Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 20. Oktober 2005

"Forschungsergebnisse sind Kompass für integrierte Sozialplanung!"

Beate Broecker zum Bericht zur sozialen Lage in Magdeburg

Magdeburg.

"Magdeburg - sozial" heißt der Band, den das Dezernat für Soziales, Jugend und Gesundheit jetzt herausgegeben hat. Darin sind die Ergebnisse eines Forschungsprojektes dokumentiert und Schlussfolgerungen für die städtische Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung abgeleitet. Derzeit wird der Bericht in den Ausschüssen diskutiert, am 3. November steht er auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung.

"Mit dem Sozialbericht liegt uns eine aktuelle Zustandsbeschreibung der sozialen Lage der Magdeburger Bevölkerung vor", fasst die zuständige Beigeordnete Beate Broecker den Wert der Forschungsergebnisse zusammen. "Er bildet damit die Grundlage für ein integriertes Berichtswesen zur Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung in der Landeshauptstadt Magdeburg, das die komplexen Probleme des demografischen Wandels berücksichtigt. Gleichzeitig ermöglicht er vielfältige Schlussfolgerungen für sozialpolitisches Handeln auf kommunaler Ebene."

Der Bericht entstand durch die städtische Stabsstelle für Jugendhilfe-, Sozial- und Gesundheitsplanung des Sozialdezernates in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizin-Soziologie am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Eingebunden in das Forschungsprojekt "Gesundheit als integrierendes Leitziel in der Konzeption und Erprobung eines regionalen Berichtssystems nachhaltiger Entwicklung ist der vorgelegte Bericht ein Teilprojekt des Forschungsprogrammes "Problemorientierte regionale Berichterstattungssysteme" und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Forschungsgegenstand war die Erarbeitung und Erprobung von Indikatoren zur Abbildung sozialer Entwicklungen. Zehn ostdeutsche Städte, darunter Magdeburg, beteiligten sich an dem Forschungsprojekt. "Einbezogen wurden Daten aus den Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Gesundheit, Bildung, Soziales, Mitbestimmung, Ökonomie und Umwelt. Für Magdeburg wurde insbesondere die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Bezug zu ihrer sozialen Situation analysiert", fasst Dr. Gottschalk, Leiter der städtischen Stabsstelle, zusammen.

Ergebnisse für Magdeburg

Die Analyse gesundheitsbezogener Daten brachte u.a. folgende Ergebnisse:

  • Kinder erkranken eher selten, es ist ein Rückgang bei Infektions- und Mangelkrankheiten sowie akut behandlungsbedingten Störungen zu verzeichnen; zugenommen haben dagegen chronische Erkrankungen und Behinderungen (u.a. Allergien, psychische Störungen)
  • Schwerbehinderungen sind zurückgegangen
  • Der Anteil stationärer Pflege ist in Magdeburg höher als im Landesdurchschnitt
  • das Sterbealter ist angestiegen
  • die Zahl der Haushalte mit Kindern hat um 22% abgenommen

  • die Zahl sozial benachteiligter Menschen; insbesondere Kinder wächst
  • die Probleme im Bereich Jugendhilfe nehmen zu.

 

Konsequenzen aus dem demografischen Wandel

In Magdeburg - hier bestätigt die Studie Ergebnisse anderer Szenarien - werden die Bevölkerungszahlen noch mindestens zwei Dekaden sinken. Bei steigendem Durchschnittsalter der Bevölkerung sinkt die (relative und absolute) Zahl der Menschen im Erwerbsalter. Gleichzeitig setzt sich die regionale Umverteilung der Menschen fort, eventuell steigt die Zahl der Zuwanderer.

Die Arbeitslosigkeit bleibt die zentrale Ursache für die Entstehung sozialer Problemlagen. Gleichzeitig werden durch die demografische Entwicklung Fragestellungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der beruflichen Bindung junger Menschen an ihre Heimatstadt und die Veränderung der Arbeits- und Lebensbedingungen älterer Menschen neue Anforderungen im sozialen Bereich kennzeichnen.

"Es reicht nicht, auf Entwicklungen zu reagieren", bringt Magdeburgs Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit die neue Dimension der Aufgabe auf den Punkt. "Wir müssen schon jetzt die Weichen stellen, z.B. durch die Umgestaltung von Einrichtungen, Diensten und Angeboten sozialer Arbeit, um soziale Konflikte und die Ausgrenzung ganzer sozialer Gruppen zu vermeiden und die Generationengerechtigkeit zu sichern. Ein Beispiel auf diesem Weg ist die Etablierung der Alten- und Service-Zentren in Magdeburg.

Auch die Instrumente der Arbeitsförderung müssen konsequenter stadteilbezogen und unter demographischen Optionen entwickelt werden. Hier sind viele kleine soziale Projekte denkbar, die nachbarschaftliche Hilfe - auch zwischen den Generationen - organisieren und gleichzeitig Menschen in Arbeit bringen. Modellhaft setzen wir das in Neu- Olvenstedt und im Neustädter Feld mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds in den Projekten des Bundesprogrammes "Lokales Kapital für soziale Zwecke" (LOS) schon um. Und an der weiteren Verbesserung der Lebenssituation von Magdeburger Familien wird im Rahmen des "Magdeburger Bündnisses für Familie" durch die Aktivierung unterschiedlicher Gruppen projektbezogen auch heute schon gearbeitet", berichtet die Beigeordnete.

Zu weiteren Instrumenten, zählt Beate Broecker v.a. die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements, die wachsende Eigenverantwortung von Bürgerinnen und Bürgern und die Stärkung lokaler Stadtteil-Akteure.

"Mit unseren Arbeitsgruppen Gemeinwesenarbeit haben wir eine solide und ausbaufähige Grundlage für das freiwillige Engagement vieler Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Das könnten wir z.B. mit dem Aufbau einer Freiwilligenagentur stärken."

Derzeit wird der vorliegende Bericht in den Fraktionen und Ausschüssen des Stadtrates diskutiert. "Zunächst wollen wir alle politisch Verantwortlichen informieren", so Beate Broecker. "Darüber hinaus müssen sich die Erkenntnisse aus dieser aktuellen Analyse wie ein roter Faden durch die kommunalpolitischen Entscheidungen ziehen - nicht nur, wenn es um soziale Projekte geht. Der Sozialbericht wird deshalb auf lange Sicht Grundlage kommunalpolitischer Entscheidungen sein und muss regelmäßig aktualisiert werden."




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