Magdeburg.
1. Mai 2005
Gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Bauminister Dr. Karl-Heinz Daehre hat Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper heute die wieder aufgebaute Sternbrücke offiziell frei gegeben. 60 Jahre nach der Zerstörung des Bauwerkes prägt die Brücke wieder das Stadtbild Magdeburgs. Für die Bürger hat dieses geschichtsträchtige Bauwerk eine besondere Bedeutung, ist doch ein altes Stück Magdeburg nach historischem Vorbild wieder aufgebaut worden.
"Die Sternbrücke ist in das Stadtbild zurückgekehrt:
- weil viele Magdeburg sie zurückhaben wollten,
- weil es viele Förder und Mitfinanzierer gab,
- weil wir ein verloren gegangenes Stück Elbufer in die Stadtlandschaft zurück holen wollten,
- weil wir die Elbe enger mit dem städtischen Leben verbinden müssen,
- weil wir Touristen auf dem östlichen Elberadweg an das westliche Elbufer locken möchten,
- weil trotz aller Unbilden der Natur Niemand in diesem Projekt aufgegeben hat, weil diese Brücke ein Herzstück des alten Magdeburgs ist,
- weil eine Stadt am Fluß Brücken braucht und
- weil sie einfach zum Magdeburger Stadtbild dazugehört",
so Oberbürgermeister Lutz Trümper zur Einweihung der Sternbrücke.
Das imposante Bauwerk über die Stromelbe mit 137 Metern Stützweite und 242 Metern Gesamtlänge wurde innerhalb von fünf Jahren errichtet und kostete rund 18,7 Mio. Euro. 2,07 Mio. Euro trug die Landeshauptstadt Magdeburg an den Kosten. 6,2 Mio. Euro kamen aus Fördermitteln. Mit 2,5 Mio. Euro beteiligte sich das Wasser- und Schifffahrtsamt über eine Kreuzungsvereinbarung am Sternbrückenbau und rund 8 Mio. Euro wurden aus Hochwasserzuwendungen verbaut, nach dem das Jahrhunderthochwasser im August 2003 die historischen Widerlager beschädigt hatte.
Der abgeschlossene Wiederaufbau ist ein wichtiges Ereignis im Jubiläumsjahr Magdeburg 12hundert, denn für die Bürger der Stadt geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Viele Magdeburger haben die Montagearbeiten intensiv verfolgt, den Ingenieuren und Brückenbauern die Daumen gedrückt und den Tag der Fertigstellung herbeigesehnt. Die Rückkehr der Sternbrücke ist für sie ein bewegender Moment.
Das Bauwerk ist aber auch ein weiterer Schritt bei der Integration der Elbe in das städtische Leben und eine neue Verbindung zwischen dem südlichen Stadtzentrum und dem Stadtpark Rotehorn. Ob mit dem Boot darunter oder zu Fuß darüber - die Sternbrücke ist ein architektonisches Erlebnis.
Hintergrund-Informationen
Chronologie Wiederaufbau:
seit 1991 Entwicklung erster Ideen zum Wiederaufbau der Sternbrücke,
Sept. 2000 wurden die Magdeburger in der Volksstimme aufgefordert, ihr Votum zum Wiederaufbau der Sternbrücke abzugeben.
92% aller Anrufer stimmten damals für den Wiederaufbau der Original-Sternbrücke. Die Volksstimme schrieb: "Alle Elbestädter sehnen den Tag herbei, an denen sie ihre Sternbrücke zurück bekommen."
- Vergabe der Planung an Spezialbau Engineering Magdeburg unter Hinzuziehung weiterer Büros oder Labors aus der Region für spezielle Substanzuntersuchungen zur Wiederverwendung der noch vorhandenen Bausubstanz
Im Zuge der Planungen zeigte sich, dass nicht nur ein neuer Stand der Technik im Brückenbau sowie den planerischen Randbedingungen zur Querschnittsanforderung der neuen Brücke zu berücksichtigen waren, sondern auch im Bereich der Schifffahrt auf der Elbe geänderte Randbedingungen gegenüber der ursprünglichen Geometrie der Brücke zu integrieren waren. Hierbei ergab sich eine Höherlegung der Brücke.
Durch die zusätzlichen Lasten der Höherlegung der Fahrbahn auf den zu erhaltenen Vorlandbrücken ergaben sich weitere Schwierigkeiten in der vorhandenen und eigentlich zu erhaltenen Gründung. Für diese zusätzlichen Leistungen der Gründungsverstärkung beteiligt sich die Schifffahrtsverwaltung an den höheren Kosten mittels einer Kreuzungsvereinbarung
- Europaweite Ausschreibung der Bauleistungen als Originalrekonstruktion der
Vorlandbrücken und visuelle Rekonstruktion entsprechend dem Stand der Technik des Stahlbogens in Schweißkonstruktion
- Vergabe der Bauleistungen
- Das Jahrhunderthochwasser erreicht Magdeburg und zieht die geplanten wiederverwendungsfähigen Bögen in Mitleidenschaft
- Feierlicher Baubeginn: Startschuss zur Wiedererrichtung
- Beginn des Einschwimmens des Stahlüberbaus
1. Mai 2005 Sternbrückenfest zur Einweihung der neuen Sternbrücke
Technische Daten:
Stützweite: 137 m
Gesamthöhe: 20 m
Höhe des Fachwerkdoppelbogens: max. 3,60 m im Stich
Breite der Stahlbrücke: 2 Fahrbahnen: 6, 50 m breit;
Abstand zwischen den Hauptträgern: 8, 28 m
Abstand der Querträger: 4, 80 m
Geh- und Radwegbreite: 2x 2,50 m
Gesamtbreite: 15, 25 m
Gesamtbreite zwischen Brüstung: 20,0 m
Gesamtgewicht: ca.: 900 to
Historische Daten
1886 - 1899 Erste Überlegungen zum Bau einer Elbquerung
1912 - 1914 Erstellung und Diskussion des Planungskonzeptes, Ausschreibung, Auftragserteilung
Mai 1914 Baubeginn der alten Sternbrücke
1915 - 1919 Feststellung von Rissen an den Uferpfeilern, Aufforderung an die Baufirma zur Unterbreitung von Sanierungsvorschlägen, Klage gegen die Baufirma,
Erstellung von Gutachten und Lösungsvorschlägen, neue Ausschreibung und erneute Vergabe an die gleiche Baufirma
1921 Der berühmteste Stadtbaurat Magdeburgs, Bruno Taut, übernahm 1921 selbst den Abschluss der Bauarbeiten.
14. Juni 1922 Einweihung des Brückenzuges durch den damaligen
Reichsverkehrsminister Geheimer Oberbaurat Marx, Oberpräsident Hörsing, Stadtbaurat Dr. Henneking und Oberbürgermeister Hermann Beims.
Mit der Einweihung erhielt die Brücke in Anlehnung an die alte Festungsanlage und das Kavalier Stern ihren Namen "Sternbrücke".
12. April 1945 Sprengung des Stahlüberbaus der Sternbrücke durch Offiziere der deutschen Wehrmacht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges