Presseinformation

Nr. Steinfurt, 15. August 2007


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Spürbarer Mangel an hoch qualifizierten Arbeitskräften im Münsterland
Befragung von 213 Unternehmen, Verwaltungen, Schulen und Kliniken

Kreis Steinfurt. Zunächst waren es nur einzelne Unternehmen. Doch die Stimmen wurden rasch lauter. Der Mangel an Arbeitnehmern mit (Fach-) Hochschulabschluss scheint besonders in ländlichen Regionen ein wirtschaftliches Hemmnis zu werden.

 

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaften des Münsterlandes – unter anderem die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (WESt) – haben das Thema aufgegriffen. Sie ließen von der Universität Twente im Rahmen einer Umfrage recherchieren, wie groß das Problem in dieser Region ist und welche Berufsgruppen besonders rar sind. Jetzt liegen die Ergebnisse der Befragung „Brain Drain im Münsterland“ vor. „Brain Drain“ – das heißt wörtlich aus dem Englischen übersetzt: „Gehirn Abfluss“. Hier ist die Abwanderung besonders ausgebildeter oder talentierter Menschen gemeint.

 

Geantwortet haben auf den online-Fragebogen 213 Unternehmen, Verwaltungen, Schulen und Kliniken. Drei Viertel der Befragten hatten Probleme, die benötigten hoch qualifizierten Arbeitskräfte anzuwerben. 25 Prozent der befragten Organisationen war es in den letzten fünf Jahren sogar unmöglich, bestimmte offene Stellen zu besetzen. Und eine deutliche Mehrheit (87 Prozent) denkt, dass es zukünftig noch schwieriger wird, angemessene Arbeitskräfte – insbesondere Ingenieure, aber auch Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich – zu finden.

 

Ursache für die Schwierigkeiten ist nach Meinung von 58 Prozent der Befragten ein Mangel an hoch qualifizierten Personen im Münsterland. Als Gründe dafür wurden genannt: geringe oder keine beruflichen Aufstiegschancen, Partner/in findet keine passende Arbeitsstelle, schlechtes Stellenangebot und schlechte Einkommensmöglichkeiten. Aber auch „weiche“ Faktoren in der ländlichen Region tragen nach Angaben der Befragten mit  zu dem Mangel bei. So werden das im Vergleich zu Großstädten und Ballungszentren nicht so breite Kultur- und Freizeitangebot, das geringere Angebot an Dienstleistungen sowie strengere soziale Normvorstellung als weitere Gründe dafür genannt, dass Hochqualifizierte das Münsterland verlassen beziehungsweise meiden.

 

Doch es gibt nach Ansicht der Fragebogen-Teilnehmer auch Lösungsansätze, um zukünftig mehr Arbeitnehmer mit (Fach-) Hochschulabschluss ins Münsterland zu holen. 67 Prozent plädieren für eine engere Verknüpfung von Forschung, Wissenschaft und mittelständischen Unternehmen. Dies steigere die Attraktivität. Neue Wege in der Personalentwicklung sollten dabei Unterstützung bieten (52 Prozent). Das Image des Münsterlandes bedarf nach Meinung von 42 Prozent der Befragten einer Verbesserung, ebenso die Verkehrsanbindungen zu den Nachbarregionen (37 Prozent). Auch durch persönliche Beratung und Unterstützung der Hochqualifizierten könne Abhilfe geschaffen werden, meinen 35 Prozent der befragten Unternehmen und Einrichtungen. Drei Viertel sehen dabei zunächst einmal die Wirtschaft selbst gefordert. Doch auch der kommunalen (72 Prozent) und der Landespolitik (60 Prozent) messen die Befragten ein große Verantwortung bei.

 

Die Nachbarn in Twente haben schon früher den Mangel an hoch qualifizierten Arbeitskräften wahrgenommen und gegengesteuert. Führende Betriebe gründeten gemeinsam das Career Center Twente (CCT), welches die Betriebe bei der Personalgewinnung aktiv unterstützt. Dabei werden nicht nur Unternehmen und potenzielle Arbeitskräfte zusammengebracht. Auch bei der Suche nach einer geeigneten Stelle für den/die Partner/in, bei der Wohnungssuche oder der Organisation der Kinderbetreuung unterstützt das CCT und macht es so manchem Hochqualifiziertem schmackhaft, auch aus den Ballungszentren in das EUREGIO-Gebiet zu ziehen.