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Die Machenschaften der Stasi: Von Spitzeln und Spionen
Informationstag der Stasi-Unterlagen-Behörde in Bonn – Bürgerberatung, Ausstellung und Lesung in der Gesamtschule Beuel – Nur wenig Geheimnisse auch in Bonn

ib-Bonn/Frankfurt (Oder) – Die Stasi der ehemaligen DDR war bestens informiert. Auch der Raum Bonn/Köln hatte dank eines Netzes von „IMs“, den „Inoffiziellen Mitarbeitern“ des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS), kaum noch Geheimnisse zu bieten. Ob IM „Notar“, IM „Schwertfisch“ oder IM „Krone“ – die Stasi hatte ihre Maschen eng geknüpft. Die Stasi-Unterlagen-Behörde lädt jetzt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einem Informationstag am Freitag, 31. März, von 10 bis 20 Uhr, in die Gesamtschule Bonn-Beuel, Siegburger Straße 321, ein. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), Außenstelle Frankfurt, stellen dort ihre Arbeit vor und stehen für Fragen zur Verfügung. Persönliche Bürgerberatung, Ausstellung und Lesung stehen dabei auf dem Programm.

Bürgerberatung und Anträge auf Stasi-Akten-Einsicht

Von 10 bis 18 Uhr können sich Bürgerinnen und Bürger persönlich beraten lassen. Gegen Vorlage ihres Personalausweises können sie einen Antrag auf Einsicht in ihre Stasi-Unterlagen stellen.

Ausstellung über das Ausmaß der MfS-Postkontrolle nur am Freitag

Rüdiger Sielaff, Leiter der Außenstelle der BStU in Frankfurt/Oder, eröffnet um 11 Uhr mit seinem Vortrag die Ausstellung „Postgeheimnis? Die Stasi und die Cottbuser Briefe“. Diese Ausstellung, die das ganze Ausmaß der umfassenden Postkontrolle durch die Stasi aufdeckt, ist nur am Freitag, 31. März, in Bonn zu sehen. Während der Teilung Deutschlands ist den Machthabern der DDR nicht gelungen, den Postverkehr zwischen Ost und West einzudämmen oder gar zu unterbinden. Im Gegenteil: immer mehr Briefe, Karten und Pakete passierten den „Eisernen Vorhang“. Auch Bonner hielten so eifrig Kontakt zu Verwandten und Freunden in der DDR. Doch alles spielte sich unter den Argusaugen der Stasi ab.

Dabei schien Punkt 1 des Artikels 31 der Verfassung der DDR – das Post- und Fernmeldegeheimnis ist unverletzbar - wenig zu interessieren. Für die Kontrolle der Briefe und Pakete gab es im MfS eigens eine Abteilung, die Abteilung M, die dem Leiter der Spionageabwehr direkt unterstand. Die ausgesuchte Post wurde in technisch bestens ausgerüsteten Laboren ausspioniert. Mitte der 80er Jahre bearbeitete die Stasi zunehmend auch die Postsendungen innerhalb der DDR.

Zehntausende Namen finden sich in den M-Karteien, Mielkes Leute entwickelten eine gewaltige Energie, um sich ein Bild vom Denken ihrer Bürger zu machen. Ob es nun den Mann aus Hoyerswerda traf, eine Hundezeitschrift nach West-Berlin schickte, oder Anja, die sich im Namen ihrer Lieben bei der Oma für ein Paket bedankte.

Das Material zur Ausstellung wurde in monatelanger Puzzlearbeit von den Mitarbeitern der Außenstelle Frankfurt (Oder) der Stasi-Unterlagen-Behörde aus teilweise vernichteten Unterlagen in Puzzlearbeit gesichtet und zusammengefügt. Mit gefundenen Stasi-Fotos werden die Texte und Dokumente der Ausstellung unterlegt.

