Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 22. November 2006

"FRAUEN SCHLÄGT MANN NICHT"

Stadt unterstützt Kampagne von TERRE DES FEMMES

Am 25. November 2006, dem Internationalen Tag »NEIN zu Gewalt an Frauen« startet die zweijährige Kampagne von TERRE DES FEMMES unter dem Motto " FRAUEN SCHLÄGT MANN NICHT". Die Kampagne wird durch die Stadt Magdeburg unterstützt.

Häusliche Gewalt: "Wenn Mann Frau schlägt"

Im Jahr 2004 wurde von der Bundesregierung erstmals eine repräsentative Untersuchung zu "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" veröffentlicht. Dabei wurden 10.000 Frauen nach ihren Gewalterlebnissen befragt. Die Untersuchung ergab, dass 25% der Frauen seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal Gewalt durch ihren Beziehungspartner erfahren mussten, zwei Drittel davon mehr als einmal.

"Das Spektrum der Gewalt ist breit. Einkommen, Bildung oder Alter sind dabei völlig belanglos. Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache für Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle und Vergewaltigungen zusammen genommen. Ihr eigenes Zuhause ist der gefährlichste Ort für eine Frau. Männergewalt gegen Frauen und Mädchen kostet die Solidargemeinschaft jährlich 14,8 Milliarden Euro - Kosten für Justiz, Polizei, ärztliche Behandlung und Arbeitsausfälle. In 95 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt sind Frauen die Opfer und Männer die Täter. Jährlich fliehen rund 45 000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser."(TERRE DES FEMMES 2006)

Häusliche Gewalt in ihrer Ausprägung ist gleichermaßen auch Gewalt, die sich gegen die Kinder richtet und damit den Kinderschutz und das Kindeswohl maßgeblich beeinflusst. Dabei fällt es gerade Frauen mit Kindern sehr schwer, sich aus einer gewaltbelasteten Familie zu lösen. Hierbei scheinen die traditionellen Vorstellungen eines erfüllten Lebens - Kennen lernen, Heiraten, Kinder bekommen - eine große Rolle zu spielen. Sie bilden eine zusätzliche Hürde, den gewalttätigen Partner zu verlassen. Daraus kann geschlossen werden, dass Kinder und Mütter in der Regel länger die häusliche Gewalt ertragen müssen, als Frauen ohne Kinder.

Hilfe im Frauenhaus

Im Frauenhaus Magdeburg wurden seit Bestehen der Einrichtung 1991 insgesamt 1202 Frauen und 1205 Kinder aufgenommen. Die Arbeit mit den Kindern wird von einer Erzieherin geleistet. Dabei wird immer wieder deutlich, wie sehr die Kinder unter den erlebten häuslichen Umständen leiden.

 

Keine Kindertagesstätte oder Schule ist in der Lage dies aufzuarbeiten oder die Sozialisationsverluste zu kompensieren. Denn Kinder, die aus gewaltbelasteten Beziehungen kommen, sind Zeugen/Zeuginnen der Gewalt.

Sie haben:

  • die Beschimpfungen des Vaters gegenüber der Mutter vernommen,
  • die Verletzungen und Tränen der Mutter gesehen,
  • gesehen, wie der Vater die Mutter schlägt,
  • gesehen, wie der Vater die Mutter vergewaltigt,
  • den Einsatz der Polizei herbeigeführt oder miterlebt,
  • selbst wenig Zuwendung und/oder Förderung erfahren,
  • viel im Stillen geweint,
  • selbst Gewalt erlebt,
  • nachts oft wach gelegen,
  • Angst um die Mutter gehabt,
  • ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht helfen können und ihnen die Schuld an Vielem gegeben wird
  • keinen zum Reden über die Situation
    ...und trotz allem (noch) irgendwie überlebt.

Sie mussten:

  • ein Gespür für ständig wechselnde Stimmungen entwickeln,
  • Mechanismen zum Selbstschutz errichten/sich unsichtbar machen,
  • zwischen den Eltern vermitteln,
  • Mutter- oder Vaterrollen für jüngere Geschwister übernehmen,
  • die Folgen der Misshandlungen mittragen (Verlust von Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Fürsorgekraft der Mutter),
  • eigene Probleme allein bewältigen,
  • die Situation vor anderen Bezugspersonen verbergen
    ...und trotz allem zur Schule.

Häusliche Gewalt ist kein Situationsgeschehen mit dem Charakter der Einmaligkeit, sondern ein Prozess, der sich über einen langen Zeitraum mit zunehmender Intensität gestaltet und nachhaltig wirkt.

Im Ausschuss für Familie und Gleichstellung wurde am 7. November 2006 beschlossen, sich im Jahr der Chancengleichheit 2007 intensiv mit der Problematik "Situation von traumatisierten Kindern, die häusliche Gewalt erfahren haben" zu befassen.

 

 

Aktuelle Notrufnummern und Beratungsstellen in Magdeburg:

  • Frauennotruf: 03 91/ 4 06 94 51
  • Magdeburger Interventionsstelle

bei häuslicher Gewalt: 03 91/ 6 10 62 26

  • Frauenberatungsstelle Magdeburg: 03 91/ 5 40 34 25
  • VERA - Beratungsstelle für Frauen

die von Menschenhandel betroffen sind: 03 91/ 4 01 53 70

  • Sozialpädagogische Opferhilfe in der

Polizeidirektion Magdeburg: 03 91/ 5 46 18 46

  • Wildwasser Magdeburg: 03 91/ 2 51 54 17
  • AWO Frauensuchtberatungsstelle: 03 91/ 4 06 80 58




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Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
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