27. Dezember 2006. In der Leistungs-Bilanz des Landkreises Leer stehen wie immer die Arbeitsplätze obenan. Das Zentrum für Arbeit des Landkreises brachte in diesem Jahr 3000 lange Zeit arbeitslose Menschen in einen sozialversicherungspflichtigen Job. Die gleiche Zahl konnte in Trainings-Maßnahmen berufliches Wissen und Können verbessern. In seinem Jahresrückblick weist Landrat Bernhard Bramlage darauf hin, dass weitere 750 Menschen in so genannten Arbeitsgelegenheiten wieder Fuß fassen konnten im Berufsleben. Außerdem begleitete das Zentrum 100 Menschen beim Schritt in die Selbstständigkeit. Noch eine beachtliche Zahl: Die Zentrums-Mitarbeiter führten 136.000 Gespräche mit Kunden. Das Zentrum für Arbeit besteht seit zwei Jahren. Es vermittelt Langzeit-Arbeitslose und Sozialhilfe-Empfänger in neue Jobs und macht sie dafür fit.
Ein Schwerpunkt in der Arbeit des Landkreises ist die Wirtschaft. Deshalb arbeitet er im Verein „Wachstumsregion Ems-Achse“ mit und ist dort zuständig für die Maritime Wirtschaft zwischen Haren und Emden. „Auch im Wettbewerb der Regionen muss sich der Landkreis Leer behaupten“, sagt der Landrat. Im Kreis sind seit je her Seefahrt, Schiffbau und seemännische Ausbildung zu Hause. Leer ist der zweitgrößte Reederstandort in Deutschland. Deshalb setze der Landkreis mit einem Dreiklang auf die weitere Entwicklung: Seefahrtschule, Maritimes Kompetenzzentrum und die Reeder. Er beteiligt sich an der Seefahrtschule mit einer Million Euro, um dort für bessere Räume und Ausstattung zu sorgen. Noch wesentlich größere Investitionen sind für ein Maritimes Kompetenzzentrum auf dem Grundstück der Seefahrtschule geplant. Herzstück soll ein Schiffsführungssimulatior sein. Gemeinsam mit Leeraner Reedern will der Landkreis dafür über drei Millionen Euro investieren. Bramlage hofft, dass vom Land nun endlich dafür das Grundstück neben der Seefahrtschule zur Verfügung gestellt wird.
„Als Beiträge zur direkten Wirtschaftsförderung“ bezeichnet der Landrat die vielfältigen Investitionen bei den Schulen. Der größte Brocken ist der Neubau des Gymnasiums in Rhauderfehn, dessen Rohbau nach der Grundsteinlegung im Juni in einem rasanten Tempo fertiggestellt wurde. Ähnlich schnell wurde der Rohbau der Zweifeldsporthalle in Bunde hochgezogen. Die Greta-Schoon-Schule (Förderschule) in Leer, die Förderschule in Weener und die Gutenbergschule (Hauptschule) in Leer erhielten neue Räume. Die Nebenräume der Sporthalle beim Schulzentrum Uplengen wurden vergrößert, die Halle selbst bekam ein neues Dach. Über das Kreisgebiet verteilt entstanden bei den Schulen neue Fachräume und Schulhofanlagen. Viel Geld hat der Kreis auch in die Sanierung der Schuldächer stecken müssen.
Bis zum Jahresende wird nach den Worten des Landrats die Sanierung und Restaurierung der Evenburg in Leer-Loga abgeschlossen sein. Das Schloss soll im Januar feierlich „enthüllt“ werden und erstrahlt dann in neuem Glanz. Foyer, Treppenhaus und Festsaal wurden bereits im Mai beim Tag der Niedersächsischen Denkmalpflege offiziell in Betrieb genommen. Eine Schönheitskur bekam auch der Musiksaal der Kreismusikschule in der Vorburg des Schlosses.
Alles in allem hat der Kreis mehr als acht Millionen Euro in seine Gebäude investiert. Genau genommen kommen sogar weitere Großinvestitionen dazu: Mit einem Tag der offenen Tür konnte im Juli die Seniorenwohnanlage Heisfelde das sanierte und umgestaltete „Westdorf“ in Betrieb nehmen. Damit war die bereits Anfang der 90-er Jahre schrittweise in Angriff genommene Sanierung der Seniorenwohnanlage abgeschlossen.
Beim Kreiskrankenhaus verkünden Baukräne weitere Großinvestitionen. Nach dem Richtfest für das neue Klinikgebäude an der Augustenstraße im Januar war bereits im Herbst der erste Bauabschnitt mit Gesundheitstrainings- und Wellness-Angeboten fertig. Das neue viergeschossige Klinikgebäude wird bald außerdem über 100 Patientenbetten und verschiedene medizinische Abteilungen beherbergen. Ein neues Klinikrestaurant und ein völlig umgestalteter Eingang folgen neben vielen anderen Veränderungen.
„Der Landkreis Leer hat touristisch einen sichtbaren Aufschwung genommen“, sagt Landrat Bramlage. Zu den vielen Attraktionen der Region gehört die historische Emsfähre zwischen Ditzum und Petkum. 80 Jahre hat sie auf dem Buckel. Der Landkreis ließ den maritimen Oldtimer in diesem Jahr auf der Diedrich-Werft in Oldersum gründlich erneuern. Technisch ist die alte Fähre jetzt ein modernes Schiff: Sicher, stark und wendig. Mehr als 700.000 Euro hat die Renovierung der 1926 als Dampfschiff auf der Meyer-Werft gebauten Fähre gekostet.
