Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 16. November 2005

Leitsystem soll Verkehr bei Feinstaub-Alarm lenken

Stadtrat behandelt im Dezember künftige Strategie:

Magdeburg.

Seit dem 1. Januar 2005 gelten gemäß der EU-Rahmenrichtlinie zur Luftreinhaltung verschärfte Grenzwerte für Feinstaubemissionen. Das Landesministerium für Landwirtschaft und Umwelt erarbeitet derzeit einen Aktionsplan "Feinstaub". Magdeburg will künftig bei Feinstaub-Alarm die Verkehrsströme von den kritischen Punkten wegleiten. Dazu soll schrittweise bis 2007 ein Verkehrsleitsystem installiert werden. Die entsprechende Drucksache wird derzeit in den Gremien beraten, dem Stadtrat liegt sie am 1. Dezember zur Beschlussfassung vor.

Nach der neuen Richtlinie liegt der einzuhaltende, über 24 Stunden gemittelte Immissionsgrenzwert für Feinstaubpartikel bei 50m g/m3. Dieser Grenzwert darf an maximal 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden. "Diese Werte haben wir in Magdeburg im vergangenen Jahr an 17 Tagen erreicht, 2005 wurde der Wert bisher an der Messstelle Damaschkeplatz auch an 17 Tagen überschritten", zieht der zuständige Beigeordnete für Kommunales, Umwelt und allgemeine Verwaltung, Holger Platz, Bilanz. "Das ist allerdings kein Grund zur Entwarnung, denn das Landesamt für Umweltschutz, das in Sachsen-Anhalt für die Überwachung der Luftqualität zuständig ist, will einen zusätzlichen mobilen Messcontainer auf der viel stärker belasteten Kreuzung Ernst-Reuter-Allee/Otto-von-Guericke-Straße aufstellen Dort müssen wir mit deutlich mehr Überschreitungen der Grenzwerte rechnen."

Mit einem Verkehrsleitsystem, das die Verkehrsströme bei Feinstaub-Alarm um die stark belastete Kreuzung "Weinarkade" herumleitet, will Magdeburg sich für den Fall der Fälle wappnen. "Das bedeutet nicht, dass wir das Stadtzentrum in Gänze für den Fahrzeugverkehr sperren wollen", so Holger Platz. "Vielmehr sollen den Autofahrern durch Vorwegweiser alternative Routen ins Zentrum gewiesen werden. Lediglich auf der Ernst-Reuter-Allee zwischen Damaschkeplatz und Jacobstraße wird der Verkehr eingeschränkt, bei nachhaltiger Grenzwertüberschreitung werden wir diesen Abschnitt möglicherweise zeitweise sperren müssen."

 

 

Beginnend ab 2006 will die Stadt dafür ein Verkehrsleitsystem installieren, das eine ereignisabhängige Verkehrssteuerung ermöglicht. Ein entsprechendes Konzept wird derzeit in den Gremien des Stadtrates diskutiert. "Für die lokale Strategie bei Grenzwertüberschreitungen brauchen wir den breiten politischen Konsens", weiß Holger Platz. "Nur so werden die dann nötigen Eingriffe in den Verkehrsfluss auf Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen."

Ereignisabhängige Verkehrssteuerung

32.000 Fahrzeuge rollen täglich durch die Ernst-Reuter-Allee. "Um die Feinstaubbelastung in diesem Bereich zu reduzieren, setzen wir auf intelligente Verkehrsbeeinflussung", bringt der zuständige Beigeordnete die städtische Strategie auf den Punkt. "Durch weiträumige Umleitungen können wir den Verkehr im kritischen Bereich auf die Hälfte reduzieren." Die Umleitungsstrecken - Walther-Rathenau-Straße, Schleinufer, Halberstädter Straße - werden dadurch etwas stärker belastet.

Das geplante Verkehrsleitsystem soll die Verkehrsteilnehmer frühzeitig über die Verkehrssituation im Zentrum informieren und ihnen alternative Zielführungen anbieten. Dies soll durch Hinweise an frei programmierbaren Variotafeln bzw. durch eine Wechselwegweisung erfolgen. Die Schwerpunkte werden dabei auf dem Magdeburger Ring zwischen Fuchsberg/Wiener Straße und Albert-Vater-Straße, dem Damaschkeplatz sowie östlich des Zentrums an den Zufahrten Strombrückenzug, Schleinufer/Johannisberg, Jakobstraße liegen.

Damit wird beispielsweise der Verkehr aus Richtung Süd auf dem Magdeburger Ring bereits vor der Abfahrt Wiener Straße über die Verkehrssituation Damaschkeplatz/Ernst-Reuter-Allee informiert und der alternative Weg über den Fuchsberg angeboten. An der Abfahrt Damaschkeplatz wird die Information wiederholt und der alternative Weg über die Walther-Rathenau-Straße/Universitätsplatz ins Zentrum angeboten.

