Bäderkonzept
Stadtverwaltung widerspricht dem „Konzept“ der Bürgerinitiative Viktoriabad:
„Rechnung steht auf schwachen Beinen“ – „falsches bäderpolitisches Konzept“
ib – Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat die Stadt Bonn dem „Konzept der großen Bürgerinitiative Viktoriabad“ widersprochen. Die Fachämter halten die Vorstellungen der Bürgerinitiative für unrealistisch. Die Zahlen, mit denen dort gearbeitet werde, hielten einer Überprüfung nicht stand. Die Rechnung stehe auf schwachen Beinen, das bäderpolitische Konzept sei falsch.
Die Sanierungskosten für das Viktoriabad seien viel zu niedrig angesetzt. Während die Viktoria-Initiative mit vier Millionen Euro auskommen will, kalkuliert das städtische Baumanagement die Sanierungskosten auf 5,2 Millionen Euro. Der Kostenkennwert von 41 Euro pro Kubikmeter sei viel zu niedrig, in Wirklichkeit liege er um ein Drittel darüber, argumentieren die städtischen Bauspezialisten. Auch die für ein neues Frankenbad von der Bürgerinitiative genannten Summen hätten mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Für 10 Millionen könne man vielleicht eine 50 mal 20 m großen Wasserfläche „knapp finanzieren“. Weitere Zusatzangebote wie Nichtschwimmerbecken, Tribüne, Beckentrennung oder sonstige Einrichtungen eines Familienbades (Sauna, Fitness, Bäderlandschaft) seien mit diesem Betrag nicht zu bezahlen: „So kann man vernünftig weder planen noch bauen“, fasst Friedhelm Naujoks, der Chef des Bonner Gebäudemanagements, seine Bewertung des vorgelegten Materials zusammen.
Kritisch setzt sich die Stadt auch mit dem Bild auseinander, das die Initiative von sich in der Öffentlichkeit zeichnet. Man habe es nicht mit einer breiten Bürgerbewegung zu tun, vielmehr vertrete eine überschaubare Gruppierung klar auszumachende Partikularinteressen. Dagegen müsse die Verwaltung die Bedürfnisse der Bürgerschaft insgesamt im Blick behalten. „Unsere Verantwortung erstreckt sich auf die Bedürfnisse von Familien, Schulen und Vereine in der gesamten Stadt Bonn“, stellt Ludwig Krapf, der für die Bäder zuständige Dezernent, klar. Dagegen könne es sich die Bürgerinitiative leisten, sich für die Interessen von einzelnen und kleinen Gruppen stark zu machen.
Deutlich macht die Stadt Bonn auch, dass sie keine „Spaß-Bäder plane, sondern am Frankenbad ein Familienbad wolle, das zu vertretbaren Preisen ein breites Angebot bietet. Der Vorschlag der Initiative, ein der Öffentlichkeit nicht – oder nur über eine Vereinsmitgliedschaft - zugängliches Sport- und Vereinsbad an Stelle des Frankenbades zu errichten, überzeugt in der Bäderverwaltung niemand. Zum einen würde die öffentlich zugängliche Wasserfläche, die in Bonn bei den Hallenbädern eher im Mittelfeld als an der Spitze im Land liegt, weiter reduziert. Zum anderen lasse die Initiative auch bei der Kalkulation der Folgekosten außer acht, dass die Stadt sich im SSF-Schwimmbad im Sportbad Nord erheblich finanziell engagiere, obwohl der Verein einen Beitrag leiste.
Unseriös findet die Verwaltung schließlich auch die Argumentation mit den Besucherzahlen. „Wenn Sie ein Bad deutlich länger offen halten als andere, kommen nach Adam Riese auch höhere Besucherzahlen raus“, wendet der scheidende Sport- und Bäderamtsleiter Peter Mähler ein. Das Viktoriabad ist derzeit das einzige Hallenbad, das für die Bürgerschaft ganztätig geöffnet sei und dafür wöchentlich 60 Stunden lang zur Verfügung stehe. Dagegen sei das Frankenbad – wegen des Schul- und Vereinssports – nur 32 Stunden öffentlich nutzbar. Den Hinweis auf die Kaufkraft-Impulse, die von Viktoriabad-Nutzern ausgehen sollen, betrachten Kenner der Verhältnisse „als Witz“. Schließlich begebe man sich kaum mit der nassen Badehose in der Sporttasche auf Einkaufstour.
Fazit der Stadtverwaltung: der Vorschlag der Initiative Viktoriabad sei bei aller Wertschätzung des Engagements ökonomisch unausgereift und bäderpolitisch konterproduktiv. Die Perspektive der städtischen Bäderlandschaft sei in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit zu suchen!
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