Der demographische Wandel macht auch vor dem Landkreis Leer nicht halt. „Wir wollen uns gemeinsam und rechtzeitig der Veränderung stellen. Wir wollen nicht nur reagieren, sondern agieren“, sagte Landrat Bramlage. Der Wandel sei Herausforderung und Chance zugleich. Sein Ziel sei es, so Bramlage, den gesamten Landkreis als attraktiven Lebensraum für junge Menschen zu erhalten. Zugleich sollten sich auch ältere Menschen in der Region wohlfühlen. In Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und vielen anderen Beteiligten will der Kreis im kommenden Jahr ein Gesamtkonzept für den demographischen Wandel fertigstellen.
„Die Menschen im Landkreis können sich auf die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren verlassen“, sagt Bramlage. Das hätten sie bei vielen Einsätzen und in diesem Jahr auch bei gleich mehreren Großeinsätzen bewiesen. Für ortsübergreifende Aufgaben der Feuerwehren hat der Kreis 2006 rund eine Million Euro aufgebracht. Lösch- und Logistikfahrzeuge, Atemschutzgeräte, Wärmebildkameras und vieles mehr standen auf der Anschaffungsliste. Ein großer Brocken war in diesem Jahr die Anschaffung eines Lösch-Unterstützungsfahrzeug, kurz LUF 60. Seine Aufgabe: Bei einem Feuer im Emstunnel oder in einer großen Halle soll es sich bis zum Brandherd vorkämpfen und den Einsatzkräften den Weg bahnen helfen. Vor allem soll es die enorme Hitze bekämpfen, die bei einem solchen Brand entstehen kann. 160.000 Euro hat sich der Kreis dieses hochmoderne Gerät kosten lassen.
Im Bereich der Abfallwirtschaft erinnert der Landrat an die Umstellung der Hausmüllabfuhr, die ohne Zwischenfälle gelungen sei: Nach einer europaweit durchgeführten Ausschreibung wechselte der Auftragnehmer für das Einsammeln des Mülls. Bei dieser Gelegenheit wurde das Abfuhrsystem grundlegend geändert: Restabfall-, Grünabfall- und Altpapiersäcke werden in einem einzigen Fahrzeug mit unterschiedlichen Kammern abgefahren und müssen nicht mehr aufwändig in Breinermoor sortiert werden. Dort wo kleine Straßen die großen Lastwagen nicht vertragen, fahren kleinere Fahrzeuge mit vier Kammern, die auch noch die „gelben Säcke“ mitnehmen.
Als besonders erfreulich bewertet Bramlage die Tatsache, dass trotz zusätzlicher Serviceleistungen wie die getrennte Abfuhr von Elektrogeräten und die Einrichtung von fünf Recyclinghöfen im Kreisgebiet auch 2007 und damit im elften Jahr in Folge die ohnehin schon günstigen Müllgebühren nicht steigen.
Eine der letzten unverbauten Hammrich-Landschaften Deutschlands ist die Fehntjer Tief Niederung. Die Kreise Aurich und Leer haben dieses einmalige Gebiet an der gemeinsamen Kreisgrenze gesichert und entwickelt. Um dort den Bootfahrern und dem Naturschutz gerecht zu werden, soll das Fehntjer Tief in Ruhe gelassen und das Rorichumer Tief zur Umgehung werden. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten sechs Brücken neu gebaut und dabei die Durchfahrthöhe vergrößert werden. Rund 1,3 Millionen Euro hat das Projekt des Entwässerungsverbands Oldersum-Ostfriesland gekostet. Der Landkreis Leer hat rund 300.000 Euro dazu beigetragen.
Bei einem weiteren Projekt im Bereich des Naturschutzes wurden beim Burlage-Langholter Tief in Rhauderfehn und Ostrhauderfehn rund 500 Meter Altarme reaktiviert und ein 6.000 Quadratmeter großes Schilfpolder angelegt. So sollen die Gewässergüte verbessert und der Lebensraum für Tiere und Pflanzen gesichert werden. Auch das Fließgewässer Bagbander Tief und seine Niederung in der Samtgemeinde Hesel als Bestandteil der europäischen Schutzgebieteskulisse „Natura 2000“ sollen erhalten und entwickelt werden. In diesem Jahr wurde dafür bereits ein Schöpfwerk gebaut und die Vorflut neu geregelt. Im nächsten Jahr werden Deiche gebaut. Im Mündungsgebiet des Bagbander Tiefs in den Sauteler Kanal sollen die ausgedeichten Flächen der Natur überlassen werden sowie dauerhafte Wasserflächen entstehen.
Bei der Vielzahl der Projekte könnte leicht aus dem Blick geraten, dass diese vor dem Hintergrund eines Gesamtdefizits im Haushalt von rund 50 Millionen Euro geschultert werden mussten. „Das war nur dank der ausgesprochen guten und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den politischen Gremien und der Verwaltung möglich“, sagt Landrat Bramlage.
Er ist zuversichtlich für 2007, denn die finanzielle Talfahrt kann zumindest gestoppt werden. In diesem Sinne grüße er die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Leer zum Jahresende sehr herzlich und wünsche allen für das kommende Jahr Gesundheit, Zufriedenheit und Erfolg.
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