Magdeburg.
Mit zwei Gedenkfeiern erinnert die Landeshauptstadt Magdeburg am kommenden Mittwoch an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938, die auch in Magdeburg zur Zerstörung der Synagoge und jüdischer Geschäfte im Stadtzentrum sowie zur Vertreibung vieler jüdischer Mitbürger führte.
Der Beigeordnete für Kultur, Schule und Sport, Dr. Rüdiger Koch, wird am 9.November um 11:00 Uhr am Mahnmal der Alten Synagoge in der Julius-Bremer-Straße Worte des Gedenkens sprechen und ein Gebinde niederlegen. Die musikalische Begleitung übernimmt Cornelius Irmscher, ein Trompetenschüler des Magdeburger Konservatoriums Georg-Philipp-Telemann.
Während einer Gedenkstunde um 16:30 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof im Fermersleber Weg erinnert Bürgermeister Bernhard Czogalla an den 9. November 1938. Zu den Teilnehmern der Gedenksunde gehören unter anderem Vertreter des Landes Sachsen-Anhalt, des Evangelischen Kirchenkreises und der Synagogengemeinde.
"Die Magdeburgerinnen und Magdeburger gedenken gemeinsam der jüdischen Bürger, die während der Nazizeit gefoltert, terrorisiert und ermordet wurden", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. "Von den fast 2.000 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Magdeburg überlebten den Holocaust nur 83. Die Opfer und die damit verbundenen Schicksale ihrer Familien dürfen nie vergessen werden."
Hintergrundinformationen
Nach 1945 kehrten einige jüdische Mitbürger nach Magdeburg zurück. 1946 fand in Magdeburg die erste jüdische Neujahrsfeier statt. 1947 wurde der Landesverband der jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt gegründet
Es gab einen großen Auswanderungstrend nach Israel, den 1945 gegründeten Staat. Die Anerkennung Israels durch die USA erschwerte das öffentliche Wirken und Wiedererstehen der jüdischen Gemeinden in der DDR, bis auf Berlin. Zu DDR-Zeiten gab es kein Gemeindeleben, die Gemeinde existierte de facto nicht mehr. 1989/90 hatte die Gemeinde in Magdeburg noch 9 oder 10 Mitglieder.
In den letzten Jahren ist die jüdische Gemeinde wieder angewachsen und zählt heute über 900 Mitglieder, ca. 400 kommen aus dem Umland, 99% davon sind russische Zuwanderer.
Der Jüdische Friedhof
Jüdische Friedhöfe tragen auch die Bezeichnung "Guter Ort" oder "Halle des Lebens". 1999 begann die Urbarmachung des Friedhofes am Fermersleber Weg und die Wiederentdeckung der jüdischen Geschichte Magdeburgs in einem ABM-Projekt. Auf dem Friedhof gibt es ein Ehrengrab für die Gefallenen des I. Weltkrieges, die der jüdischen Gemeinde angehörten.
Dort befinden sich die Grabsteine von Moritz Rahmer, Philippson und Guyla Grosz. Hier ist auch das Grab der legendären Magdeburger Zirkusfamilie Blumenfeld. Bis 1920 hatte sie das einzige feste Zirkusgebäude in Deutschland. Dr. Otto Schlein ist auf dem Westfriedhof beigesetzt worden.
Umgang mit dem Erbe
Nur 83 Magdeburger Juden haben den Holocaust überlebt. An sie erinnert und mahnt das 1988 errichtete Denkmal am Platz "An der Alten Synagoge" vom Magdeburger Metallgestalter Josef Bzdok. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde in diesem Jahr durch die Magdeburgische Gesellschaft von 1990 ein Relief zur Erinnerung an die 1938 zerstörte Magdeburger Synagoge aufgestellt.
Seit der Wende gibt es eine Deutsch-Israelische Gesellschaft. Dadurch hat die Begegnung mit der jüdischen Kultur und jüdischen Künstlern an Bedeutung gewonnen. Vorträge und Podiumsgespräche über israelische Literatur, die Geschichte und aktuelle Politik Israels und die deutsch-israelischen Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart gehören inzwischen zum Alltag in Magdeburg.
Im Juli 1996 beschloss der Stadtrat, auf Vorschlag der Verwaltung, dass der Brückenneubau über die Elbe, der den Verkehr von West nach Ost führt, den Namen "Jerusalem-Brücke" tragen soll. Der Name wurde zu Ehren der Stadt Jerusalem gewählt, die 1996 ihren 3 000. Geburtstag feierte. Beiden Städte sind, nach dem politischen Willen der Bürgerschaft nach 1990 ein großes Stück zusammengewachsen. Israelische Kulturtage fanden bereits dreimal in Magdeburg statt. Die Namensgebung war also auch ein symbolischer Brückenschlag von Magdeburg in das 3 000 Jahre alte Jerusalem. So wie diese Brücke die beiden Ufer der Elbe verbindet, so sollen Brücken der Versöhnung und der Verständigung zwischen Deutschland und Israel gebaut werden.