Jochen Stern liest aus Stasi-Akten

Der Info-Tag der Stasi-Unterlagen-Behörde in der Gesamtschule Beuel klingt um 18 Uhr mit der Lesung mit dem Bonner Schauspieler Jochen Stern aus. Stern liest aus Berichten und Informationen aus den Akten des Staatssicherheitsdienstes. Damit gibt er einen Einblick in die Denk- und Handlungsweise dieses Machtapparates der SED. Der Missbrauch von Vertrauen, die Gefährlichkeit von Informationen und deren Folgen für die Opfer, die Menschenverachtung bei der Anwerbung von Inoffiziellen Mitarbeitern und beim Umgang mit Betroffenen wird ebenso deutlich wie die teilweise unglaubliche Banalität von Informationen aus dem Alltäglichen.

Auch die damalige Bundeshauptstadt Bonn war „Operartionsgebiet“

Die Außenstelle Frankfurt (Oder) der Stasi-Unterlagenbehörde hat in Vorbereitung auf den Informationstag in Bonn umfangreiches Material zur Arbeit der Stasi im Raum Bonn/Köln recherchiert. So etwa theoretische Überlegungen, wie Inoffizielle Mitarbeiter in der ehemaligen Bundeshauptstadt gewonnen und Aktivitäten von Regierung und Parteien unter Kontrolle gehalten werden sollten. In Bonn waren bundesdeutsche Bürger für die Stasi tätig, dazu ehemalige DDR-Bürger, die auf Anweisung des MfS in die Bundesrepublik übersiedelten und auch DDR-Bürger, die sich zeitweilig in der Bundesrepublik aufhielten. Diensteinheiten des MfS schickten ihre eigenen Inoffiziellen Mitarbeiter nach Bonn, um Personen anzuwerben. Dabei entstanden Fotos, die im Auftrag der Stasi angefertigt wurden und der Orientierung und Schulung der IM, die zum Einsatz kommen sollten, dienten. Fotos aus den 50er Jahren zeigen strategisch wichtige Gebäude, Straßen und Plätze in Bonn. Seit der Bildung des MfS im Februar 1950 galt die Bundesrepublik als „Operationsgebiet“ für das MfS. Ziel war es, „tief in die feindlichen Zentren einzudringen und solche Positionen zu besetzen, aus denen Informationen zu den Hauptfragen der Politik beschafft werden können“. Aktive Maßnahmen im „Operationsgebiet“ waren

• „…den Feind bzw. einzelne feindliche Kräfte und Institutionen zu entlarven, zu kompromittieren bzw. zu desorganisieren und zu zersetzen;

• Progressive Ideen und Gedanken zu verbreiten und fortschrittliche Gruppen und Strömungen im Operationsgebiet zu fördern;

• Die Entwicklung von Führungspersönlichkeiten und solchen Personen zu beeinflussen, die bei der Bestimmung der öffentlichen Meinung eine besondere Rolle spielen.“ (aus: Richtlinie Nr. 2/79 für die Arbeit mit Inoffiziellen Mitarbeitern im Operationsgebiet)

Für das MfS gab es in Bonn nur wenige Geheimnisse. Die Stasi war bestens informiert …: Der IM „Notar“ schöpfte von seinen Bekannten aus den Bonner Sicherheitsbereichen Informationen ab und lieferte Originaldokumente wie Ministerschreiben, Strukturpläne oder Sitzungsprotokolle an seinen Führungsoffizier.

Der IM „Schwertfisch“ versuchte Verbindung zu einem Angestellten der Bonner Stadtverwaltung aufzubauen.

Der IM „Krone“ war zum Zeitpunkt der Anwerbung Student an der Bonner Universität. Das MfS unterstützte ihn finanziell während und nach dem Studium und richtete 1968 für ihn ein DDR-Sperrkonto mit monatlichen Einzahlungen ein. Berichte von „Krone“ beinhalteten Angaben zu Personen aus Bundesministerien, von BRD-Geheimdiensten und weiteren bundesdeutschen Institutionen. Im Juli 1986 wurde „Krone“ mit der Verdienstmedaille der DDR ausgezeichnet.

Die MitarbeiterInnen der Außenstelle Frankfurt (Oder) haben Aktenauszüge aus diesen Vorgängen gefertigt und Musterakten vorbereitet. Interessierte können in den anonymisierten Unterlagen lesen und Details zur Arbeit des MfS in Ihrer Region erkennen.

Kontakt: Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Außenstelle Frankfurt, Telefon: 03 35/60 68 24 11.



  
   
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