Magdeburg.
Gewalt in den eigenen vier Wänden wird noch immer vielfach tabuisiert. Für Betroffene und deren Angehörige gibt es eine unmittelbare Anlaufstelle im städtischen Sozial- und Wohnungsamt. Die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt/Stalking arbeitet seit fast 3 Jahren für Opfer von häuslicher Gewalt. Sie ist inzwischen ein wichtiger Part in der Unterstützung von betroffenen Männern und Frauen, wie die ständig wachsende Nachfrage an Beratung beweist.
Die Interventionsstelle befindet sich im Wilhelm-Höpfner-Ring 4, Zimmer 127. Die Mitarbeiter bieten folgende Sprechzeiten:
Dienstag: 9-12.00 und 14.00-17.30
Donnerstag: 9.00-12.00
Darüber hinaus sind Beratungen von Montag bis Freitag in der Zeit von 8.00 bis 18.00 Uhr vereinbar.
Ein Anrufbeantworter ist ständig geschaltet, so dass ein Rückruf durch die Mitarbeiterin der Interventionsstelle gewährleistet werden kann. In akuten und gefährdenden Situationen sind darüber hinaus die Polizeidienststellen über die Telefonnummer 110 jederzeit erreichbar. Die Polizei hat die Möglichkeit Konfliktssituationen zu deeskalieren. Wenn spezieller Schutz benötigt wird, ist eine Unterbringung von Frauen und Kindern in den Frauenhäusern der Regionen jederzeit möglich.
Seit ihrer Gründung im Oktober 2003 bis Ende Juli 2006 wurden durch die Interventionsstelle insgesamt 658 Frauen und 17 Männer beraten. Die Anzahl der Ratsuchenden ist dabei ständig gestiegen. Während 2005 im 1.Halbjahr 113 Betroffene Unterstützung in der Interventionsstelle suchten, waren es im gleichen Zeitraum 2006 bereits 183 Betroffene.
Das entspricht einer Steigerung um rund 62%. Die Interventionsstelle Magdeburg ist seit Oktober 2005 für sieben Landkreise (Wernigerode, Aschersleben-Staßfurt, Halberstadt, Quedlinburg, Jerichower Land, Schönebeck und Bördekreis) und die Landeshauptstadt Magdeburg zuständig. "Ohne ein entsprechendes Netzwerk in den Regionen wäre dieser Beratungs- und Hilfebedarf nicht zu realisieren", schätzt Magdeburgs Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, Beate Bröcker ein.
Die Einzelfallhilfe ist allerdings nur ein Schwerpunkt der Arbeit der Interventionsstelle. Im ersten Halbjahr 2006 fanden auch 117 Arbeitsgespräche mit Kooperationspartnern und 24 Vernetzungstreffen der regionalen Gremien unter Beteiligung der Interventionsstelle statt. Weiterhin führte die Interventionsstelle 4 öffentliche Präventionsveranstaltungen in verschiedenen Orten sowie 4 Weiterbildungen für Polizeibedienstete durch.
Stalking ist aktuell Arbeitsschwerpunkt
Stark zugenommen hat der Beratungs- und Interventionsbedarf in Fällen von Stalking. Rund 1/3 der Betroffenen in der Beratung der Interventionsstelle sind Stalking-Betroffene. Über 50% der von Stalking oder häuslicher Gewalt Betroffenen in der Beratung der Interventionsstelle kommen aus Magdeburg. Dementsprechend hält die Interventionsstelle zwei Beratungstage - Dienstag und Donnerstag - speziell in Magdeburg vor.
"Die Arbeit unserer Interventionsstelle orientiert sich am Ziel der Landesregierung Sachsen-Anhalts, durch Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote Gewalt gegen Frauen und Kinder zu bekämpfen sowie Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen", charakterisiert Magdeburgs Sozialbeigeordnete Beate Bröcker das Ziel der Interventionsarbeit. "In diesem Zusammenhang ist für uns derzeit die Sensibilisierung für das Thema Häusliche Gewalt und Stalking in der Öffentlichkeit ein Schwerpunkt. Zu diesem Thema organisieren wir insbesondere auch Weiterbildungen für die Polizei in den sieben Landkreisen, für die die Magdeburger Interventionsstelle zuständig ist."