
Kreis Steinfurt. Luis stört den Unterricht. Marie kann nicht gut lesen. Und Leon wehrt sich mit den Fäusten, wenn er sich mit seinen Klassenkameraden streitet. Lehrer, Eltern, aber auch die Kinder und Jugendlichen selbst stehen heute vor vielen Herausforderungen. Die Schulpsychologische Beratungsstelle des Kreises Steinfurt bietet ihnen dabei vertraulichen und sachkundigen Rat.
Der Amoklauf in Winnenden hat viele Erinnerungen wach gerüttelt an die Geschehnisse im November 2006 an der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten. Der 18-jährige Bastian B. hatte fünf Menschen durch Schüsse verletzt, bevor er sich selbst tötete. Das Land Nordrhein-Westfalen und der Kreis Steinfurt haben seitdem die Stellenzahl der Schulpsychologen auf nunmehr 3,5 verdoppelt. Der Kreis Steinfurt bezahlt anderthalb Stellen, das Land zwei.
Ein guter Anfang, meinen Schulpsychologe Paul Mangel und Schulamtsdirektor Heinz Heidbrink. Die Wartezeit auf einen Beratungstermin ist kürzer geworden, innerhalb von zwei Wochen nach Anmeldung findet er in der Regel statt. Hilfreich sei auch das Netzwerk für Krisenintervention in Nordrhein-Westfalen, berichtet Mangel, der auch in Berlin tätig war. Er empfindet den Kreis Steinfurt als eine „recht heile Welt“. Aber die Situation im Kreis Steinfurt sei noch optimierbar, da es auch hier Probleme genug gebe.
Gibt es Schwierigkeiten, können Eltern und Lehrer mit der Schulpsychologischen Beratungsstelle einen Termin vereinbaren. 240 solcher Beratungen gab es bisher in diesem Schuljahr. Die Psychologen fahren zu den Schulen, beobachten das Kind im Unterricht und sprechen mit den Bezugspersonen. Anlass für Beratungen sind häufig Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen, Konzentrations- und Motivationsprobleme, aggressives und störendes Verhalten, Schulverweigerung, Schul- und Prüfungsangst, Mobbing und auch Probleme der Schüler mit ihren Eltern oder Lehrern.
Die meisten der zu beratenden Schüler besuchen die Grundschulen im Kreis Steinfurt. Prävention ist das Motto. Schulamtsdirektor Joachim Joosten meint, dass dabei auch die Kinder mit einbezogen werden müssten, die eben nicht durch Gewalt oder Stören des Unterrichts auffallen, sondern „die still alleine auf dem Schulhof stehen“. Ihnen fehle oft Anerkennung, Aufmerksamkeit und Geborgenheit. Die Schulpsychologen müssten dafür aber noch häufiger an den Schulen präsent sein. „Aber dafür reichen in unserem Flächenkreis die personellen Ressourcen nicht“, bedauert Mangel.