Vor dem Hintergrund der heute beginnenden Tagungen der Synoden der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen hat Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die Absichtserklärung zwischen dem Freistaat Thüringen, der Landeshauptstadt Erfurt und der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (EKM) kritisiert.
In der Vereinbarung verpflichten sich der Freistaat Thüringen und die Stadt Erfurt, 6,5 Millionen Euro aus Mitteln der Städtebauförderung für die Sanierung des Gesamtkomplexes „Collegium maius“ als zukünftigen Sitz des Kirchenamtes zur Verfügung zu stellen. Der Einsatz kirchlicher Eigenmittel würde darüber hinaus 5 Millionen Euro betragen.
„Mit dem Einsatz öffentlicher Gelder ist der Vereinigungsprozess der beiden Landeskirchen von öffentlicher Bedeutung und nicht mehr nur ein innerkirchliches Thema“, stellt der Oberbürgermeister fest. Aus Sicht des Magdeburger Stadtoberhauptes ist es nicht hinnehmbar, dass wichtige Institutionen und Arbeitgeber, wie z. B. das Kirchenamt in Magdeburg, schlichtweg mit öffentlichem Geld abgeworben werden, obwohl die Standortentwicklung und insbesondere die Finanzierung für die oberste Kirchenverwaltung keine staatliche Aufgabe ist.
„Bei einem Besuch im Kirchenamt Magdeburg konnte ich mich davon überzeugen, dass die Arbeitsbedingungen dort hervorragend sind. Darüber hinaus hatte sich der Stadtrat mit einem einstimmigen Beschluss deutlich für einen Verbleib des Kirchenamtes in Magdeburg ausgesprochen“, informiert Dr. Trümper. Klarstellend fügt der Oberbürgermeister hinzu: „Ich kritisiere nicht den Vereinigungsprozess der beiden Landeskirchen, jedoch die Tatsache, dass offensichtlich nur über den Einsatz öffentlicher Gelder die Wirtschaftlichkeit dieses Prozesses vermittelbar erscheint und gleichzeitig eine wichtige Institution und Arbeitsplätze in der Landeshauptstadt Magdeburg verloren gehen sollen.“
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper bittet die Synodalen darum, bei ihren Entscheidungen über die Präsenz der Evangelischen Kirche in Magdeburg neben den kirchlichen Belangen insbesondere auch die für den Standort Magdeburg sprechenden Argumente im Auge zu behalten. Dazu gehören aus Sicht des Oberbürgermeisters die strukturelle Bedeutung von Kirchenamt und Bischof für die Landeshauptstadt Magdeburg ebenso wie die berechtigten Interessen der hier langjährig beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort.
Hintergrund:
Vom 19. bis 21. April tagen in der Lutherstadt Wittenberg die Synoden der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen. Auf Vorschlag der Föderationskirchenleitung soll in beiden Gremien über die mögliche Vereinigung beider Landeskirchen und über die endgültigen Standorte für das Landeskirchenamt und den Bischofsitz beraten und entschieden werden. Bereits in der vorangegangenen Synode der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen im November 2006 hatte diese mit fast einstimmigem Beschluss festgestellt, dass angesichts des vorhandenen voll sanierten Gebäudebestandes in Magdeburg neue Investitionen der Kirche von maximal 5 Millionen Euro in Erfurt in den Kirchengemeinden kaum vermittelbar sein dürften und den Nachweis der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens gefordert. Auch auf die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kirchenamtes hatte die Synode verwiesen.
Der nun avisierte zusätzliche Einsatz von öffentlichen Fördergeldern über 6 Millionen Euro durch den Freistaat Thüringen und die Landeshauptstadt Erfurt ist zwar aus Sicht des Magdeburger Stadtoberhauptes geeignet, den Standort Thüringen massiv zu fördern, er trägt aber direkt auch dazu bei, den Standort Magdeburg qualitativ zu verschlechtern. Auf die negativen Folgen der Förderpolitik des Freistaates Thüringen macht der Magdeburger Oberbürgermeister Dr. Trümper mit seiner Kritik aufmerksam.