Magdeburg.
Miriam war erst drei Jahre alt, als sie im Februar 1943 gemeinsam mit ihren Schwestern und ihrem Vater über Berlin nach Auschwitz deportiert wurde. Wenige Tage später war sie tot. Wie ein Jahr zuvor schon ihre Mutter. Ihre Familie gehört zu den ersten dreizehn von mehr als 500 jüdischen Magdeburgerinnen und Magdeburgern, an die "Stolpersteine" in der Elbestadt erinnern sollen.
Am 18. März 2007 sollen diese 13 Steine in Magdeburg verlegt werden. Das wurde jetzt zwischen dem für das Projekt verantwortlichen Künstler Gunter Demnig (Köln) und dem Magdeburger Kulturbüro vereinbart. Dabei kommt der Verlegung des ersten dieser Gedenkzeichen unmittelbar neben dem Magdeburger Rathaus eine besondere Bedeutung zu. Dort wurde 1933 Magdeburgs sozialdemokratischer Bürgermeister, der jüdische Jurist Dr. Herbert Goldschmidt, durch die Gestapo aus seinen Diensträumen in das "Braune Haus" abgeführt. 1942 wurde er in einem Konzentrationslager bei Riga ermordet.
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wird bei der Verlegung der Stolpersteine Worte des Gedenkens sprechen. Weitere Steine werden am gleichen Tag auf dem Alten Markt und in der Leibnizstraße verlegt.
Der Magdeburger Stadtrat hatte bereits 2005 auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, sich der Möglichkeit des Erinnerns und Gedenkens durch so genannte "Stolpersteine" vor Hauseingängen und auf Gehwegen anzuschließen, von denen es seit 1998 etwa 9.000 in über 180 Städten und Gemeinden Deutschlands gibt: Ein pflastersteingroßer Stein mit einer Messingplatte, mit einem Namen: "Hier wohnte…". Ein Mensch, seine Lebensdaten - eine Erinnerung - damit sichtbar wird: so viele Menschen wurden ermordet, so viele Menschen hat unsere Stadt verloren. So viele Verbrechen, so viel Leid...
Eine Arbeitsgruppe, der neben der Stadtverwaltung und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auch die Vereine "Miteinander e.V." und "Förderverein Neue Synagoge Magdeburg e.V." sowie das Ökumenische Domgymnasium angehören, hat inzwischen ausführlich recherchiert, hat Namen und Daten zusammen getragen, auf Zuverlässigkeit überprüft und Möglichkeiten der Mitwirkung möglichst vieler Magdeburgerinnen und Magdeburger bei diesem Projekt erwogen.
Jeder Stein wird 95 € kosten. "Je mehr Menschen dieses Projekt mit einer Spende unterstützen, umso mehr Steine können verlegt werden", wirbt Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper für Unterstützung in der Bürgerschaft. Doch es geht nicht nur um Namen und Lebensdaten auf den Steinen. Nach und nach soll im Rathaus ein "Magdeburger Gedenkbuch" entstehen, das möglichst viele Angaben über Leben und Schicksal der ermordeten Menschen aufnimmt. Ein Buch, zusammen getragen und geschrieben von vielen. Schulklassen oder Einzelne können sich der Spurensuche nach dem Lebensweg der Ermordeten widmen - jüdischer Menschen vor allem, aber auch Roma und Sinti oder anderer Opfer. Nach so langer Zeit und angesichts nur weniger Zeugen ist das eine komplizierte Aufgabe, zumal in einer Stadt, deren Gesicht durch Kriegs- und Nachkriegszeit nachhaltig verändert wurde.
Für die ersten 13 Namen sind bereits biographische Informationen vorhanden, und die Finanzierung der Stolpersteine ist gesichert. Für weitere Stolpersteine sind alle Magdeburgerinnen und Magdeburger aufgerufen, sich mit Spenden und/oder durch eigene Spurensuche zu beteiligen. Die Arbeitsgruppe ist bereit, dafür mit Namen, Informationen und pädagogischer Begleitung für Schulprojekte Unterstützung zu leisten. Das Kulturbüro (Tel. 540 21 34) gibt gern weitere Auskünfte.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.stolpersteine.com. Ein Foto stellen wir Ihnen auf Nachfrage gern zur Verfügung.