Magdeburg.
Die Radtour "Europe4Family", die unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments steht, wird voraussichtlich zweihundert europäische Jugendliche zusammenführen. Auf vier Routen von Rumänien, Litauen, Irland und Portugal aus wollen die Teilnehmer der "Sternfahrt" bis zum 9. September Brüssel erreichen. Heute kommen die Teilnehmer nach Magdeburg, wo sie um 18 Uhr auf dem Alten Markt vor dem Neuen Rathaus von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und Staatssekretär Dr. Hans-Joachim Gottschalk begrüßt werden.
Dabei werden die Politiker ein Banner mit dem Motto "Family matters" (weil Familie zählt) unterschreiben, das die Teilnehmer der Sternfahrt zusammen mit einer Charta den europäischen Institutionen in Brüssel überreichen werden. In der
Charta heißt es, die Familie sei "eine Schule tiefer Menschlichkeit", die "die Gesellschaft erhält". Darum müsse die Politik ein "familienfreundliches Klima" schaffen. Nach der Begrüßung in Magdeburg lädt der Malteser Hilfsdienst die Teilnehmer zu einer Stadtbesichtigung mit dem Rad ein.
Nach Magdeburg machen die familienbegeisterten Jugendlichen Halt in Braunschweig (31.8.), Hannover (1.9.), Minden (2.9.), Gütersloh (3.9.), Münster (4.9.), Bochum (5.9), Köln (6.9), Aachen (7.9.) bevor Brüssel am 9. September erreicht werden soll.
Organisiert wird die 8.747 Kilometer lange Sternfahrt vom europäischen Zweig der World Youth Alliance (WYA), einer Nichtregierungsorganisation von Jugendlichen, die jüngst mit dem ECOSOC-Status der UN ausgezeichnet wurde. Die weltweit tätige NGO mit über 1,5 Millionen Mitgliedern bewirbt sich mit dieser Radtour unter anderem für einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde. Der umfangreichste Beitrag zum 10. Jubiläum des internationalen Jahres der Familie "Europe4Family" startete am 30. Juli in Cabo da Roca in Portugal. Er will sich auf neue Ideen für ein familienfreundliches Europa in einer rapide alternden Gesellschaft konzentrieren.
"Wir wollen nicht nur ein umweltfreundliches, sondern auch ein familienfreundliches Europa", sagt Gudrun Kugler-Lang, Direktorin der World Youth Alliance Europa. "Wenn es nicht bald umfassende Änderungen auf diesem Gebiet gibt, wird unsere Generation mehr als nur wirtschaftlichen Problemen gegenüberstehen. Es gibt mittlerweile kein einziges Land in Europa, in dem die Menschen genug Kinder haben, um die Bevölkerungszahlen stabil zu halten. Italien ist seit kurzem die erste Nation, in der es mehr Menschen über 60 als unter 20 gibt. Deutschland, Griechenland und Spanien werden dieses Jahr dieselbe Marke überschreiten." Die World Youth Alliance formuliert Ideen zur Stärkung der Familien, wo sie durch wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Druck bedroht ist.
Politik muss auf ihre Familienverträglichkeit hin überprüft werden, fordert die Organisation. Dazu gehören nach ihrer Ansicht familienfreundliche Unternehmen und Steuersysteme, die den Wert von Kindern schätzen und die Verantwortungsbereitschaft der im Haushalt tätigen Eltern anerkennen.
Die europaweite Radtour, die von Politikern wie der deutschen Familienministerin Renate Schmidt, dem britischen Premierminister Tony Blair sowie den EU-Kommissaren Viviane Reding und Ján Figel unterstützt wird, dauert insgesamt sechs Wochen und bietet 50 Veranstaltungen auf den Routen an. Eine gemeinsame Charta wird Politikern vor Ort ausgehändigt und am 10. September den europäischen Institutionen in Brüssel überreicht werden.
