Presseinformation

Nr. 403 Steinfurt, 27. Oktober 2008


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Erste Schulschiedsstelle im Kreis Steinfurt gegründet
Sechs Schülerinnen und Schüler sollen „Problemfälle“ lösen

Kreis Steinfurt. Alexander stört den Unterricht, beschädigt die Toilette und raucht heimlich auf dem Schulhof. Sein Schulleiter hat jetzt eine Möglichkeit mehr, den Jugendlichen in seine Schranken zu weisen, ihn zum Nachdenken zu bringen: Er ruft die Schulschiedsstelle an.

 

Der Schulaufsichtsbeamte Joachim Joosten und der Leiter des Schul-, Kultur- und Sportamtes des Kreises Steinfurt, Erich Börger, überreichten jetzt im Kreishaus Steinfurt drei Schülerinnen und drei Schülern ihre Urkunden als Mitglieder der ersten Schulschiedsstelle im Kreis Steinfurt. Die Jugendlichen besuchen unterschiedliche Schulformen in Hörstel, Steinfurt und Rheine.

 

Sechs Tage lang wurden Sascha Brzoza, Michael Engbert, Jonas Mieves, Nadine Weisbrodt, Anna Gessel und Inna Mesmer zuvor vom Schulministerium auf diese Aufgabe vorbereitet. Die 15- bis 18-Jährigen haben die Grundlagen des Straf- und Schulrechts kennen gelernt, Gesprächsführung trainiert und gelernt, mit Sanktionen umzugehen. Die Schulschiedsstelle kann ein Handyverbot aussprechen, Sozialstunden oder eine Entschuldigung oder Schadensersatz vom Taschengeld anordnen. Die Schüler haben Respekt vor dieser Aufgabe. „Es ist ja die Frage, ob wir immer richtig entscheiden, ob wir zu hart sind“, überlegte Anna Gessel von der Euregio Gesamtschule in Rheine.

 

Joachim Joosten wies auf die wichtige Funktion der Schulschiedsstelle im Schulsystem hin und ermutigte dazu, sie auch anzurufen: „Alles steht und fällt mit der Akzeptanz der Schulleiter.“ Erzieherisches Einwirken und Ordnungsmaßnahmen nach dem Schulgesetz erreichen nicht bei allen Schülern ihr Ziel, heißt es Schulministerium. Ergebnisse erziehungswissenschaftlicher Forschung weisen darauf hin, dass der positive Einfluss Gleichaltriger oft mehr erreichen kann als die Einwirkung Erwachsener.

 

Die Arbeit der Schiedsleute sei sicher nicht ganz einfach, schließlich handele es sich oft um „Problemfälle, die an der Schule nicht lösbar sind“, so Joosten. Die Schüler erzählten, dass ihre Schulleiter für die Schiedsstelle eine Vorauswahl der Jugendlichen getroffen hätten. Die soziale Kompetenz, das Verantwortungsbewusstsein seien sicher Kriterien gewesen, vermutete Nadine Weisbrodt, Schülerin des Gymnasiums Arnoldinum in Steinfurt. Interessant seien vielleicht auch diejenigen Schüler gewesen, die schon als Streitschlichter tätig waren, sagte Anna Gessel.

 

Die Jugendlichen versprechen sich von ihrer neuen Aufgabe Erfahrung im Umgang mit Menschen. Sie alle möchten nach ihrer Schulzeit einen Beruf ergreifen, der sie mit Menschen zusammen bringt, möchten als Erzieher, Lehrer oder Jurist arbeiten. Jonas Mieves kann sich vorstellen, dass sich die ehrenamtliche Tätigkeit als Schiedsmann auch positiv bei einer Bewerbung auswirkt. Schließlich können sich die Schiedsleute ihr Amt auf dem Zeugnis vermerken lassen.

 

Bedarf für eine Schulschiedsstelle sei da, sind sich die Jugendlichen einig. Auch an ihren Schulen gebe es Mitschüler, die durch ihr Verhalten negativ auffallen. Vor der Schiedsstelle kann ein Fehlverhalten gegenüber Mitschülern oder Lehrern, Beschädigungen von Eigentum, Rangeleien im Schulbus und entschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht verhandelt werden. Fälle an ihren eigenen Schulen wollen die Jugendlichen aber nicht entscheiden. Das müssen sie auch nicht. Denn an den monatlichen Sitzungsterminen nehmen jeweils immer nur drei Schüler teil. Dabei sein wird auch der Sozialpädagoge der Harkenbergschule Hörstel, Jörg Bröskamp, eventuell der geschädigte Schüler und auf Wunsch die Eltern des Beschuldigten.

 

Ansprechpartner für die Schulschiedsstelle ist Martin Trindeitmar Schulamt für den Kreis Steinfurt, Telefon 02551/69-2233.





Schulschiedsstelle