Magdeburg.
Heute hat Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper zu seiner traditionellen Jahresauftakt-Pressekonferenz Vertreter der Medien über die wichtigsten Vorhaben und Ziele 2007 informiert. „Nach dem Jahr der Wissenschaft, das 2006 auf beeindruckende Weise dokumentiert hat, welche wissenschaftlichen Potentiale unsere Stadt beherbergt, steht das Jahr 2007 ganz im Zeichen der Kultur“, so das Stadtoberhaupt. „Darüber hinaus stehen wir weiterhin vor der Herausforderung, die Funktionsfähigkeit der Stadt für ihre Bürger zu sichern. Stadtumbau und Haushaltskonsolidierung werden deshalb fortgesetzt – beides vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, über dessen Auswirkungen wir intensiv diskutieren werden.“
Blick zurück
" WIR WOLLENs WISSEN" lautete das Motto für das Magdeburger „Jahr der Wissenschaft“ 2006. Und die Magdeburger wollten wissen, was die Wissenschaftler in ihrer Stadt leisten und erforschen. Das Thema Wissenschaft hat seinen unverwechselbaren Platz im Magdeburger Alltag gefunden. Etwa 200 Veranstaltungen fanden im "Jahr der Wissenschaft" statt – vom populärwissenschaftlichen Vortrag über die internationale Fachtagung bis hin zu Ausstellungen, öffentlichen Experimenten und – erstmals – einer Langen Nacht der Wissenschaft. Zu den Höhepunkten zählten die Auftaktveranstaltung (2. März 2006) in der Johanniskirche mit TV-Star Wigald Boning, das RoboCup Junior WM-Qualifikationsturnier (31. März - 2. April 2006), bei dem Teams aus ganz Deutschland nach Magdeburg gekommen waren, um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, die Lange Nacht der Wissenschaft am 20. Mai und Fest der Wissenschaft am 22./23. September im neuen Wissenschaftshafen.
Zu den Veranstaltungen, mit denen Magdeburg sein internationales Renommee als Metropole des Mittelalters und als Zentrum der Mittelalterforschung unterstrichen hat, gehört zweifellos die Ausstellung „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“, die fast 250.000 Besucher anlockte. Weit über 5.000 Medienberichte über die Ausstellung erschienen im In- und Ausland.
Über 750.000 Besucher zählte die Website. „68 % der Besucher erklärten, in Magdeburg noch andere Kulturangebote nutzen zu wollen und die Stadt wieder zu besuchen - das ist ein schöner Imagegewinn“, freut sich OB Dr. Trümper über die Anerkennung. „Die in den zurückliegenden Jahren erworbenen Kompetenzen werden wir deshalb nutzen, um in Magdeburg ein Zentrum der Mittelalterforschung zu etablieren. Sein Aufbau soll schon in diesem Jahr beginnen.“
Auch andere Aktionen und Projekte aus dem Jahr der Wissenschaft werden fortgeführt. So wird es 2007 erneut eine "Lange Nacht der Wissenschaft" sowie ein RoboCupJunior Turnier geben. Um den Bestrebungen, Magdeburg als Wissenschaftsstandort überregional zu etablieren und zu stärken, Nachdruck zu verleihen, werden zudem wissenschaftliche Veranstaltungen künftig unter dem einheitlichen Label "MAGDEBURG WILLs WISSEN" vermarktet.
„Kulturstadt Magdeburg 2007“
Kultur und Tradition prägen die Entwicklung einer Stadt. Kultur war und ist innovativer Motor der Magdeburger Stadtentwicklung. Entscheidende Impulse für eine neue Nutzung des industriegeschichtlichen Erbes kamen nach 1990 z.B. aus der soziokulturellen Szene. Mit der Hinwendung zu einzelnen Stadtteilen und ihrer Bevölkerung stritt die soziokulturelle Szene mit breit angelegten, neuartigen Kulturprogrammen um Urbanität und Integration. Bei der Beschäftigung des kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs wird erkennbar, dass der Motor der Kultur im Wandel liegt.
