Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 24. September 2007

"Sachsenspiegel und Magdeburger Recht - Grundlagen für Europa"

OB eröffnete Ausstellung im Alten Rathaus

Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper hat heute im Alten Rathaus die Ausstellung "Sachsenspiegel und Magdeburger Recht - Grundlagen für Europa" eröffnet. Die von dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Lück konzipierte Wanderausstellung macht auf das einzigartige Phänomen der deutschen und europäischen Rechtsgeschichte aufmerksam. Die Exposition kann bis zum 15. Oktober besucht werden.

"Das Magdeburger Recht gilt als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Stadtrechte", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper bei der Eröffnung. "Die Wahrnehmung der historischen Bedeutung - sowohl des Sachsenspiegels als auch des Magdeburger Rechts - ist im Ausland immer noch höher als im eigenen Land. Deshalb wünsche ich mir, dass die Exposition dazu beiträgt, den Stellenwert dieser Rechtsquellen in der Öffentlichkeit noch stärker ins Bewusstsein zu rufen."

Über den Sachsenpspiegel und das Magdeburger Recht waren unsere europäischen Nachbarn für Jahrhunderte mit der Kulturlandschaft des heutigen Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt Magdeburg verbunden. Heute besteht eine Nähe der Rechtskulturen im Rahmen der Europäischen Union. Ihre Fundamente reichen weit in die Geschichte zurück. Jenen einzigartigen Zusammenhang spiegelt die Ausstellung wider. Die Schau war unter anderem bereits in Polen, Estland und Belgien zu sehen. In der Ratsdiele des Alten Rathauses kann die Exposition montags bis freitags von 9.00 bis 18.00 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Das Magdeburger Recht basierte zunächst auf einer gut funktionierenden mündlich überlieferten Mischung aus dem Recht der Vorfahren, Stammestraditionen der Sachsen, Kaufmannsrechten und ersten Schöffensprüchen.

Wichtiger Ausgangspunkt für das Magdeburger Recht als Stadtrecht waren zudem die Privilegien Ottos des I., Gründer Magdeburgs und Herrscher von europäischem Format. Diese Privilegien hatten im frühen Mittelalter den Markt, die königsfreien Fernkaufleute, die Kaufmannsgemeinde sowie die Gerichtsgemeinde unter ein besonderes Recht gestellt. Schon damals war Magdeburg auf Grund seiner Lage ein Mittler zwischen Ost und West.

Strafrechtsbücher mehrerer Städte, Schöffenbriefe und -sprüche oder Verleihungsurkunden aus Magdeburg sind historische Zeugnisse dieser rechtsgeschichtlichen Leistungen. Für Magdeburg sind diese Zeugnisse ein bedeutendes Stück Stadtgeschichte.

Einer, der viele Rechtsgrundsätze im Mittelalter schriftlich festhielt, war der Rechtsgelehrte Eike von Repgow. Im 13. Jahrhundert schrieb er in der Nähe von Magdeburg die erste umfassende Aufzeichnung des deutschen mittelalterlichen Rechts - den Sachsenspiegel. Das erste Prosawerk in deutscher Sprache gelangte gemeinsam mit dem Magdeburger Stadtrecht nach Osteuropa.

Seit 1999 verleiht die Landeshauptstadt Magdeburg gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität den Eike-von-Repgow-Preis. Mit diesem Preis werden Wissenschaftler gewürdigt, die sich um die Erforschung der Rechtsgeschichte und der Historie Mitteldeutschlands verdient gemacht haben.

Seit April 2003 gibt es in Magdeburg eine Forschungsstelle zum Magdeburger Recht. In der Landeshauptstadt wird zur Verbreitung und Funktion des Magdeburger Stadtrechts in Osteuropa während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit geforscht. Das Forschungsprojekt wurde vom Initiator der Ausstellung und Eike-von-Repgow-Preisträger 2002 Dr. iur. Heiner Lück, Professor für Bürgerliches Recht, Europäische, Deutsche und Sächsische Rechtsgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Präsidiumsmitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, initiiert.

Gegenstand der Untersuchung ist die nähere Bestimmung der Rolle des Magdeburger Stadtrechts als Wirtschaftsfaktor in den Städten Ostmitteleuropas während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Im Zentrum der wissenschaftlichen Forschungen stehen Studien zur Verbreitung des Magdeburger Stadtrechts in einem europäischen Maßstab sowie zur Funktion jener Rechtsfiguren, welche insbesondere wirtschaftlich relevant waren, unter anderem Zunft, Kaufleute, Handelsverträge, Gerichtsbarkeit über Handelssachen, Maß und Gewicht. Seit 1. Juni dieses Jahres arbeitet die aus Ungarn stammende Rechtshistorikerin Dr. Katalin Gönczi auf der Forschungsstelle. Sie setzt damit die Tätigkeit ihrer Vorgängerin Marion Perrin fort.




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Stadt Magdeburg
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