Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 18. Januar 2006

Offensive gegen Jugendarbeitslosigkeit

Stadtverwaltung und Partner optimieren Kooperation

Magdeburg.

Mit einem ganzen Paket pädagogischer und arbeitsmarktpolitischer Angebote startet die Stadt Madeburg in diesem Jahr eine Offensive zur Prävention von Arbeitslosigkeit. Gemeinsam mit Kooperationspartnern von der Agentur für Arbeit, den Schulen, der Jobcenter ARGE Magdeburg und den Freien Trägern aus dem Bereich Jugendhilfe setzt sich die Initiative zum Ziel, die Zahl der Schulverweigerer und Ausbildungsabbrecher in Magdeburg zu minimieren. Die Quote der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss soll künftig schrumpfen.

"Schulen und Jugendhilfe müssen stärker präventiv gegen drohende Arbeitslosigkeit tätig werden, damit notwendige Kompetenzen für eine Ausbildung frühzeitig entwickelt werden", begründet die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, Beate Bröcker, die neue Strategie. " Wir wollen gemeinsam mit den Schulen wirksame Handlungsansätze entwickeln, um in der Schule sowie an der Schwelle von Schule und Berufsausbildung bessere Ergebnisse zu erzielen. Bessere Ergebnisse in der Schule und eine abgeschlossene Berufsausbildung sind die beste Prävention gegen Arbeitslosigkeit."

"Deshalb werden wir ab sofort die Aktivitäten verschiedener Träger der Jugendhilfe, der Schulen und der Arbeitsverwaltung bündeln, um Synergien zu nutzen und Hilfsangebote zu optimieren", erläutert Beate Bröcker. "Diese neue Qualität der Zusammenarbeit werden wir mit einer Kooperationsvereinbarung aller Beteiligten fixieren." Unmittelbare Kooperationspartner werden die Stadtverwaltung (Jugendamt, Sozial- und Wohnungsamt), die Schulen, die Agentur für Arbeit und die ARGE Magdeburg sein.

Vorausgesetzt der Stadtrat stimmt in seiner Februar-Sitzung dem Vorhaben zu, wird die Stadt in den kommenden drei Jahren knapp 5 Mio. Euro in Programme investieren, die die Chancen benachteiligter Jugendlicher am Arbeits- und Ausbildungsmarkt deutlich verbessern sollen. Dabei werden sowohl bereits bewährte Maßnahmen weitergeführt, qualifiziert und in bestimmten Bereichen, wie z. B. der Schulsozialarbeit, bedarfsgerecht ausgebaut. Neben den dafür bereit stehenden Mitteln werden durch Umschichten von Ressourcen aus dem Bereich Arbeitsmarktpolitik und Jugendhilfe zusätzliche Mittel zugunsten der Jugendsozialhilfe eingesetzt.

Gut angelegtes Geld, wie die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit Beate Bröcker meint: "Die Angebote haben vorbeugenden Charakter und können die öffentlichen Haushalte enorm entlasten". Wie das geht, erläutert sie an einem Beispiel:

Ein Berufseinsteiger-Paket ermöglicht benachteiligten Jugendlichen überhaupt erst einen Start ins Erwerbsleben. Insbesondere durch die Angebote der Jugendwerkstätten und des "Magdeburger Jugendnetzes für Arbeit und Zukunft" werden die Jugendlichen an die Anforderungen des Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarktes herangeführt und in Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme vermittelt. Durch gezielte berufliche Orientierung und die Entwicklung von arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten sowie eine sozialpädagogische Begleitung wird angestrebt, die Abbrecherquote zu minimieren und den nahtlosen Übergang in die Erwerbstätigkeit zu sichern.