So kennzeichnen Umbrüche und Aufbrüche die derzeitige Entwicklung Magdeburgs auf allen Ebenen. Eine Umorientierung, verbunden mit Verlusten struktureller, wirtschaftlicher oder materieller Art, aber auch die Chance zu mehr Eigenverantwortlichkeit, Neuverortung und Identitätsfindung fordern gerade im kulturell-künstlerischen Bereich intensive Auseinandersetzungen. „All das soll die ‚Kulturstadt Magdeburg 2007’ widerspiegeln“, nennt OB Trümper das Anliegen des Themenjahres. „Dabei wollen wir zeigen, wie vielfältig Kultur und Kunst sind und wie viele Möglichkeiten unsere Stadt birgt, Kunst und Kultur zu erleben oder selbst auszuprobieren.“
„Aufbrüche“ ist daher das Leitthema für die Veranstaltungen, mit denen sich Magdeburg als Kulturstadt in erster Linie seinen Bürgerinnen und Bürgern vorstellt. Programmatische Schwerpunkte sind dabei:
1. die gravierenden demografischen Veränderungen als Herausforderung für die kulturpolitische Arbeit
2. Identitätsbildung und –förderung der Magdeburger und Magdeburgerinnen durch Stadtteilkulturarbeit, Entwicklung von Kunstorten, Spiel- und Erlebnisräumen, Punkten der kulturellen Kommunikation, aber auch durch kulturelle Großereignisse, wie z.B. Open-airs
3. die kulturell-ästhetische Bildung und Erziehung insbesondere von Kindern und Jugendlichen
4. die weitere Profilierung der Geschichtskultur, um Vergangenheit und Gegenwart zu begreifen und damit zukunftsorientiert zu handeln.
Die Gesamtkoordination des Vorhabens „Kulturstadt Magdeburg 2007“ liegt beim Dezernat für Kultur, Schule und Sport. Das Kulturbüro ist die kommunikative und organisatorische Plattform für alle beteiligten Institutionen und Partner. Für die Vermarktung des Gesamtprojektes ist es von Vorteil, dass die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) das Jahr 2007 unter das Thema „Kunst- und Kulturland Deutschland“ gestellt hat. Daran anknüpfend steht Kultur im Mittelpunkt der Marketing-Maßnahmen der MMKT.
Stadtumbau und IBA2010
Der Stadtumbau wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. „Mit den zur Verfügung stehenden Fördermitteln aus dem Stadtumbau-Programm werden wir u.a. die Schulen im Gneisenauring, in der Othrichstraße und das ehemalige Herdergymnasium abreißen“, kündigt OB Dr. Trümper an. Darüber hinaus geht der Rückbau von Wohngebäuden weiter, Schwerpunkte sind dabei die Stadtteile Neu-Olvenstedt, Reform und Nord. Für den Abriss von mehr als 2.100 Wohnungen sind die Fördermittel aus dem Stadtumbau-Programm bereits bewilligt, für weitere 3.900 Wohnungen sind Fördermittel beantragt.
Aus dem Förderprogramm „Aufwertung“ werden u.a. folgende Vorhaben finanziert:
- Neugestaltung des Bärplatzes und Neubau eines zweiten Wohn- und Geschäftshauses in diesem Bereich
- weitere Sanierung der Kaserne Mark
- Bau eines Dschungelspielplatzes in der Max-Otten-Straße
- Sanierung der Trilingualen Grundschule und der Grundschule Salbke
- Sanierung des Sportkomplexes „Tonschacht“
- Gestaltung von Plätzen zur Stärkung der Ortskerne im Südosten
„Die Förderprogramme helfen uns nicht nur, unsere Stadt fit zu machen für die Zukunft, sie schaffen auch Arbeit für die heimische Wirtschaft“, betont OB Trümper. „Deshalb versuchen wir, dort, wo es sinnvoll ist und wir die Eigenmittel aufbringen können, Fördertöpfe für Magdeburg zu nutzen.“
Neben dem Stadtumbauprogramm sind dies auch weiterhin die Förderprogramme
- URBAN 21 (Buckau) und
- Städtebaulicher Denkmalschutz (Domplatz/Südliches Stadtzentrum)
Mit Fördermitteln aus diesen Programmen werden in diesem Jahr u.a. folgende Vorhaben finanziert:
- die Umgestaltung des Domplatzes
- die weitere Sicherung des Klosters Unser Lieben Frauen
- die Neugestaltung des Umfeldes von St. Sebastian
- die weitere Umgestaltung des Fürstenwallparkes
- die Sanierung des Hauses der Romanik, einschl. Umfeld
- die Umgestaltung von Engpass, Thiemstraße und Bleckenburgstraße
- der Parkplatz Kapellenstraße.
Zur weiteren Vorbereitung der Internationalen Bauausstellung Sachsen-Anhalt 2010, die sich ebenfalls dem Thema Stadtumbau widmet, wird das Stadtplanungsamt gemeinsam mit externen Partner die Projektarbeit zum Thema „Wohnen an und mit der Elbe“ fortsetzen. Geplant sind dazu u.a. Wettbewerbe und Workshops, z.B. zum Thema „Flächenmanagement in Südost“ oder zum „Elbebahnhof“. Auch der Ausbau des Wissenschaftshafens und die Errichtung einer Denkfabrik, die im Dezember 2007 eröffnet werden soll, sind Magdeburger Beiträge zur IBA 2010.