Unterstützt werden die Informationen auf den Variotafeln durch Wechselwegweiser und Wechselverkehrszeichen. Ergänzt wird das System durch die Anpassung der Ampeln, Steuerungen auf den Alternativstrecken bzw. begleitende verkehrsorganisatorische Maßnahmen. "Wir wollen dem Verkehrsteilnehmer immer eine Alternative anbieten, damit er sein Ziel erreichen kann", ist Holger Platz bewusst, dass eine zeitweise Sperrung der Zufahrten zum Knoten Ernst-Reuter-Allee/Otto-von-Guericke-Straße sonst wenig Akzeptanz findet. "Auf jeden Fall werden sich alle Verkehrsteilnehmer bei Feinstaub-Alarm auf längere Wartezeiten einstellen müssen."

Die ereignisabhängige Steuerung kann auch zur Ausweisung von Umleitungsstrecken für die Autobahn, die teilweise zentrumsnah verlaufen, aktiviert werden. Und es gibt noch einen dritten Effekt: "Auch bei Großveranstaltungen, zum Beispiel im Elbauenpark, im Stadion oder der Bördelandhalle sowie im Stadtpark können wir das System nutzen, um die Hauptverkehrsströme zu lenken und zu beschleunigen", nennt Holger Platz einen positiven Nebeneffekt.

 

Insgesamt wird das Verkehrsleitsystem 650.000 Euro kosten. Ein erster Abschnitt, der die Mindestanforderungen des Landes-Aktionsplanes erfüllt, soll bis 2007 installiert werden. Er kostet insgesamt rund 400.000 Euro. "Wir streben dabei eine Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt an", erklärt der zuständige Beigeordnete, "damit die Stadt die Kosten für das System nicht gänzlich aus eigener Tasche bezahlen muss."

 

Ursachen von Feinstaub

Für das Bundesgebiet hat das Umweltbundesministerium folgende Verursacher von Feinstaub-Emissionen auf der "Erzeugerseite" ermittelt;

Industrie

35,0%

Private Haushalte

19,3%

Straßenverkehr

17,0%

Kraft- und Fernheizwerke

11,1%

Übriger Verkehr

9,4%

Schüttgutumschlag

4,7%

Industriefeuerungen

3,5%

Diese Betrachtung stützt sich auf überregionale Analysen. Untersuchungen für das Jahr 2003 für Magdeburg ergaben, dass bereits 29 von 56 Überschreitungen auf diese Vorbelastung zurückzuführen waren.

Lokal können ganz andere Ursachen maßgeblich sein. Zu den lokalen Ursachen zählen unter anderem die Industrie, Hausbrand und Kleinverbraucher sowie der Verkehr. Allerdings hat die Stadt auf diese Erzeuger - mit Ausnahme des Verkehrs - keinen Einfluss.

Erste Maßnahmen zur Eindämmung der Feinstaubemissionen hat Magdeburg bereits 2004 ergriffen. "Drei Grenzwertüberschreitungen im Jahr 2003 wurden durch das Verbrennen von Gartenabfällen verursacht", zitiert Holger Platz aus Untersuchungsergebnissen zur Luftüberwachung. "Die Entscheidung, das Verbrennen von Gartenabfällen zu verbieten, verfolgt ganz entschieden das Ziel, die Luftqualität in der Stadt zu verbessern."

Untersuchungen der Emissionsmassenströme Feinstaub in Magdeburg für das Jahr 2003 ergaben:

Quellart

Anteil an Summe

Hausbrand/Kleinverbraucher

8,1%

Industrie

10,5%

Verkehr Hauptstraßen

72,1%

Verkehr Nebenstraßen

1,3 %

Sonstiger Verkehr

7,9%

Um Grenzwertüberschreitungen grundsätzlich zu reduzieren bzw. zu verhindern, reichen lokale Lösungen jedoch nicht aus. "Die gesetzlichen Vorgaben werden in Brüssel und Berlin gesetzt. Von den Städten aber werden jetzt Maßnahmen zu ihrer Einhaltung erwartet. Das kann eigentlich nicht Inhalt vernünftiger Umweltpolitik sein", beklagt der Umweltbeigeordnete Holger Platz die Situation. "Dennoch werden wir unserer Verantwortung gerecht werden, um die rechtlichen Vorgaben umzusetzen. Wir tun dies mit lokalen verkehrsregelnden Maßnahmen. Eine bundesweit einheitliche gesetzliche Verpflichtung zum Einsatz von Feinstaubfiltern in Fahrzeugen könnte Emissionen allerdings wirksamer eindämmen. Dann wären die Städte zudem nicht gezwungen, Insellösungen zu entwickeln."

Der Deutsche Städtetag hat Bund und Länder bereits im April aufgefordert, Dieselrußfilter zunächst steuerlich zu fördern und nach einer Übergangsfrist für Autos und Lkws verbindlich vorzuschreiben. Die Feinstaubbelastung in vielen Städten lässt sich nicht durch isolierte kommunale Schritte wie Fahrverbote oder eine City-Maut bewältigen, sondern nur durch ein Bündel von mittel- und langfristig wirkenden Maßnahmen. Statt an den Symptomen herum zu kurieren, sollte zum Schutz der Bevölkerung das Übel an der Quelle bekämpft werden. Es müsse hier nach dem Verursacherprinzip gehandelt werden, so die Dachorganisation der deutschen Städte. "Als Mitgliedsstadt unterstützen wir diese Position des Deutschen Städtetages", so Holger Platz, "und wir hoffen, dass die neue Bundesregierung entsprechende Regelungen trifft."




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Stadt Magdeburg
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