Derzeit werden in fünf Magdeburger Jugendwerkstätten ca. 115 junge Menschen mit besonderen Schwierigkeiten beim Einstieg in das Berufsleben gefördert. Das "Magdeburger Jugendnetz", welches von vier freien Trägern der Jugendhilfe umgesetzt und durch die ARGE finanziert wird, bietet weiteren 120 benachteiligten jungen Menschen Beratung, Begleitung und berufliche Förderung.

Neben effizienterer Hilfe für die betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen erwartet die Beigeordnete auch finanzielle Effekte: "Wo unsere Programme greifen, können wir die Aufwendungen der öffentlichen Kassen für Unterkunftskosten, Beihilfen oder finanzielle Vergünstigungen wie zum Beispiel Krankenkasse und gesetzliche Unfallversicherung sparen."

Eine Rechnung, die nach Ansicht der Experten schon dann aufgeht, wenn nur 10 Prozent der Teilnehmer in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Eine deutlich höhere Quote hält die ARGE Magdeburg für realistisch, weil die Angebote unter Beachtung des Arbeitsmarktpolitischen Programms der Stadt Magdeburg und der Leitlinien der EU zur Beschäftigungsförderung und zum Abbau von Benachteiligungen am Arbeitsmarkt entstanden sind.

Möglich und notwendig wurde die zielgruppengerechte Offensive durch die Einführung von Hartz IV. Das neue Gesetz verpflichtet die Träger der beruflichen und sozialen Integration junger Menschen - Jugendhilfe und Arbeitsförderung - zur engeren Kooperation.

 

Hintergrund:

Die Hartz-Gesetze und insbesondere das SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende) haben nachhaltige Auswirkungen auf die Lebenssituation junger Menschen und auf die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. Mit den Jugendlichen, die durch das Jobcenter betreut werden, wird eine Eingliederungsvereinbarung abgeschlossen, die Schritte zur beruflichen Integration festlegt. Die Jugendlichen sind zur aktiven Mitwirkung verpflichtet. Fehlt sie, kommt es zu Sanktionen - z. B. der Streichung des Arbeitslosengeldes II für 3 Monate. Das Jobcenter ist verpflichtet die Jugendlichen durch geeignete Angebote zu fördern (z.B. durch Ausbildung, Arbeit, Suchtberatung etc.).

Die öffentliche und freie Jugendhilfe in Magdeburg verfügt auf Grund langjähriger Erfahrungen in der Jugendberufshilfe über Kompetenzen und Kooperationsstrukturen. Die Träger der Jugendhilfe sind bei der Umsetzung des SGB II nicht nur Leistungsanbieter (z. B. im Bereich der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit), sondern unverzichtbarer Netzwerk- und Kooperationspartner, insbesondere bei der Früherkennung von Förderbedarf.

So muss bereits in den Schulen analysiert werden, wie die berufliche Orientierung und die Entwicklung von ausbildungsrelevanten Fähigkeiten gefördert werden können.

Das jugendpolitische Programm der Stadt Magdeburg ist ein Bündel präventiver Maßnahmen zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit und lebenslanger Alimentierung junger Menschen durch den Sozialstaat. Es umfasst u.a. folgende Maßnahmen:

Maßnahme

Träger

Ziele/ Inhalte

Anzahl

Jugendlicher

Angebote für Schulverweigerer

-Werk-Statt-Schule

- Reintegrationsklasse mit besonderem Hortangebot

Jugendamt und Internat. Bund für Sozialarbeit (IB)

-Vermeidung von Schulversagen/-verweigern

- Erwerb des Hauptschulabschlusses

-Vorbereitung auf Ausbildung

36

Schulsozialarbeit (SSA)

an den SKS

"W.Weitling" und "Th. Müntzer" und an der Fröbel-Förderschule

Ausweitung der SSA auf die drei Förderzentren und die BBS VII in den nächsten Jahren

Spielwagen

Deutscher Familienverband

-Entwicklung von sozialen und Individualkompetenzen u.a. durch Streitschlich-terprogramme

- Förderung der Berufs- und Lebenswegplanung etc.

