch-, Dusch- und Umkleideräume sowie die Lüftungsanlagen in den Sporthallen erneuert. Dafür fließen aus dem Programm 2.194.599,- Euro.
Ganztagsschulprogramm des Bundes
Noch in diesem Jahr beginnen an insgesamt fünf Magdeburger Schulen (davon drei in Trägerschaft der Stadt) Modernisierungsarbeiten. Im Rahmen des Sonderprogramms des Bundes Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" 2003 bis 2007 (IZBB) werden sie als Ganztagsschule ausgebaut. "Die Stadt hatte Ende vergangenen Jahres für zwölf Schulen die Förderung durch das IZBB-Programm beantragt", erklärt OB Dr. Lutz Trümper die Vorgeschichte. "Dass nicht alle vorgeschlagenen Schulen berücksichtigt werden können, war klar. Wir freuen uns, dass drei städtische Schulen von dem Programm profitieren, zumal der Eigenanteil der Stadt mit 10 % der Kosten sehr niedrig ist."
Mit der jetzt vorliegenden Förderzusage des Landes sind folgende Summen avisiert:
- für die GS "Lindenhof": 2.497,500 Euro
- für die Sekundarschule "Wilhelm Weitling": 2.169,000 Euro
- für die Sekundarschule "Thomas Müntzer": 2.057.000 Euro.
Als vierte geförderte Schule könnte das Sportgymnasium hinzukommen, das zum 1. August 2005 aus Trägerschaft des Landes in kommunale Trägerschaft übertragen werden soll - der Stadtrat befasst sich in den nächsten Wochen mit dem Thema. Für das Sportgymnasium und die Sportsekundarschule fließen aus dem IZBB-Programm jeweils ca. 2 Mio. Euro. Gefördert werden außerdem drei Schulen in freier Trägerschaft: die Freie Waldorfschule, die Freie Schule und die Evangelische Grundschule.
Durch das Förderprogramm des Bundes werden an den Schulen die baulichen und sächlichen Voraussetzung für eine Profilierung als Ganztagsschule geschaffen. Durch das IZBB-Programm steigt die Zahl der Ganztagsschulen in Magdeburg von aktuell acht auf dann zwölf.
Public Private Partnership
Angesichts der schwierigen Haushaltssituation sucht Magdeburg nach alternativen Wegen, um den Sanierungsstau - der für die langfristig im Bestand verbleibenden Gebäude bei rund 160 Mio. Euro liegt - abzutragen. "Vor wenigen Tagen haben wir in verschiedenen Medien Anzeigen veröffentlicht, um einen Partner für ein PPP-Projekt zu finden", zeigt Magdeburgs Oberbürgermeister einen Weg, die Sanierung der Schulen zu beschleunigen. "Public Private Partnerships sind im Schulbau in Deutschland bisher selten. Magdeburg betritt hier Neuland."
Mit dem Abschluss eines Beratervertrages hofft die Stadt, einen Partner aus der privaten Wirtschaft zu finden, der die nötigen Investitionen in die Schulen vornimmt. Das Sanierungspaket umfasst 20 Schulen mit einem Sanierungsbedarf von 50 Mio. Euro. Das entspricht fast einem Drittel des Sanierungsbedarfs.
"Natürlich sind wir uns darüber im Klaren, dass PPP kein Allheilmittel in Zeiten knapper Kassen und nicht frei von Risiken ist", erklärt Dr. Rüdiger Koch, der als Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport die Vorbereitung von Verträgen federführend verantwortet. "Die finanzielle Situation der Stadt zwingt uns, auch solche Optionen auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen. Denn auch die Qualität der Schulen gehört zu den Standortfaktoren. Da gibt es insbesondere bei Gebäudesubstanz und Ausstattung noch viel Handlungsbedarf." Für Magdeburgs Verwaltungsspitze hat deshalb die Schaffung akzeptabler Lern- und Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer in den nächsten Jahren oberste Priorität. "Da stehe ich bei den Magdeburgern im Wort!" weiß Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper.
