Der jährlich von der Landeshauptstadt Magdeburg und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gemeinsam vergebene Eike-von-Repgow-Preis geht in diesem Jahr an Frau Prof. Dr. Danuta Janicka, Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für die Geschichte des deutschen Rechts in Polen an der Fakultät für Rechtswissenschaften der Nikolaus-Kopernikus-Universität, Torun (Thorn). Damit erhält erstmals eine Wissenschaftlerin aus Osteuropa den renommierten Forschungspreis.
Im Rahmen eines akademischen Festaktes am 22. November 2004, um 17.00 Uhr, in der Johanniskirche werden Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und der Rektor der Universität Prof. Dr. Klaus-Erich Pollmann die Preisträgerin auszeichnen. Damit konnte der Preis erstmals über Deutschland hinaus, nach Osteuropa geöffnet werden.
Frau Prof. Dr. Danuta Janicka hat mit ihrer Lehr- und Publikationstätigkeit am Institut für Geschichte des deutschen Rechts sowohl an der Nikolaus-Kopernikus-Universität Torun als auch auf zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen in Deutschland Herausragendes bei der Erforschung der Beziehungen zwischen der deutschen und polnischen Rechtskultur geleistet. Ihre Arbeiten zum Kulmer und Thorner Recht dokumentieren eindrücklich die kulturhistorische Brücke zwischen zwei bedeutenden Tochterstädten und der Mutterstadt der großen Magdeburger Rechtsfamilie.
Zu den wissenschaftlichen Forschungsarbeiten der Preisträgerin gehören die Geschichte des Kulmer Rechts als besondere lokale Ausprägung des Magdeburger Rechts, die Geschichte des Rechts- und Verwaltungswesens in Königlich Preußen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert sowie die Rechtsgeschichte Preußens und der preußischen Territorien.
Rund 1000 ost- und südosteuropäische Städte erhielten einst das Magdeburger Stadtrecht.
Der Titel des Festvortrages der Preisträgerin lautet: " Polnische Forschungen zum Magdeburger Recht (1945-2004)".
Für die Laudatio konnte der international renommierte Gelehrte und Rechtshistoriker Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Michael Stolleis vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main gewonnen werden. Prof. Stolleis, selbst mit vielen Wissenschaftspreisen geehrt und Ehrendoktor mehrere Universitäten, lehrt am Fachbereich Rechtswissenschaften an der Universität Frankfurt/Main.
Die Landeshauptstadt erwartet zur Preisverleihung den Kulturattaché der Botschaft der Republik Polen in Deutschland, Botschaftsrat Dr. Jan Rydel. Das Land Sachsen-Anhalt wird durch den Minister der Justiz, Curt Becker, vertreten sein.
Im Vertrag über die Verleihung des Eike-von-Repgow-Preises heißt es u. a.:
"Die Vertragspartner wollen mit diesem Preis die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte und Kultur Mitteldeutschlands und des Gebiets der mittleren Elbe fördern sowie in Eike von Repgow eine bedeutende Persönlichkeit würdigen, die auf dem Boden Sachsen-Anhalts gewirkt hat. Zugleich soll der Preis an die Verbindung dieses Raums mit anderen Teilen Europas erinnern."
"Der Preisträger soll sich entweder in seinem wissenschaftlichen oder literarischen Werk insbesondere mit der historischen Region Sachsen als Thema der Geschichte, der Rechtsgeschichte, der Germanistik oder der Sozialwissenschaften in herausragender Weise beschäftigt haben oder durch besondere wissenschaftsorientierte Leistungen zur Erforschung der historischen Region Sachsen ausgewiesen sein. Untersuchungsergebnisse über die Wirkung der historischen Region Sachsen auf den west- und osteuropäischen Raum sind erwünscht."
Der Preis besteht aus einer Bronzestatuette des Magdeburger Bildhauers Heinrich Apel, die Eike von Repgow darstellt, einer Ehrenurkunde und einer Dotation in Höhe von 2.500,00 EUR.
Der Eike-von-Repgow-Preis ging bisher an
- den Leipziger Slawisten Prof. Dr. Dr. h. c. Ernst Eichler,
den Halleschen Neuzeithistoriker Prof. Dr. Günter Mühlpfordt,
die Germanistin, Kultur- und Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. h. c. Ruth Schmidt-Wiegand aus Marburg,
den Juristen und Wissenschaftler Prof. Jürgen Goydke aus Karlsruhe,
den Rechtshistoriker Prof. Dr. Heiner Lück aus Halle sowie
den Ordinarius für Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte Prof. Dr. Friedrich Ebel aus Berlin
Anlagen: Vita der Preisträgerin
Ein Foto des Preisträgers stellen wir Ihnen auf Wunsch elektronisch zur Verfügung. Anfragen dazu bitte an die Pressestelle der Landeshauptstadt Magdeburg telefonisch oder unter
presse@magdeburg.de
LEBENSLAUF Danuta Janicka
Persönliche Daten
Geburtsdatum: 02.07.1960.
Geburtstort: Chelmza bei Torun
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
Staatsangehörigkeit: polnisch
Schulbildung
1967 - 1975 Grundschule in Torun (Thorn)
1975 - 1979 Oberschule in Torun, spezialisierte Klasse mit erweitertem Deutschunterricht; Abschluss: Abitur (1979)
Hochschulausbildung
1979 -1984 - Studium der Rechtswissenschaften an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Nikolaus - Kopernikus - Universität, Torun
Abschluss: Diplom des Magisters iuris (1984)
Weiterbildung
1985 - wissenschaftliche, ergänzende Studien (1 Semester) an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Adam Mickiewicz Universität, Poznan (Posen)
1988 - wissenschaftliche, ergänzende Studien (1 Semester) im Staatsarchiv in Torun
1990 - Dissertation im Bereich der Rechtswissenschaften an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Nikolaus - Kopernikus - Universität, Torun
1998 - Habilitation im Bereich der Europäischen Staats- und Rechtsgeschichte an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Nikolaus - Kopernikus - Universität, Torun
Berufliche Tätigkeiten
1984-1987 - Assistentin im Lehrstuhl für die Geschichte des Deutschen Rechts in Polen an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Nikolaus - Kopernikus - Universität, Torun
1987-1991 - Oberassistentin im selben Lehrstuhl
1991-2001 - Adjunktin im selben Lehrstuhl
1999-2002 - Prodekanin für Studentenangelegenheiten an der Fakultät für Rechtswissenschaften, Nikolaus - Kopernikus - Universität, Torun
Ab 2001 - außerordentliche Univ. - Professorin
Ab 2004 - Leiterin des Lehrstuhls für die Geschichte des Deutschen Rechts in Polen an der Fakultät für Rechtswissenschaften an der Nikolaus - Kopernikus - Universität, Torun
Wissenschaftliche Tätigkeit - Schwerpunkte
europäische Rechts-, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte mit Schwerpunkt Deutschland, im besonderen: