Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 18. April 2007

Magdeburger Centurien neu aufgelegt

Magdeburg.

„Mit diesem Werk hat die Landeshauptstadt Magdeburg einen Schatz zurück, einen Schatz, der in Europa seinesgleichen sucht“, würdigte Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper heute die Neuauflage der Magdeburger Centurien. Diese kirchliche Historiographie begründete im 16. Jahrhundert eine neue Form der Geschichtsschreibung. Zusammengestellt nach der Belagerung von 1550/51 sind die Centurien ohne Zweifel das bedeutendste Geschichtswerk über Magdeburg aus der Reformationszeit. Der Verlag Janos Stekovics hat die zweibändige Chronik jetzt neu herausgegeben.

 

Mit dem 16. Jahrhundert begann in Europa die Neuzeit. Es war eine Epoche der Umbrüche und Gegensätze. Die Umbrüche in der Renaissance bestimmten diese Zeit und in der Kunstgeschichte erlebte die alte Kunst eine neue Blüte. Nicht nur in der Architektur und im Städtebau, sondern auch im gesellschaftlichen Leben bedeutete dies die Wiedergeburt des klassischen Altertums.

 

Die Gegensätze waren bestimmt von Krieg und Frieden, Sünde und Ablass, Papst und Faustus, Katholizismus und Protestantismus, Künstlern und Freidenkern, Diktatur und Humanismus, Absolutismus und Bauernaufständen. Die Zeit war auch bestimmt von dem Wunsch nach Frieden - nicht nur weil die Türken vor Wien standen, sondern die furchtbaren Schlachten bei Frankenhausen und Sievershausen stattfanden.

 

In 16. Jahrhundert kam Matthias Flacius aus Istrien über Wittenberg nach Magdeburg und schrieb mit den Centuriatoren die „Magdeburger Centurien“. Magdeburg war zu dieser Zeit weltoffen und von reformatorischen Gedanken bestimmt, selbstbewusst und auch durch das Bündnis der Hanse gestärkt. Der Reichtum der Stadt erwuchs aus der strategischen und verkehrsgünstigen Lage an der Elbe und dem Hellweg (heute Bundesstraße 1).

 

Das Selbstbewusstsein der Stadt zeigte sich in der Behauptung gegenüber Karl V. und Moritz von Sachsen. Die Legende der „Unbesiegbarkeit“ war geboren - ein furchtbarer Irrtum, wie sich im 30-jährigen Krieg zeigte. Neben den zeitgeschichtlichen Dokumenten in der Herzog- August-Bibliothek in Wolfenbüttel und in der Stadtbibliothek Magdeburg liegen geschichtliche Hinweise von Hortledern auf Flacius in Magdeburg und die Beschreibung der Belagerung Magdeburgs 1551 durch Calvisius aus dem Jahre 1727 vor.

 

 

Der Historiker Hoffmann beschrieb 1847 die Geschichte Magdeburgs und geht auf die Zeitepoche des 16. Jahrhunderts ein.

 

 .......an einem großen, gelehrten Werke über die Geschichte der christlichen Kirche gearbeitet, welches den Titel „Centuriae Magdeburgenses“ führt. Die Idee dazu war 1552 von dem damals noch hier lebenden Flacius Illyricus ausgegangen und geschickte, glaubenseifrige Männer schlossen sich als Mitarbeiter an. Es erschienen nach und nach dreizehn Centurien, deren jede ein Jahrhundert umfasst; sie wurden zu Tafeln in den Jahren 1559 – 1574 gedruckt. Die ersten vier und ein Theil der fünften sind hier in Magdeburg niedergeschrieben. Außer mehreren Predigern unserer Stadt waren auch die beiden hiesigen Bürgermeister Dr. Martin Köppe und Ebeling Alemann bei der Herausgabe des Werkes thätig.....

 

Auf der Suche nach den Magdeburger Centurien wurden die Herausgeber u.a. in der Stadtbibliothek Magdeburg reichlich fündig. Hier liegen nicht nur ein dreibändiger schweinsledergebundener Druck aus dem 17. Jahrhundert, ein dreibändiges Werk aus dem 18. Jahrhundert und eine zweibändige gedruckte deutsche Übersetzung vor (Bild des Titels der Neuausgabe), sondern auch drei deutsche Übersetzungen der lateinischen Originalausgabe aus dem Jahr 1560 von der Magdeburger Bibliothek.

 

Weitere Informationen über die Magdeburger Centurien brachten populärwissenschaftliche Arbeiten von Hans Joachim Krenzke und als neueste wissenschaftliche Arbeit die Untersuchungen von Martina Hartmann über den Nachlass von Flacius von Istrien in der Wolfenbüttler Bibliothek, wobei der Nachlass von Dr. Christian Heitzmann gewürdigt wurde.

 

Das zusammenfassende Werk zur Reformation der christlichen Kirche in Wismar und das  Wirken von Johann Wigand von C. F. Crain aus dem 19. Jahrhundert gibt weitere Informationen über die letzten Bände der Magdeburger Centurien. Johannes Wigand spannt den Bogen von Magdeburg über Jena nach Wismar, mit einigen Autoren setzt er die in Magdeburg begonnene Arbeit fort (Band 6 – 13). Die Wismarer Zeit Wigands – nicht die Arbeit an den Centurien – ist durch die Arbeit Michael Bunners 2005 in diesem Buch dokumentiert worden.

 

Im Laufe der letzten Jahrhunderte kam immer wieder der Wunsch auf, die Magdeburger Centurien neu zu beleben und sie fortzusetzen. Die 1200-Jahr-Feier Magdeburgs bot die Gelegenheit, die Kenntnis über die Magdeburger Centurien wieder zu wecken - populärwissenschaftlich nach innen und nach außen. Die jetzt vorliegende Publikation will nicht in erster Linie einem hohen wissenschaftlichen Anspruch genügen, sondern den Blick für diese Geschichtsschreibung öffnen.

 

Die Neuauflage der „Magdeburger Centurien“ im Verlag Janos Stekovics umfasst 1000 Exemplare. Das Werk ist ab sofort zum Preis von 48 Euro im Buchhandel erhältlich.




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