- Beratung und Begleitung bei besonderen Problemen

-Schulübergreifende Angebote

ca. 300

"Magdeburger Jugendnetz für Arbeit und Zukunft"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erweiterung des Beratungsangebotes für Jugendliche, die nicht vom Jobcenter betreut werden

ABV (Ausbildungs-verbund MD/Braun.)

BAJ MD

B&B Bildung&Beruf

IB für Sozialarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geplant ab September 2006

- Beratung und Begleitung von jugendlichen Alg-II-Empfängerinnen mit besonderen Problemen

- Förderung der beruflichen Orientierung

- Entwicklung arbeitsmarktrelevanter Fähigkeiten

- Abbau individueller Probleme

- Serviceangebot für die Fallmanager/-innen des Jobcenters

- Beratung und Begleitung von Jugendlichen

- Koordinierung von Hilfsangeboten, Bedarfsanalyse etc.

120

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

15

EQUAL-Projekt

Teilprojekt "BERTA Berufliche Rehabilitation - Tätigsein - Arbeiten"

Teilprojekt

"Ressourcenorientiertes Profiling für Menschen mit Behinderung"

IB

 

 

 

ABV

(Ausbildungsverbund

MD/Braunschweig)

- sozialpäd. Betreuung zur sozialen und beruflichen Integration behinderter junger Frauen

 

-Prognoseerstellung mit dem Ziel, eine Vereinbarung für eine erfolgreiche Arbeitsplatz-suche zu treffen

 

 

16

 

 

 

250

Jugendwohnen

IB

-sozialpäd. Beratung und Begleitung im Rahmen des Jugendwohnens

-Vermittlung von Kompetenzen für eine eigenständige Lebensführung

- Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen

20

Drogen- und Suchtberatungsstelle

DROBS

DPWV

- Beratung, Begleitung von Konsumenten legaler und illegaler Substanzen bzw. bei Essstörungen

- Erziehungs- und Jugendberatung

- Projekte des präventiven Jugendschutzes

 

Jugendwerkstätten

Buntes Werkstattprojekt

Jugendmetall-Selbsthilfewerkstatt

Holzwerkstatt

Offene Jugendwerkstatt

Tagelöhnerprojekt

Jugendamt

 

Evang. Kirchenkreis

Die Brücke-MD

BAJ

DPWV

- berufliche Orientierung, Motivation und individuelle Betreuung junger Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf

- Entwicklung arbeitsmarktrelevanter Fähigkeiten

- Förderung von sozialen und Individualkompe-tenzen etc.

115

 

 

Die Notwendigkeit eines strategischen Programms ergibt sich u. a. aus folgenden Faktoren:

    • Jährlich verlassen ca. 200 Magdeburger Schüler/-innen die Schule ohne Abschluss (Schuljahr 2003/04: 218, davon 60 weiblich).
    • In Magdeburg versäumen ca. 1,4 % der Schüler/-innen über längere Zeit die Schule. Im Schuljahr 2004/05 wurden 556 Schulpflichtverletzungen angezeigt (2003/04 waren es 268)
    • Von den in der Stadt lebenden 1.646 arbeitssuchenden jungen Menschen unter 25 Jahren haben über 54 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung. (Nov. 2005)
    • Das Benachteiligtenprogramm wird derzeit unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen umgesetzt (nur noch über Ausschreibungsverfahren, harter Preiskampf, fehlende personelle Kontinuität bei den Trägern), Jugendlichen wird schneller die weitere Teilnahme an Maßnahmen versagt, wenn Fehlverhalten vorliegt.
    • Die berufsvorbereitenden Maßnahmen können nicht mehr für spezielle Zielgruppen und mit gezielter Förderung umgesetzt werden (u.a. Reduzierung des Personalschlüssels, keine Kofinanzierung möglich durch Ausschreibungsverfahren, kürzere Förderzeiten für die Jugendlichen etc.)




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Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
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