Landkreis Leer | Presseinformation

In Jemgum kein erhöhtes Krebsrisiko

Studie: Verdacht auf Industrie-Einfluss bestätigt sich nicht

16. Mai 2008. Jemgum. In der Gemeinde Jemgum erkranken und sterben nicht mehr Menschen unter 50 an Krebs als anderswo. Das ergibt eine Untersuchung der Krebs-Sterbefälle der Jahre 1999 bis 2006, die das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen und das Landesgesundheitsamt vorgenommen haben. Dieses Ergebnis stellten kürzlich Michael Hoopmann vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und der Erste Kreisrat des Landkreises Leer, Rüdiger Reske, sowie der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Christian Marga, im Jemgumer Verwaltungsausschuss vor.

Anlass der wissenschaftlich-statistischen Studie war die Vermutung, dass Industrieanlagen im niederländischen Delfzijl und eine Funkmastanlage in der Gemeinde die Verursacher vermehrter Krebsfälle seien. Die Vermutung war in politischen Gremien und in Medien laut geworden. Der damalige Bürgermeister Jakobus Baumann hatte sich deshalb bereits 2002 an das Kreisgesundheitsamt gewandt. Sein Nachfolger Johann Tempel wurde im vorigen August erneut aktiv, nachdem die Angelegenheit wieder politisch diskutiert worden war. Das Kreisgesundheitsamt schaltete daraufhin die zuständigen Landes-Fachbehörden ein.

Nach Mitteilung des Leeraner Kreisgesundheitsamtes hat sich der Jemgumer Verdacht über die Ursachen von Krebs nicht als Tatsache erwiesen. Die Auswertungen ergeben keinen Zusammenhang der Krebsfälle mit den vermuteten Umwelteinflüssen. Das Landesgesundheitsamt stellt in seinem Fazit fest: „Die Vermutung, es wären verstärkt jüngere Menschen in Jemgum von Krebs betroffen, wird nicht erhärtet.“ Es gebe darüber hinaus „keine deutlichen Hinweise aus Krebserkrankungsformen, die in einem möglichen Umweltzusammenhang stehen“.

Eine Auffälligkeit brachte die Studie jedoch hervor, die mit ungesunder Umwelt aber nichts zu tun hat: In der Gemeinde Jemgum sterben mehr Frauen an Darmkrebs als anderswo. Im Acht-Jahreszeitraum waren es zwölf Frauen, statistisch erwartet werden in dieser Spanne 5,9 Fälle. Bei den Jemgumer Männern liegt die Darmkrebs-Sterberate unter dem Durchschnitt – aber bei Lungenkrebs über dem Schnitt.

Darmkrebs wird neben genetischer Veranlagung vor allem auf eine ungesunde Lebensweise zurückgeführt: zu üppiges Essen, zu viel tierische Fette und zu viel rotes Fleisch verbunden mit einem zu geringen Anteil von Ballaststoffen in der Nahrung, zu wenig Obst und Gemüse, zu wenig Bewegung, regelmäßiger Alkoholkonsum und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa). Ebenso wie Darmkrebs ist Lungenkrebs stark von der persönlichen Lebensweise abhängig. In der Altersgruppe bis 50 weichen in der Gemeinde Jemgum weder bei Lungenkrebs noch bei Darmkrebs oder lymphatischen Krebsen die Erkrankungs- und Sterbewerte auffällig vom Durchschnitt ab.

Pressekontakt: Landkreis Leer, Dieter Backer


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