Haushaltskonsolidierung und demografischer Wandel
Im Dezember hat der Stadtrat den Haushalt für 2007 beschlossen. „Wir sind optimistisch, dass das Landesverwaltungsamt den Haushalt noch im ersten Quartal genehmigt, so dass wir begonnene Investitionen zügig fortsetzen können“, so OB Dr. Trümper.
Um Investitionen in die Infrastruktur und damit Aufträge an die heimische Wirtschaft trotz angespannter Haushaltssituation zu ermöglichen, sucht Magdeburg weiterhin nach neuen Wegen der Finanzierung. „Unser PPP-Projekt zur Sanierung von Schulen ist so weit vorangeschritten, dass wir zum Jahresende hoffentlich in den ersten Häusern mit den Bauarbeiten starten können“, so OB Trümper. Insgesamt hat die Stadt vier Pakete mit jeweils fünf Schulen geschnürt, die über ein PPP-Projekt modernisiert werden sollen. „Das ist die einmalige Chance, aufgegebene Schulgebäude als Übergangsquartier zu nutzen, um dort Baufreiheit zu schaffen, wo Schulgebäude für die Zukunft saniert werden sollen. In zehn Jahren haben wir diese Möglichkeit nicht mehr.“
Fortgesetzt wird die Sanierung von drei Schulen mit Fördermitteln aus dem IZBB-Programm des Bundes, voraussichtlich 2008 werden diese Schulgebäude wiedereröffnet. Abgeschlossen wird die Sanierung der Berufsbildenden Schule II (vorm. VII) in der Salzmannstraße. Außerdem werden fünf Kindertagesstätten modernisiert.
„Mit der Sanierung von Schulen und Kindereinrichtungen wollen wir die Lebensbedingungen für Familien in unserer Stadt attraktiver gestalten“, so OB Dr. Lutz Trümper. „Das gehört für uns zu den Herausforderungen des demografischen Wandels.“ Darüber hinaus gelte es, sich darauf einzustellen, dass die Magdeburgerinnen und Magdeburger immer älter werden. „Das bedeutet nicht nur, den Bedarf an Plätzen in Alten- und Pflegeheimen dem Bedarf anzupassen, sondern betrifft inzwischen fast alle Bereiche des täglichen Lebens.“ Seniorengerechte Wohnungen gehören ebenso dazu wie Angebote für Gesundheit und Rehabilitation, Freizeit und Kultur, die Verkehrsorganisation oder die bauliche Gestaltung öffentlicher Gebäude. „Der demografische Wandel wird nachhaltige Auswirkungen auf die gesamte städtische Infrastruktur haben. Um deren Dimensionen zu erfassen, werden wir die im Vorjahr begonnene Debatte um den demografischen Wandel fortsetzen und für verschiedene thematische Schwerpunkte vertiefen.“
Insgesamt ist das Stadtoberhaupt optimistisch, dass auch 2007 ein erfolgreiches Jahr für Magdeburg wird: „Auch wenn der Haushalt enge Grenzen setzt, können wir wichtige Investitionsvorhaben, die die Lebensqualität in unserer Stadt weiter verbessern werden, fortsetzen. Da Lebensqualität aber ganz wesentlich auch durch das bürgerschaftliche Engagement der Menschen vor Ort bestimmt wird, wünsche ich mir, dass die Magdeburgerinnen und Magdeburger sich weiterhin einbringen in die Gestaltung ihrer Stadt. Dazu ist vielfach Gelegenheit: in den Arbeitsgemeinschaften Gemeinwesenarbeit, bei Bürgerinitiativen und Vereinen oder in den Ausschüssen des Stadtrates als sachkundige Einwohner.“ Magdeburg ist in diesem Jahr Partnerstadt der Welthungerhilfe. Die internationale Hilfsorganisation unterstützt Projekte für den Aufbau der Zivilgesellschaft und zur Gesundheitsvorsorge v.a. in Afrika, Zentralasien und Lateinamerika. „Mit unserer Partnerschaft wollen wir nicht nur Spenden zur Unterstützung von Projekten sammeln, sondern auch über die Lebensbedingungen in den Ländern informieren“, umreißt OB Trümper das Anliegen der Partnerschaft. „Wir hoffen deshalb, dass viele Schulen und Jugendeinrichtungen die Partnerschaft mit Ideen und Projekten unterstützen.“