Magdeburg.
Im Fürstenwallpark südlich des Domes werden derzeit Teile des historischen Magdeburg freigelegt. Sie sollen öffentlich begehbar und nutzbar gemacht werden. Über den Stand des Projektes informierte sich Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper heute persönlich. Dr. Eckhart Peters, Leiter des Stadtplanungsamtes, führte über die Baustelle und erläuterte die Funde sowie das weitere Vorgehen.
Unter dem Fürstenwallpark schlummert ein Teil des alten Magdeburgs. Ein „Förder“ genannter Tunnel war schon seit langem bekannt. Er ist bereits in der Karte Otto von Guerickes aus dem Jahre 1632 zum Wiederaufbau der Stadt nach dem 30jährigen Krieg verzeichnet. Es handelt sich um einen alten Ausgang aus der befestigten Stadt. Der eigentliche Ausgang des Tunnels liegt ca. 8 m unter dem Niveau des Fürstenwallparks, mit dessen Bau das Gelände aufgefüllt und der Tunnelausgang mit den umgebenden Festungsmauern zugeschüttet worden war. Den seinerzeit neu gestalteten Eingang ziert ein Schlussstein von 1888.
Derzeit werden Gespräche einer künftigen, wirtschaftlichen und touristischen Nutzung geführt. Denkbar ist z.B. eine gastronomische Nutzung, dafür liegt bereits ein positiver Bauvorbescheid vor.
Ziel aktueller Planung ist es, den Tunnel und die Festungsmauern wieder für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Hierzu wird der unmittelbar vor dem Tunnelausgang liegende Teil des Parks abgesenkt. Dieser „Vorhof“ wird über eine Treppe an den Fürstenwallpark angeschlossen und gleichzeitig wird der Ausgang an der Bastion Cleve wieder geöffnet, heute als Zugang vom Schleinufer. Der Einschnitt nimmt bezug auf einen Ausgang, der sich an dieser Stelle der Festung einmal befand.
Im Zuge der Bauarbeiten wird auch das bislang in diesem Abschnitt unsanierte Mauerwerk parallel zum Schleinufer erneuert. Es handelt sich hier übrigens nicht, wie häufig fälschlicherweise angenommen, um die mittelalterliche Stadtmauer, sondern um eine gründerzeitliche Stützmauer, die den Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Fürstenwallpark zum Schleinufer abfängt. Große Teile der Bastion Cleve sind zu dieser Zeit geschliffen worden, um die Straße Schleinufer bauen zu können.
Ein zweites Planungsziel ist es, das westliche Widerlager der gleichzeitig entstehenden Fußgänger- und Radfahrerbrücke über das Schleinufer abzufangen und denkmalgerecht in das Gartendenkmal Fürstenwallpark einzubinden.
Vor Beginn der Bauarbeiten musste ausgeschlossen werden, dass sich im Baufeld Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Bei den Sondierungsarbeiten durch einen Munitionssuchdienst wurden weitere, bislang unbekannte Festungsbauten entdeckt. Es handelt sich um einen Keller mit Treppe des ehemaligen Turms Cleve und um Gänge mit Geschützstellungen. Sie stammen spätestens aus der Mitte des 16. Jahrhunderts (ca. 1550), Teile sind möglicherweise auch älter, und befinden sich in einem relativ guten Zustand. Aufgrund der Funde musste die ursprüngliche Planung abgewandelt werden. Die historische Anlage wird in das Gestaltungskonzept integriert, so dass auch dieser Teilbereich, der einen Ausschnitt aus der Geschichte Magdeburgs dokumentiert, für die Öffentlichkeit erlebbar ist.
Die Neugestaltung des Fürstenwallparks setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen:
1. Denkmalgerechte Gestaltung des Brückenwiderlagers
2. Erhalt und Sanierung der historischen Festungsanlagen
3. Neugestaltung des Fürstenwallparks in diesem Bereich
4. Gestaltung des Innenhofes
Die Projekte werden aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gefördert. Aufgrund der unerwarteten Funde von Teilen der alten Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert musste das ursprüngliche Projekt umgeplant werden. Jeweils 40 % der entstehenden Kosten werden von Bund und Land getragen, 20 % beträgt der städtische Eigenanteil. Die exakten Kosten der vier Einzelmaßnahmen lassen sich zur Zeit nicht beziffern, da noch Ausschreibungen zu Teilleistungen laufen.