Instandsetzungsprogramm
Rund 878.000 Euro fließen in diesem Jahr in die Instandhaltung von Schulen. Fast drei Viertel davon (614.100 Euro) werden in den Sommerferien verbaut. Insgesamt 41 Einzelmaßnahmen umfasst die Liste des Kommunalen Gebäudemanagements, das u.a. die Schulen in städtischer Trägerschaft bewirtschaftet. Schwerpunkte sind die Erneuerung von Fenstern und Türen, Fußbodenarbeiten in Klassenräumen und Sporthallen sowie die Renovierung von Klassenräumen.
Die Schüler der Grundschule Annastraße sollen sich nach den Ferien über ein renoviertes Treppenhaus (35.000 Euro) freuen, in der Grundschule Am Glacis werden die Fenster instand gesetzt (25.00 Euro). An der IGS "Willy Brandt" wird das Dachgesims saniert (105.000 Euro), in der Sporthalle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums werden die Sanitäranlagen saniert (50.000 Euro). Gleich mehrere Gewerke werden in der Cracauer Thomas-Mann-Schule aktiv: Dort werden die Fenster samt Sonnenschutz und die Eingangstür erneuert, die Fassade des Grundschulgebäudes neu verputzt, der Boden der Sporthalle geschliffen und neu versiegelt (insgesamt 88.000 Euro). An anderen Schulen werden Unterrichtsräume renoviert und der Brandschutz verbessert. Insgesamt finden an 28 Schulen und dem Wohnheim in der Albert-Vater-Straße größere oder kleinere Instandsetzungen statt.
Hintergrund
Durchschnittlich 15,7 Mio. Euro investiert die Landeshauptstadt Magdeburg seit 1990 jährlich in die Instandsetzung und Modernisierung von Schulgebäuden. Schwerpunkte waren dabei die Modernisierung der Heizungsanlagen, die Instandsetzung von Fenstern und Türen, der Einbau von Feuerschutztüren und von zusätzlichen Fluchtwegen, die Erneuerung der Sanitäranlagen und die Gestaltung der Pausenhöfe. Allein für Maßnahmen des Brandschutzes in den Schulen wurden bereits ca. 21,3 Mio. Euro aufgewendet.
Zu den wichtigsten Bauvorhaben nach 1990 gehörten
- Der Neubau des Albert-Einstein-Gymnasiums in Neu-Olvenstedt
(ca. 20,2 Mio. Euro)
- Der Neubau der Grundschule Am Grenzweg in Neu-Olvenstedt
(ca. 8,2 Mio. Euro)
- Die komplexe Rekonstruktion des Hegel-Gymnasiums
(ca. 23,1 Mio. Euro, Fördermittel ca. 5,5 Mio. Euro)
- Die Sanierung der Berufsbildenden Schulen III und IV
(ca. 24,1 Mio. Euro, Fördermittel 17 Mio. Euro)
- Die Sanierung der IGS "Willy Brandt" im Westring
(ca. 6,0 Mio. Euro)
- Die Sanierung der Sekundarschule "G. W. Leibniz" in der Hegelstraße
(ca. 5,0 Mio. Euro)
- Die Sanierung und Erweiterung der Grundschule in Ottersleben
(ca. 5,9 Mio. Euro)
Aktuelle Vorhaben sind die Generalsanierung der Berufsbildenden Schule VII in der Salzmannstraße (Gesamtumfang: ca. 5,8 Mio. Euro), die Generalsanierung und Erweiterung der BbS VIII in Westerhüsen (Gesamtmaßnahme ca. 23,0 Mio. Euro) sowie zahlreiche Dach- und Sanitärinstandsetzungen. Insgesamt sind bislang rund 50 Mio. Euro in die Sanierung und Modernisierung der Berufsbildenden Schulen geflossen. Mit Abschluss der Bauarbeiten in der BbS VII und der BbS VIII sind alle Berufsschulen, die langfristig Bestand haben, auf dem modernsten Stand.
Unabhängig von Investitionen in die Bausubstanz bzw. Ausstattung der Schulen muss die Stadt jährlich im Schnitt 17 Mio. Euro für die Unterhaltung der Schulen aufbringen. Diese Mittel aus dem Verwaltungshaushalt fließen in die Bauunterhaltung (kleinere Reparaturen, Wartung der technischen Anlagen, Beseitigung von Havarieschäden etc.), für Energie und Wasser, in die Reinigung und Ausstattung mit Mobiliar und Lehrmitteln sowie als städtische Zuschüsse zur Schülerbeförderung.