"Aus der Perspektive kommunaler Politik heißt kinderfreundlich zu sein vor allem, die Lebenswelten der Kinder zu berücksichtigen, Kinder und Jugendliche zu den sie betreffenden Angelegenheiten anzuhören, sie in Planungen einzubeziehen und ihre Vorstellungen und Bedürfnisse in Vorhaben einfließen zu lassen", erklärt dazu Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper.
Bereits 1995 bekannte sich der Magdeburger Stadtrat zum Leitsatz "Landeshauptstadt Magdeburg - eine kinderfreundliche Stadt" und zur Umsetzung einer Kinderfreundlichkeitsprüfung. Dazu wurde 1996 ein Aufgabenkatalog als Arbeitsgrundlage für die Ämter der Verwaltung formuliert. Ein erster Schritt hin zu mehr Kinderfreundlichkeit war im Oktober 1995 die Einstellung einer hauptamtlichen Kinderbeauftragten innerhalb der Stadtverwaltung. Drei Jahre später initiierten Jugendamt und Kinderbeauftragte das Projekt "Spielen in Magdeburg" und riefen die Kinder der Stadt auf, ihre Ideen zur Gestaltung der Spielplätze und Freiflächen auf´s Papier zu bringen. Rund 1.500 Kinder beteiligten sich an dem Malwettbewerb.
"Seitdem fließen die Ideen der Kinder regelmäßig in die Neugestaltung und Sanierung unserer kommunalen Spielplätze ein", so das Stadtoberhaupt. Auf diese Weise wurden in den zurück liegenden Jahren u.a. die Spielplätze am Neuber in Diesdorf, in der St-Josef-Straße in Neu-Olvenstedt, im Neuen Sülzeweg, im Langen Weg und auf dem Pechauer Platz, in der Telemann-Straße und der Victor-Jara-Straße neu gestaltet. Für das BUGA-Spielhaus - ein Gemeinschaftsprojekt von Stadtverwaltung und Fachhochschule - entwickelten Kinder aus Cracauer Schulen in Zukunftswerkstätten Ideen.
"Die Sensibilität für die Bedürfnisse der Kinder hat in der Verwaltung deutlich zugenommen", schätzt OB Dr. Lutz Trümper ein. "Dies ist sicher ein Ergebnis der vor zwei Jahren überarbeiteten Dienstanweisung zur Kinderfreundlichkeitsprüfung, die für alle kommunalen Entscheidungsprozesse die Prüfung der Kinderfreundlichkeit auf der Basis eines einheitlichen Fragenkataloges verbindlich vorschreibt."
Für die Landeshauptstadt Magdeburg hat Kinder- und Familienfreundlichkeit oberste Priorität. "Die Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität Magdeburgs wird auch dadurch bestimmt, ob es uns gelingt, den Einwohnerrückgang zu stoppen. Deshalb muss die Stadt vor allem für junge Menschen attraktiver werden", nennt OB Dr. Trümper ein wichtiges Ziel von Kommunalpolitik. Dazu gehört die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen ebenso wie die Sanierung und Modernisierung von Kindertageseinrichtungen und Schulen.
"Wichtig ist uns, dass die Kinder und Jugendlichen selbst die Möglichkeit haben, ihre Wünsche und Ideen einzubringen und so früh lernen, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen und das Gemeinwesen zu stärken." Wichtiger Partner der Kommunalpolitiker ist deshalb das Jugendforum, das in diesem Jahr aus der losen Folge von "Jugend im Stadtrat" entstand. Gelegenheit zum Mittun gibt es auch in den 17 Arbeitsgemeinschaften "Sozialwesenarbeit", die sich vor Ort um die Probleme in den Stadtteilen kümmern und das Zusammenleben der Bewohner z.B. durch Stadtteilfeste oder Informationsveranstaltungen fördern.
Weitere Informationen:
World Youth Alliance - Deutsche Pressestelle
Jeppe Rasmussen, An der Hermannsleite 17, D- 85072 Eichstätt
Tel.: 08421/90 08 97; Handy: 0162/860 99 58
Internet: www.europe4family.net