Pressemitteilung vom09. Januar 2009
Startschuss für Informationszentrum Klosterkirche Lippoldsberg
Wahlsburg.

Im September 2008 hatte die Gemeindevertretung den Plänen für ein Informations- und Kommunikationszentrum an der Klosterkirche im Wahlsburger Ortsteil Lippoldsberg zugestimmt. „Jetzt stehen auch die erforderlichen Mittel bereit, so dass mit den Bauarbeiten begonnen werden kann“, informiert Landrat Dr. Udo Schlitzberger bei einem Besuch in Lippoldsberg. Der Ausbau des historischen Gebäudes am Westportal der Klosterkirche kostet rund 172.000 Euro. Dr. Schlitzberger: „Es war klar, dass weder der Förderverein Klosterkirche Lippoldsberg e.V. noch die Gemeinde Wahlsburg diesen Betrag alleine schultern können“. Die Gemeinde übernimmt bis zu 32.500 Euro – der Kreis steuert 30.000 Euro bei.  Der größte Förderbetrag mit rund 69.000 Euro stammt aus Investitionsprogramm „Regionale Wertschöpfung und Lebensqualität“ (LEADER-Programm) der Investitionsbank Hessen.

 

„Das Geld ist gut eingesetzt, da die Klosterkirche Lippoldsberg eine der architektonischen und geschichtlichen Glanzpunkte im Landkreis Kassel ist“, ist sich Dr. Schlitzberger sicher. Beim Weihnachtskonzert des Landkreises, das 2008 in der Klosterkirche stattfand, habe er erneut feststellen müssen, dass viele Menschen aus der Region Kassel nicht wissen, welche „Attraktionen Lippoldsberg bieten kann“. Die Klosterkirche gehört neben dem karolingischen Westwerk in Corvey zu den Höhepunkten früher Baukunst im Weserbergland. Die gut 53 Meter lange dreischiffige Basilika gilt als eines der ersten in allen Bauteilen eingewölbten Gebäuden in Deutschland.

„Mit dem Informationszentrum steht ab September 2009 endlich eine Anlaufstelle für die zunehmende Zahl von Besuchern der Klosterkirche und die Touristen an der Oberweser zur Verfügung“, so der Landrat.

 

Die nicht unerheblichen Kosten für den Umbau des 800 Jahre alten Gebäudes für das neue Infozentrum ergeben sich aus Vorgaben des Denkmalschutzes. Im Zuge der Sanierung wird ein Teil des Kreuzgangs aus dem 12. Jahrhundert freigelegt. Dr. Schlitzberger: „Auch unter diesem Gesichtspunkt ist das Projekt beispielhaft, da ein ansonsten leer stehendes denkmalgeschütztes Gebäude in der historischen Ortsmitte von Lippoldsberg sinnvoll und zukunftsfähig genutzt wird“. Bestandteil des Nutzungskonzepts ist die Einrichtung eines Klosterladens - außerdem nimmt das Infozentrum die Aufgaben des gemeindlichen Tourismusbüros wahr. „Wenn alles gut läuft, kann hier mittelfristig auch ein zusätzlicher Vollarbeitsplatz geschaffen werden“, weist der Landrat auf die arbeitsmarktpolitische Bedeutung des Projekts hin. Neben Exponaten aus dem früheren Kloster soll im Informationszentrum auch ein virtuelles Museum entstehen, in dem Besucher am Computer Eindrücke in grundlegende Bereiche des mittelalterlichen Lebens erhalten können.

 

Die Trägerschaft des neuen Infozentrums übernimmt der Förderverein Klosterkirche Lippoldsberg e.V., der die Räume von der Gemeinde Wahlsburg für 15 Jahre gepachtet hat. Die Gemeinde selbst hat das Haus von der Eigentümerfamilie Grimm gepachtet.

 

Hintergrund:

Die Geschichte des Klosters Lippoldsberg wird durch eine Chronik aus dem Jahr 1151 bezeugt. Zu diesem Zeitpunkt bestand das mit Benediktinernonnen besetzte Kloster bereits sechzig Jahre und eine wirtschaftliche Blüte mit Bevölkerungszuwachs in den umliegenden Gemeinden verursacht. Wie die Chronik ausweist, besaß das Kloster in 190 Orten Grundbesitz und Rechte. Als die bisherige Kirche nicht mehr ausreichte, wurde unter Probst Gunther von Halberstadt, einem bautechnisch versierten Mann, 1142 ein Neubau in Angriff genommen, der 1151 soweit gediehen war, dass in der Chronik von einer reich ausgestatteten und bequemen Kirche die Rede ist. Die Blütezeit des Klosters hielt bis ins ausgehende Mittelalter an.

 

Dann folgte, wie auch für andere Klöster, der Niedergang, der nur noch einmal aufgehalten wurde, als der angebliche Fund einer blutenden Hostie bei Gottsbüren im frühen 15. Jahrhundert eine ungeahnte Wallfahrtsbewegung in Gang setzte, die vom Kloster Lippoldsberg gesteuert wurde. Nachdem die Wallfahrten untersagt waren, brachte der Verlust der mit ihnen verbundenen Einnahmen das Kloster erneut in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Einführung der Reformation in Hessen durch Landgraf Philipp dem Großmütigen führte dann ab 1569 endgültig zur Auflösung und Aufteilung der Klostergüter. Die in einem einzigen großen Wurf entstandene Kirche blieb verschont und wurde der evangelischen Gemeinde auf ewige Zeiten zur Nutzung übergeben. Die Klosterkirche Lippoldsberg gehört zu den wenigen romanischen Bauten dieser Größe, die fast unverändert erhalten geblieben sind. Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg ist von den beiden Westtürmen nur der südliche Turm erhalten, der 1722 eine Glockenstube und eine Haube erhielt.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



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Infozentrum Lippoldsberg
Auf dem Bild sind von links nach rechts Pfarrer Christian Trappe, Torge Grimm, Bärbel Grimm, Brigitte Hofmeyer (Landtagsabgeordnete), Peter Nissen (Amt für den ländlichen Raum), Landrat Dr. Udo Schlitzberger, Vocko Schulze (1. Beigeordneter Wahlsburg), Bürgermeister Jörg-Otto Quentin zu sehen.


LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
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