Landeshauptstadt Magdeburg: PRESSEINFORMATIONEN

Magdeburg, 07. Dezember 2007

RENÉ JACOBS ERHÄLT GEORG-PHILIPP-TELEMANN-PREIS 2008

Magdeburg.

Der Beigeordnete für Kultur, Schule und Sport der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Rüdiger Koch, gab bei der ersten Pressekonferenz der 19. Magdeburger Telemann-Festtage am 6. Dezember 2007 bekannt, dass der belgische und heute in Paris lebende Sänger und Dirigent René Jacobs mit dem Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg 2008 geehrt wird.

René Jacobs leistet einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Telemannrezeption und regt mit seiner Werkauswahl den auf Telemann bezogenen Repertoire-bildungsprozess des Musiklebens maßgeblich an. Mit international stark beachteten Konzert- und CD-Projekten hat Jacobs mehrere große Vokalwerke des gebürtigen Magdeburger Komponisten einem außergewöhnlich breiten Publikumskreis bekannt gemacht. Dazu zählen u.a. die sensationelle Ersteinspielung von Telemanns Oper Orpheus und die furiose Europatournee mit Telemanns „Brockes-Passions-Oratorium“. Wie auch bei den Innsbrucker Festspielen setzen Jacobs Interpretationen der Werke Telemanns international beachtete Akzente, wie jüngst die Aufführung der Telemann-Oper Der geduldige Sokrates erneut verdeutlichte. Dieses Werk erklang außerdem im Rahmen des von Jacobs betreuten Barockopernzyklus der Staatsoper Unter den Linden in Berlin sowie in Hamburg und Paris.

Über Telemann-Konzertprojekte in Metropolen des europäischen Musik- und Kulturlebens hinaus engagiert sich Jacobs auch auf dem Gebiet der Vermittlung von wissenschaftlicher und musikpraktischer Arbeit und lehrt an musikalischen Ausbildungseinrichtungen.


RENÉ JACOBS – PREISTRÄGER DES GEORG-PHILIPP-TELEMANN-PREISES DER LANDESSHAUPTSTADT MAGDEBURG 2008

René Jacobs sang als Chorknabe in seiner Heimatstadt Gent. Parallel zum Studium der klassischen Philologie an der Universität Gent, widmete er sich seiner Gesangsausbildung in Brüssel und Den Haag, wobei ihn die Begegnungen mit den Brüdern Kuijken, mit Gustav Leonhardt und Alfred Deller zur intensiven Beschäftigung mit Alter Musik und der historischer Aufführungspraxis führten.

Er spezialisierte sich als Countertenor und schlug in diesem Stimmfach eine internationale Laufbahn als Opern- und Konzertsänger ein, die ihn durch ganz Europa, in die USA und in den Fernen Osten führte – seine Interpretationen setzten Maßstäbe, was Schallplatten- und CD-Aufnahmen von Werken Monteverdis über Schütz und Bach bis zu Pergolesi dokumentieren.

Bei den ersten Innsbrucker Festwochen 1976 war Jacobs mit Kantaten und Arien von Caldara und Händel zu hören. Ab 1977 unterrichtete er barocken Gesangsstil an der Schola Cantorum Basiliensis und gründete das Ensemble Concerto Vocale. 1979 brachte der Sänger in Innsbruck erstmals Vokalmusik des einstigen Innsbrucker Hofkapellmeisters Pietro Antonio Cesti zu Gehör. Die hervorragende Wirkung von Jacobs’ Musizierstil bewog den damaligen Leiter der Innsbrucker Festwochen, Otto Ulf, dem belgischen Musiker 1982 die Leitung einer konzertanten Opernaufführung von Cestis Orontea anzuvertrauen.

Von nun an widmete sich René Jacobs verstärkt der musikalischen Leitung und Bearbeitung von Barockopern mit dem Schwerpunkt auf der frühen venezianischen Oper Monteverdis, Cavallis und Cestis. In Innsbruck und an bedeutenden Opernhäusern in ganz Europa dirigierte er denkwürdige szenische Aufführungen u.a. von Monteverdis L’incoronazione di Poppea und Il ritorno d’Ulisse in patria, Cavallis Giasone, Francesco Bartolomeo Contis Don Chisciotte, Antonio Cestis L’Argia und wandte sich auch Händels Flavio und Purcells Dido and Aeneas zu. Bei den Salzburger Festspielen brachte er Monteverdis Orfeo und an der Brüsseler Oper Cavallis La Calisto heraus. In Innsbruck überraschte er die Musikwelt mit der Wiederentdeckung von Telemanns Orpheus und dem fulminanten Solimano Hasses. Darüber hinaus leitete Jacobs viele Oratorienaufführungen, u.a. Bachs Weihnachtsoratorium im Wiener Musikverein und Händels Saul in mehreren europäischen Musikzentren.

Von 1991 an ist René Jacobs Opernchef der Innsbrucker Festwochen, deren künstlerische Leitung er inzwischen ebenfalls übernommen hat. An der Deutschen Staatsoper Unter den Linden in Berlin ist er Gastdirigent und betreut das vorklassische und klassische Repertoire. Dort brachte er u.a. Grauns Cleopatra e Cesare und Mozarts Così fan tutte heraus, sowie in Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen Werke wie Gaßmanns L’Opera seria und Händels Rinaldo. Die letztgenannte Produktion erhielt von der Zeitschrift Opernwelt 2004 die Auszeichnung Inszenierung des Jahres; die in Innsbruck entstandene CD-Aufnahme des Rinaldo wurde zur Opernaufnahme des Jahres 2004 gekürt. Monteverdis L’Orfeo ist ebenfalls eine Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen.

Auch als Konzertdirigent von u.a. symphonischem Repertoire bis hin zu Schubert feiert Jacobs mittlerweile große Erfolge in Musikzentren wie London, Paris, Köln und Salzburg. Er leitet die bedeutendsten Klangkörper der historisch informierten Aufführungspraxis wie das Orchestra of the Age of Enlightenment, die Akademie für Alte Musik Berlin, Concerto Köln und das Freiburger Barockorchester.

René Jacobs hat mehr als 250 Einspielungen vorgenommen, davon sind viele mit hohen Preisen ausgezeichnet worden. Die Madrigali guerrieri ed amorosi von Monteverdi erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2002, ffff Télérama, Choc des Jahres 2002, Timbre de platine. Händels Rinaldo, Griselda von Alessandro Scarlatti wurden ebenfalls ausgezeichnet (u.a. mit dem Timbre de platine und dem Diapason d’Or). Die Hochzeit des Figaro von Mozart brachte 2004 den Gramophone Award sowie den Grammy. Im Januar 2006 erhielt die CD-Produktion von Händels Saul auf der MIDEM in Cannes die Auszeichnung als beste Aufnahme der Sparte Barock.

René Jacobs begann im Januar 2004 einen Monteverdi-Zyklus an der Staatsoper Unter den Linden Berlin. Er startete 2004 mit L’Orfeo, 2005 folgte in Koproduktion mit dem Théâtre des Champs-Elysées Il ritorno d’Ulisse in patria und 2006 in Koproduktion mit dem Théâtre Royal de La Monnaie L’Incoronazione di Poppea.

Im Bereich der geistlichen Musik und des Oratoriums waren die letzten Projekte Händels Saul (November 2004) und das Brockes-Passionsoratorium von Telemann (März 2005). Ihnen folgt Händels Messias (Dezember 2005). Die Wiederaufnahme von Mozarts Die Hochzeit des Figaro am Théâtre des Champs-Elysées wurde im Juni 2004 live auf arte ausgestrahlt und parallel auf große Leinwände in Straßburg, Brüssel und Leipzig übertragen. Jacobs’ Neuentdeckung des Jahres 2004 Cavallis Eliogabalo hatte im April Premiere am Théâtre Royal de La Monnaie und wurde im August ein umjubelter Erfolg in Innsbruck. René Jacobs’ Beschäftigung mit den Da-Ponte-Opern Mozarts findet im August 2006 bei den Innsbrucker Festwochen mit der Produktionspremiere von Don Giovanni ihren krönenden Abschluss.

Zudem betreut Jacobs den Barockopernzyklus der Staatsoper Unter den Linden Berlin. Wie auch bei den Innsbrucker Festspielen setzen Werke Telemanns seither international beachtete Akzente, wie jüngst die Aufführung der Telemann-Oper Der geduldige Sokrates erneut verdeutlichte (zudem Aufführungen des Werkes in Innsbruck [szenisch] sowie in Hamburg und Paris [beide konzertant]).

Nachdem seine Interpretation des Passionsoratoriums Der für die Sünde der Welt leidende und sterbende Jesus TVWV 5:1 im März 2005 im Rahmen einer Tournee (Köln, Brüssel, Paris, Hamburg und Berlin) international für Furore sorgte und durch den WDR und den NDR live übertragen wurde, bereitet Jacobs mit dieser Komposition für März 2008 erneut eine Tournee vor, der eine CD-Produktion für harmonia mundi france folgen soll.

 

 




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